Menü

Zune-Ausfall: Fremder Code als Ursache

vorlesen Drucken Kommentare lesen 475 Beiträge

Kunden des ersten mobilen Media-Players von Microsoft erlebten zum Jahresende eine böse Überraschung: Am 31. Dezember 2008 fielen weltweit alle Zune-Geräte der ersten Generation aus. Ursache war ein interner Fehler bei der Handhabung von Schaltjahren.

Die von Microsoft gebotene Lösung war ebenso pragmatisch wie unbefriedigend: Anwender sollten einfach die Batterie leerlaufen lassen und abwarten; die Situation werde sich am 1. Januar um 12:00 GMT von selbst bereinigen. Eine unmittelbare Abhilfe konnte der Hersteller nicht anbieten, versprach aber einen Fix bis zum nächsten Schaltjahr. In einer ersten Stellungnahme zeigten sich die Entwickler etwas überrascht, wieviele Ur-Zunes noch im Einsatz sind. Neuere Modelle seien von dem Problem nicht betroffen – weder die Flash-Player noch die neueren Festplatten-Modelle mit 80 und 120 GByte. Bislang werden die Zune-Player nur in Nordamerika vermarktet; mit einem Europa-Start wird erst mit dem Erscheinen der dritten Player-Generation in diesem Jahr gerechnet.

In diversen Diskussionsforen kursiert eine plausible Erklärung für den Ausfall des Ur-Zune: Demzufolge ist Microsoft nicht direkt für den Fehler verantwortlich, sondern der Hersteller der im Player verbauten Hardware. Diversen Berichten zufolge steckt im Zune der Freescale-Prozessor MC13783 – ebenso wie in den Toshiba-Playern Gigabeat S30 und S60. Gigabeat-Besitzer berichteten in Foren, ihre dem Zune 30 in vielerlei Hinsicht ähnlichen Player seien vom gleichen "Y2K9-Problem" heimgesucht worden.

Offenbar griffen sowohl Microsoft als auch Toshiba zur Firmware-Entwicklung auf einen von Freescale bereitgestellten Treiber zur Auswertung der Echtzeituhr zurück, dessen Auswertung von Schaltjahren einen logischen Fehler enthält (Quelltext, relevanter Ausschnitt, Erklärung für Nichtprogrammierer).

Derweil finden sich in den offiziellen Support-Foren für Zune-Anwender immer noch zahlreiche Postings von Anwendern, deren Geräte weiterhin "hängen". Einige davon hatten wohl auf eigene Faust den Player geöffnet die Batterie ausgebaut und damit einen Hardware-Reset ausgelöst – eine Vorgehensweise, von der die aktuelle Version der offiziellen Zune-30-FAQ etwas verspätet abrät. (ghi)