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Zum Geburtstag einen Sarg: 25 Jahre CD

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Heute vor 25 Jahren wurde im Polygram-Werk Hannover-Langenhagen die erste Audio-CD aus der Massenfertigung vorgestellt. Aus diesem Anlass wird wieder einmal Geburtstag gefeiert. Allerdings ist die Stimmung gereizt, weil der erfolgreichste Tonträger der Welt Konkurrenz bekommen hat: "Die CD für tot zu erklären ist ungefähr das Gleiche, wie einem 50-Jährigen zum Geburtstag einen Sarg zu schenken", erklärte Michael Haentjes vom Bundesverband der deutschen Phonoverbände auf der offiziellen Geburtstagsfeier der CD in Berlin.

Der drastische Vergleich für die 25 Jahre alte Audio-CD steht in krassem Gegensatz zur Dauerklage der Musikindustrie, dass das Internet und die Festplatte die Sargtischler der Branche seien. Dabei geht es der Audio-CD gut: Allein in Deutschland wurden nach Auskunft des Phonoverbandes im vergangenen Jahr 150 Millionen Musik-CD verkauft, dazu 500 Millionen CD-Rohlinge, die überwiegend als Musik-CD genutzt werden. Auch der Generationswechsel als Tod der CD ist übertrieben: Nach einer Umfrage der Klatschzeitschrift Vanity Fair kaufen 75 Prozent der Deutschen zwischen 14 und 29 Jahren Musik-CDs. Nur 25 Prozent sollen ihre Musik aus dem Internet beziehen und dabei überwiegend "legale Musikportale" nutzen. Insgesamt sollen sie für Musik (Konzerttickets etc. inklusive) monatlich 23,80 Euro ausgeben und durchschnittlich 1,6 Audio-CDs kaufen. Das sind schöne Zahlen für das Geburtstagskind.

Erstaunliche 25 Prozent der Befragten sind dabei noch im Besitz eines Plattenspielers. Die LP wurde ziemlich schnell von der CD verdrängt und kommt in der Gesamtbilanz knapp auf die Hälfte der mittlerweile 35 Milliarden fertiger Musik-CDs, die bisher produziert wurden. Welche Musik mit der ersten massenhaft produzierten Musik-CD gehört werden konnte, darüber kann selbst der Phono-Verband keine genaue Auskunft mehr geben. Entweder soll die "Alpensinfonie" von Richard Strauss oder das Album "The Visitors" von Abba zu hören gewesen sein. Bei Sony war "52nd Street" von Billy Joel die erste digitale Musikscheibe.

Entwickelt wurde das CD-Format gemeinsam von Sony und dem niederländischen Elektronikkonzern Philips. Ursprünglich hatte Sony eine Audio-CD auf Grundlage der damals bereits existierenden optischen Videodisks geplant. Bald sah man aber ein, dass eine CD mit 30 Zentimetern Durchmesser nicht nur unhandlich war, sondern auch niemals von der Musikindustrie akzeptiert worden wäre. Eine CD dieser Größe hätte rund 13 Stunden Aufnahmezeit geboten – viel zu lang für die auf den Verkauf von Alben fixierten Plattenfirmen. Abmessungen und andere technische Details des Formats wurden dann 1980 von beiden Firmen im "Red Book"-Standard festgelegt – und Philips zeigte sich angesichts diverser Kopierschutztechniken, die aus der Red-Book-Spezifikation entsprechenden CDs Un-CDs machten, zeitweise gar besorgt über den "guten Ruf der CD".

Was den schmucken Geburtstagssarg anbelangt, so legt die Musikindustrie nun düstere Vergleichszahlen vor: Während von jeweils zwei gekauften LPs eine Kopie auf Tonband oder Kassette angefertigt wurde, würden heute pro verkaufter Audio-CD drei Kopien gebrannt. Dazu kämen noch "hundertmillionenfache Raubkopien in China, Russland und Osteuropa", heißt es in der Geburtstagsmeldung.

Siehe dazu auch:

(Detlef Borchers) / (jk)

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