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Zwei Drittel der Eltern ahnungslos über Computerspiele

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Zwei Drittel aller Eltern kennen nach einer Studie der Universität Bochum die Computerspiele ihrer Kinder nicht. Dabei sei das Wissen um die Inhalte dieser Spiele und ein gesundes familiäres Umfeld im Kampf gegen die Folgen von Gewalt verherrlichenden Spielen sehr wirksam. Selbst intensiv spielende Computer-Kinder könnten so gegen die Folgen von Gewalt verherrlichenden Spielen unempfindlich gemacht werden, sagte der Bochumer Wirkungsforscher Clemens Trudewind am heutigen Mittwoch in Nürnberg. Auf der Jahrestagung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften wies er in Nürnberg vor 300 Teilnehmern darauf hin, dass die Einstufung von Spielen als jugendgefährdend nur eine von vielen Schutzmaßnahmen sein könne.

Nach einer von Trudewind vorgestellten Studie stellten Wissenschaftler bei manchen Computer-Kids eine starke emotionale Abstumpfung fest. Von den 300 Kindern zwischen acht und 14 Jahren hätten stets diejenigen Befragten eine gefährliche Absenkung der Aggressionsschwelle aufgewiesen, die mehr als zehn Stunden pro Woche spielten und keine feste Bindung zu ihren Eltern hätten, berichtete Trudewind. Dagegen hätten sich ein gesundes familiäres Umfeld und eine Beteiligung der Eltern an den Spielerfahrungen ihrer Kinder als stark aggressionshemmend erwiesen.

Heike Esser von der Fachhochschule Köln wies darauf hin, dass man keineswegs sagen könne, "Wer den Gewaltspielen zuspricht, ballert auch in der Wirklichkeit". Die Wirkung hänge von sehr vielen Faktoren ab und ereigne sich auf den unterschiedlichsten Ebenen. So beeinflussten ihre Erfahrungen in der virtuellen Spielwelt ihre Stimmungen. Andere Kinder gingen aber so weit, dass sie Klickbewegungen in der Realität nachahmten. "Eine Testperson war durch ein Historienspiel so beeinflusst, dass sie am Kölner Dom Steine anklicken wollte, um zu sehen, ob sich dahinter eine Tür verbirgt", schilderte die Kölner Forscherin. (dpa) (jk)