Zu wenige mögen Microsoft, meint Microsoft

Als eine Umfrage von ZDNet UK allzu sehr zu Gunsten des .NET-Konkurrenten Java stand, halfen Microsoft-Mitarbeiter kurzer Hand ein wenig nach.

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Von
  • Herbert Schmid

In einer Online-Umfrage wollte ZDNet Großbritannien die Bedeutung von Web-Services ausloten. Nebenbei erkundigte sich der News-Dienst nach der eingesetzten Plattform. Zwischen den Jahren veränderte sich allerdings das Ergebnis drastisch zu Gunsten von .NET.

Am 21. Dezember sollten nach der Umfrage noch mehr als die Hälfte der Projekte mit Java entwickelt werden, magere 21,5 Prozent wollten .NET einsetzen. Am 5. Januar, dem Ende der Umfrage, sah die Welt plötzlich ganz anders aus: Rund drei Viertel der Projekte setzten nun auf .NET.

Vom plötzlichen Wandel überrascht, suchte ZDNet in den Log-Files seiner Server nach Gründen für den Stimmungswechsel. Deutliche Worte wählten die Mitarbeiter von ZDNet zur Beschreibung der Ergebnisse ihrer Untersuchung: "An investigation indicated that Microsoft employees used vote-rigging to distort the results." Die ZDNet-Mitarbeiter meinen belegen zu können, dass

  • der Großteil der abstimmenden Surfer aus der Domain microsoft.com kam;
  • viele Leute versuchten, mehrmals abzustimmen (obwohl die Umfrage das zu verhindern suchte, habe es ein Nutzer bis zu 228 Mal probiert);
  • die Mehrzahl der Teilnehmer durch dieselbe Mail zur Stimmabgabe aufgefordert wurde: PLEASE STOP AND VOTE FOR .NET!

Bei der Aufklärung half Microsoft indirekt sogar ein wenig mit: Beim Aufruf einer Website über einen Link in einer Mail, die mit Microsoft Outlook angezeigt wird, schickt der Mailclient den Titel der Mail-Nachricht an den entsprechenden Webserver.

Eines scheint diesmal allerdings gewiß: Die Teilnehmer der Umfrage leben. Das gilt jedoch nicht für jeden, der Microsoft unterstützt. Schickten doch letzes Jahr sogar Tote Briefe an den Justizminster des US-Bundesstaates Utah, um gegen den Antitrust-Prozess zu protestieren. Ein weiteres -- übrigens nicht nur bei Microsoft beliebtes -- Mittel der Meinungsbildung sind Studien. Nachdem solche bereits die Sicherheit der Aktivierung von Windows XP oder die Überlegenheit von Windows 2000 gegenüber Linux belegten, kündigte Microsoft bereits ein weiteres Werk an: Linux sei teurer als Windows XP. (hes)