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Zwei Siemens-Handystandorte vorerst gesichert

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Nach dem geplanten Abbau von 340 Arbeitsplätzen ist die Zukunft der Siemens-Handystandorte Kamp-Lintfort und München nach Einschätzung der Arbeitnehmer vorerst gesichert. "Wir haben in den Verhandlungen mit dem neuen Besitzer BenQ keine langfristigen Garantien im juristischen Sinne erreicht", sagte Siemens-Aufsichtsrat Wolfgang Müller von der IG Metall heute in München. Die Standorte München und Kamp-Lintfort sollten aber zu Produkthäusern mit starker Entwicklungsabteilung ausgebaut werden. "Nach jahrelanger Krise sehen wir zumindest für diese Standorte eine klare Perspektive." Der Standort Ulm mit 130 Beschäftigten sei dagegen in seiner Existenz gefährdet. Bis Mitte 2006 gilt noch in eine Beschäftigungssicherung.

BenQ übernimmt zum 1. Oktober das Handygeschäft von Siemens. Zuvor wird Siemens noch -- anders als heute Vormittag berichtet -- 340 Arbeitsplätze in Kamp-Lintfort streichen. "Es bleibt bei dieser Zahl", sagte ein Siemens-Sprecher. Die IG Metall betonte, dass dies rund 300 Voll-Zeitstellen entspreche. Zudem habe BenQ zugesagt, 70 Entwickler neu einzustellen. "Das werden aber andere Arbeitsplätze sein." Die Betroffenen werden von Siemens für zwölf Monate in eine Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft übernommen. BenQ wiederum habe zugesagt, in die regionalen Arbeitgeberverbände einzutreten. Damit würden die Tarifverträge und der Ergänzungstarifvertrag weiterhin gelten. In dem Zusatzvertrag hatten sich Siemens und Arbeitnehmervertreter auf längere Arbeitszeiten und weniger Sonderzahlungen geeinigt.

BenQ will künftig sein gesamtes Handygeschäft von München aus führen. Siemens hat in der bayerischen Landeshauptstadt derzeit etwa 1400 Beschäftigte im Mobilfunkbereich, in Kamp-Lintfort sind es noch 2000 Mitarbeiter. Neue Modelle sollen künftig jeweils weitgehend komplett in München oder Kamp-Lintfort entwickelt werden. Bisher waren die Prozesse auf zahlreiche Standorte verteilt, was nach Einschätzung Müller viel Zeit und Geld kostete. Kamp-Lintfort wird zudem unter anderem ein Logistikzentrum für BenQ.

Auch für die Fertigung sieht Müller in Nordrhein-Westfalen eine Zukunft. Hier würden künftig die Oberklasse-Geräte von BenQ zusammengebaut. "Der Standort Kamp-Lintfort hat Zukunft, das wird ein High-Tech-Standort werden." Zwar gebe es keine langfristigen Zusagen von BenQ. Dies sei aber auch verständlich, da die weitere Marktentwicklung entscheidend sei. Allerdings sei er zuversichtlich, dass das Geschäft künftig besser laufe als unter der Führung von Siemens. "Bei BenQ ist ein anderer Unternehmergeist da." (dpa) / (anw)