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Zweisprachige Länderdomains gefordert

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Vertreter arabischer und asiatischer nationaler Top Level Domains wollen beim heute startenden Treffen der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) ihre Forderung nach nicht-englischen Adresszonen vorbringen. Nach der Internationalisierung der lokalen Internetadressen, die sich in Namen wie "müller.de" äußert, sollen Top Level Domains wie .geschäft in die Rootzone eingetragen werden. Zu diesem Thema hat ICANN ein neues Expertengremium gegründet, an dem Vertreter großer Registries und Registrare, von Regierungen und nationalen NICs, Experten der Internet Engineering Task Force (IETF) und des Unicode-Konsortiums beteiligt sind. Auch Vertreter einzelner Unternehmen wie Microsoft oder Evertype sind mit von der Partie.

Als Erstes sollen, so empfehlen Vertreter des Chinese Domain Names Consortium (CDNC), ebenso wie Vertreter der iranischen Länderdomain .ir, nichtenglische nationale Adresszonen (so genannte Country Code Top Level Domains, kurz ccTLDs) eingeführt werden. Nichtenglische allgemeine Adresszonen (gTLDs) sollen folgen. Immerhin sprechen inzwischen fast zwei Drittel aller Internetnutzer kein Englisch. Rein marktwirtschaftlich betrachtet sei die Sache daher klar, heißt es im CDNC-Papier. Schon seit 1999/2000 wird unter anderem in China, Japan und Korea mit nichtenglischen TLD-Varianten experimentiert.

Subramanian Subbiah, Chef von i-DNS, schätzt, dass bislang rund 2 Millionen nichtenglische Domains in verschiedenen Sprachen und auf der Basis unterschiedlicher Lösungen registriert wurden, 90 Prozent davon in den asiatischen Ländern. In China, wo man auf ein Upgrade der DNS-Server setzt, wurden nach dem Start reiner IDN-Domains (also idn.idn) 400.000 Adressen registriert. Client-Lösungen, wie sie auch i-dns anbieten, übersetzen dagegen die nichtenglischen Zeichensätze lokal von Punycode in den jeweiligen Zeichensatz. Für den in diesem Jahr gestarteten Test in der .ir-Zone gibt Alireza Saleh rund 6500 Registrierungen in 15 Zonen von .gov.ir bis individual.ir an.

An technische Lösungen wagen sich inzwischen also ganz offensichtlich mehr und mehr Anbieter heran, sehr zum Leidwesen der Standardisierer, die gerne von Anfang an für Einheitlichkeit sorgen wollen. ICANN hatte erneut das Internet Architecture Board (IAB) der IETF um eine Stellungnahme zu technischen Fragen gebeten. Bei der IETF denkt man derzeit auch über internationalisierte E-Mails nach, für die für Domainnamen verwendete Punycode-Kodierung nichtenglischer Adressen nicht verwenden kann. Für die Top Level Domains dagegen wird Punycode, das aus ".geschäft" .xn--geschft-9wa", und damit einen ASCII-kompatiblen Namen macht, durchaus ins Auge gefasst. Es gibt innerhalb des IAB allerdings offenbar auch Überlegungen, noch einmal intensiver über Keyword-Lösungen nachzudenken.

Daneben stellen sich die Entwickler die Frage, inwieweit eine additive Strategie das Richtige ist. Statt zu überlegen, ob jedes Land zusätzlich zu seiner ASCII-Länderdomain noch eine landessprachliche Länderdomain bekommen soll – oder auch mehrere in Staaten mit mehreren offiziellen Sprachen – wird eine Art Mapping-Verfahren diskutiert. Per DNAME-Eintrag sollen dabei eingetippte Domains die in der Landessprache eingetippte TLD auf die klassische Länderadresszone gemappt werden. Dass unter anderem VeriSign diese Idee für besonders attraktiv hält (PDF-Datei), könnte auch daran liegen, dass man sich durchaus vorstellen kann, auch die in Chinesisch eingetippte .com-Adresse auf VeriSigns com-Zone zu mappen. "Konsequent durchgezogen", so DNS-Experte Hans-Peter Dittler, "hätte das zwar den Effekt, den Zerfall in Sprachinseln, den man derzeit eher sieht, zurückzudrehen." Aber abgesehen davon, dass die Internationalisierungsbefürworter doch eher an eigene com-Zonen gedacht hätten, würde auf diese Weise die Liste der Rootzone-Einträge ziemlich wachsen. (Monika Ermert) /