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Zweifel an elektronischem Beschützer

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Der Software-Entwickler Jim Wightman behauptet, eine Chatbot-Software entwickelt zu haben, die unerkannt in Internet-Chatrooms nach Pädophilen fahndet. Das Wissenschaftsmagazin New Scientist zweifelt diese Behauptung jedoch an.

Jim Wightman hatte das Projekt ChatNannies im März 2004 erstmals online gestellt. Seither sucht er Freiwillige, die durch einschlägige Chatkanäle patrouillieren, die Kommunikation überwachen und Alarm schlagen, falls Pädophile versuchen, Kinder zu Verabredungen zu überreden. Gleichzeitig behauptet Wightman, diese Freiwilligen-Patrouille würde unterstützt durch mittlerweile tausende von so genannten NannieBots, die er programmiert haben will.

Das Wissenschaftsmagazin New Scientist, das wegen der Chatprotokolle, die Wightman veröffentlicht hatte, zunächst recht positiv über den Chatbot berichtete, ließ nach zahlreichen kritischen Zuschriften die Software nun von den Informatikern Andy Pryke und Nick Webb mit einem Turing-Test prüfen. Um sicherzustellen, dass nicht ein Mensch anstelle des vermeintlichen Bots antwortet, sollte der Test in einer abgeschlossen Umgebung stattfinden. Wightman lud die Tester laut New Scientist nun zu sich nach Hause ein behauptete aber gleichzeitig, der NannieBot könne seine volle Funktionalität nur dann entfalten, wenn er per Internet mit einer großen Datenbank verbunden werde, die "an einem sicheren Ort" untergebracht sei.

Die reduzierte Version des Bots konnte die Wissenschaftler denn auch nicht überzeugen -- Pryke will sogar festgestellt haben, dass der Bot dieselben grammatikalischen Fehler macht wie ALICE, eine Software, die 2001 den Loebner Prize gewonnen hatte.

Die britische Tageszeitung The Guardian hat allerdings bereits vor einiger Zeit recht skurrile Aspekte von Wightmans Charakter ausgegraben; so soll sich der Entwickler beispielsweise gerne in Foren zur Holocaust-Leugnung herumgetrieben haben. (wst)