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Zum 20. Juli 1944: Internet-Informationen über den Widerstand gegen die Nazis

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Heute vor 60 Jahren scheiterte der Versuch, Adolf Hitler zu töten und in Deutschland einen Machtwechsel herbeizuführen. Die "Operation Walküre" war, so heißt es im Online-Auftritt des Deutschen Historischen Museums in Berlin, "'generalstabsmäßig geplant". Sie scheiterte dennoch, und so nahm nach dem misslungenen Umsturzversuch die Gestapo in den folgenden Wochen tausende von Regimegegnern fest, rund 5000 von ihnen wurden bis Kriegsende hingerichtet oder starben an den Haftbedingungen.

"Die Ereignisse vom 20. Juli 1944 bilden den umfangreichsten Widerstand von Deutschen gegen das Regime Adolf Hitlers in der Zeit des Nationalsozialismus", schreibt Shoa.de, eine Bürgerinitiative, deren Ziel die Auseinandersetzung mit den Schrecken des Holocaust und seinen Nachwirkungen ist. "Die Beteiligten der Verschwörung stammen aus vielen Schichten der Bevölkerung und hatten vielfältige Kontakte zum Kreisauer Kreis um Helmuth James Graf von Moltke." Und weiter: "Zum Ausgangspunkt des Machtwechsels wurde ein Mordanschlag auf Hitler gemacht. Die von Claus Schenk Graf von Stauffenberg platzierte Bombe tötete Hitler jedoch nicht. Das brachte den gesamten Plan zum Scheitern." Stauffenberg, Friedrich Olbricht, Mertz von Quirnheim und Werner von Haeften wurden noch in der Nacht zum 21. Juli 1944 im Hof des Bendlerblocks erschossen.

Neben diesen beiden Fundstellen bietet das Internet eine Fülle an Informationen über den Umsturzversuch. Die Bundeswehr betont natürlich die Beteiligung der Militärs an den Attentatsplänen, während sich eine Seite des SWR Claus Schenk von Stauffenberg widmet. Die Website zu dem Film Stauffenberg hat den Grimme Online Award 2004 bekommen und schildert unter anderem den Werdegang des Widerstandskämpfers. Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet aktuelle Themenblätter für den Schulunterricht an, die kostenlos heruntergeladen werden können.

Die Website der Gedenkstätte Plötzensee bezeichnet den Umsturzversuch als "das zentrale Ereignis des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus". Sie listet die Namen der in der Strafanstalt Plötzensee zwischen dem 8. August 1944 und dem 9. April 1945 hingerichteten 89 Menschen auf, die den Widerstandskreisen des 20. Juli 1944 zugerechnet werden können.

An diesem historischen Datum sollten andere Widerstandsgruppen nicht vergessen werden, gerade zu Anfang des Nazi-Regimes waren etwa viele Gruppen aus dem Umfeld der KPD und sozialdemokratische Organisationen gegen die Nazis aktiv. Auch sei an die Edelweißpiraten erinnert: Am 10. November 1944 wurden in Köln-Ehrenfeld Jugendliche, die Mitglieder der Edelweißpiraten waren, öffentlich gehängt. Sie galten in den Augen der Nazis als "Staatsfeinde" und "Schwerverbrecher". Oder der Widerstandskreis der Weißen Rose um die Geschwister Sophie und Hans Scholl und ihren Lehrer Kurt Huber sowie an den Widerstand verbotener Parteien oder innerhalb der Kirchen.

Der 20. Juli 1944 "ist das sichtbarste Zeichen für den Widerstand, den es in Deutschland auch in den Zeiten der Diktatur gegeben hat. Der Widerstand war vielfältig und er war weiter verbreitet als lange Zeit angenommen wurde. Er hatte viele Formen und viele Gesichter. Er war aus den unterschiedlichsten Motiven gespeist", sagte heute Bundespräsident Horst Köhler bei einem Empfang. Bundeskanzler Gerhard Schröder mahnte in seiner Ansprache bei der Gedenkveranstaltung im Berliner Bendlerblock, dieser Tag "müsse auch uns Nachgeborenen immer wieder Ansporn sein, die Werte von Freiheit und Toleranz, die wir heute für so selbstverständlich halten, stets aufs neue zu verteidigen". Zudem erinnerte er an Einzelkämpfer wie den Schreiner Georg Elser, der im November 1939 einen Anschlag auf Hitler versuchte oder den katholischen Domprobst Bernhard Lichtenberg, der in Berlin öffentlich für Juden und KZ-Häftlinge betete. (anw)

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