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Zu schön, um wahr zu sein: Top-Level-Domain ".pro"

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Die Domain für "Professionals" sollte ".pro" werden. Eine rigide Politik sollte es nur Anwälten erlauben, ".law.pro" zu registrieren, und nur Ärzten das Einrichten einer ".med.pro"-Adresse ermöglichen. So sahen die Pläne vor drei Jahren aus. Jetzt wechselt die Registrierstelle, die 2001 zu den ersten sieben von ICANN ausgewählten ".com"-Konkurrenten gehörte, sang- und klanglos den Besitzer.

Register.com verkauft für einen nicht genannten Betrag die Tochter Registry.pro an den US-Hoster Hostway. Bis heute ist noch keine ".pro"-Adresse im Netz. ICANN muss dem Verkauf noch zustimmen. Weder Hostway noch ICANN haben auf Anfragen von Heise Online bislang eine Stellungnahme abgegeben.

Dass die berufsbezogene Top-Level-Domain bereits seit Jahren im Dornröschenschlaf verharrt, hat Gründe – und die werfen ein charakteristisches Licht auf die Politik der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), die zentral über den Internet-Adressraum und die Vergabe von TLDs wacht. Das ".pro"-Konzept mit seiner Exklusivität gefiel den Verantwortlichen bei ICANN. Derselbe Aspekt erwies sich für Register.com jedoch als Bumerang: Allein der Versuch, weltweit Standesorganisationen – etwa die deutsche Anwaltskammer – ins Boot zu holen, die die Zulassungen für Anwälte, Ärzte und Steuerberater prüfen sollten, entpuppte sich als völlig unrealistisch. Die erste Einschränkung hieß daher, dass es zunächst nur für US-Professionals möglich sein sollte, ".pro"-Domains zu registrieren. Im vergangenen Jahr holte Registry.pro zum nächsten Verzweiflungsschlag aus: Man ließ sich nachträglich von ICANN die Erlaubnis einräumen, eine direkte Registrierung unter ".pro" durchzuführen. Schließlich soll man sich, so berichtet Domain-Experte Bret Fausett, sogar dazu verstiegen haben, ICANN um die Änderung der TLD von ".pro" in ".web" zu bitten.

Wieviel Geld die Strategen von Register.com mit ihrem Top-Level-Domain-Experiment in den Sand gesetzt hat, lässt sich schwer einschätzen. Bret Fausett machte aber im August vergangenen Jahres auf Register.coms Vierteljahresbericht gegenüber der US-Börsenaufsicht aufmerksam. Gemäß Angaben bei der Bewerbung um die Domainvergabe hätte Register.com rund 8,5 Millionen in den Start investieren sollen, bis Juni 2003 beziffert man die Ausgaben auf ingesamt 2,6 Millionen plus weitere Nicht-Bargeld-Aufwendungen. Kein Wunder also, dass man im Mai noch versuchte, für teures Geld defensive Registrierungen für Markeninhaber zu verhökern. Kostenpunkt: bis zu 2900 US-Dollar.

Auch die ".pro"-Domains als solche sollten hoch gehandelt werden. Für 325 Euro hält Secura, übrigens als einziger deutscher Registrar, die "Geisterdomain" noch immer auf seiner Webseite feil. Überprüfung der Zulassung und digitale Signatur seien ingegriffen. "Die Registrierung erfolgt voraussichtlich noch 2003", heißt es dort ziemlich optimistisch, wenn auch nicht besonders aktuell.

Welche Pläne nun Hostway mit der schon etwas angegrauten neuen TLD hat, bleibt abzuwarten. Sicher ist, dass die Geschichte von Registry.pro – ebenso wie die offenbar allgemein geringe Nachfrage nach verschiedenen neuen Spezial-Top-Level-Domains – die von ICANN eingeläutete neue TLD-Runde überschattet. Auch dieses Mal sollen nur Spezialdomains (wie ".museum" oder ".aero") vergeben werden, nicht die erfolgreicheren allgemeinen Domains (wie "info"). (Monika Ermert) / (psz)