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Telepolis

Zwei Drittel der Radiohead-Fans zahlen für das neue Album [Update]

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Das neue Album In Rainbow der erfolgreichen britischen Band Radiohead kann seit gestern von deren Website heruntergeladen werden. Berichten zufolge verzeichnete die Website eine starke Nachfrage. Die Band, die derzeit bei keinem Label unter Vertrag steht, hatte sich zu einem Experiment entschlossen und den Fans freigestellt, ob und wie viel sie für das MP3-Album mit zehn Stücken zahlen wollen, nachdem sie sich registriert haben. Überdies werden die Dateien ohne Kopierschutz angeboten. Neben dem Download ist auch eine Luxusausgabe für 40 Pfund erhältlich, die zwei CDs, zwei Vinyl-Scheiben sowie Begleitmaterial enthält. Bandmanager Bryce Edge hatte das Experiment zwar als riskant bezeichnet, meinte jedoch, dass die Fans bereit seien, für die gute Musik zu zahlen.

Mitgeteilt wurde nicht, wie viele Menschen das Album heruntergeladen haben, und vor allem nicht, ob sie dafür bezahlt haben. Die Zahlungsbereitschaft spiegelt sich aber in diversen Weblogs und auf anderen Webseiten wider. Bei einer Onlineumfrage des Newsletters Record of the Day haben bislang mehr als 3000 Personen teilgenommen, die das Album heruntergeladen haben. Nach einer ersten Auswertung wurden durchschnittlich vier britische Pfund (5,70 Euro) gezahlt. 67 Teilnehmer gaben an, das Album sei mehr als 10 Pfund (14 Euro) wert, immerhin zwölf Fans erklärten, sie hätten 12 Pfund (17 Euro) gezahlt.

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Den Preis für den Download bestimmt der Fan.

Paul Scaife, der Herausgeber des Newsletters, sagt, dass viele Fans den Preis zahlen würden, für den sonst CDs zu erhalten sind. Manche sollen sogar gesagt haben, dass sie nach dem Hören des Albums mehr gezahlt hätten, wenn dafür eine Möglichkeit eingerichtet worden wäre. Er geht davon aus, dass viele trotzdem die CDs kaufen werden. 351 der Befragten haben dies zusätzlich zum Download auch gemacht. Ein Drittel hat sich das Album allerdings heruntergeladen, ohne einen Penny zu zahlen. Nach den Kommentaren zu schließen, wollen sich die meisten das Album erst einmal anhören, um dann zu entscheiden, ob sie sich die Discbox kaufen. Andere erklären, sie würden sich normalerweise kein Album der Band kaufen, hätten es sich aber jetzt für einen kleinen Beitrag, beispielsweise 1 Pfund, heruntergeladen, oder sie sagen, die Musik von Radiohead sei nicht mehr wert als etwa 0,99 Pfund.

[Update: Für die Band erfüllt der Download-Coup auch den Zweck, für die im Januar anstehende reguläre CD die Werbetrommel zu rühren. "Wenn wir nicht glauben würden, dass die Leute auch die CD kaufen werden, wenn sie die Musik hören, würden wir das nicht machen", meinte Radiohead-Manager Bryce Edge am Montag gegenüber dem britischen Branchenblatt Music Week. Die mediale Aufregung, den das neuartige Vertriebsmodell verursacht hat, versucht er etwas zu dämpfen: "Das ist eine Lösung für Radiohead, nicht die ganze Branche." Edge schwört der CD die Treue. Bei MP3 gingen die Details der Radiohead-Songs verloren. "CDs sind unterbewertet und werden zu billig verkauft". Eine einfache CD des neuen Albums soll im Januar erscheinen, möglicherweise mit zusätzlichem Material, berichtet die Financial Times. Über den Vertrieb der Silberscheibe redet das Bandmanagement auch wieder mit den "Big Four" Universal Music, Sony BMG, Warner Music und EMI. ]

Unterdessen wird das Experiment der britischen Indie-Rocker in der Branche interessiert beobachtet und könnte einem Bericht der Tageszeitung Telegraph zufolge bald Nachahmer finden. Nach Angaben aus Branchenkreisen sollen Jamiroquai und Oasis, beide derzeit ohne Vertrag, ebenfalls überlegen, ihre Werke künftig kostenlos zum Download anzubieten. In den USA hat der Sänger der Nine Inch Nails, Trent Reznor, am vergangenen Montag mit "großem Vergnügen" bekannt gegeben, die Band sei nun frei von einem Plattenvertrag, und er freue sich auf eine direktere Beziehung mit seinem Publikum. (vbr/c't) /

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