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Zweite Vorschauversion von Internet Explorer 9

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Microsoft hat eine zweite "Platform Preview" des Internet Explorer 9 veröffentlicht und überholt damit sogar den eigenen Zeitplan, laut dem neue Vorschau-Versionen ungefähr alle acht Wochen erscheinen sollten, um eine Woche. Nach wie vor handelt es sich bei der für Vista und Windows 7 verfügbaren Software um eine nicht für den Praxiseinsatz geeignete Prä-Alpha mit nur rudimentärem GUI.

Wie angekündigt wurde die JavaScript-Engine des IE9 weiter beschleunigt: Nach Microsoft-Messungen absolviert der Browser den SunSpider-Test nun 20 Prozent schneller als die erste Platform Preview, womit er nicht mehr weit hinter Safari liegt. Auch das Grafik-Rendern soll flotter geworden sein, wie eines der zehn neuen Demos zeigen soll.

Die aktuelle Platform Preview unterstützt einige Webstandards, die Entwicklern das Leben einfacher machen und in anderen Browsern überwiegend bereits implementiert sind – zum Beispiel mit den Media Queries in CSS3, mit denen der Webdesigner ohne aufwendige Programmierung Details zum Display abfragen kann, um diese mit unterschiedlichen Stilen zu berücksichtigen (Demo).

Ein häufiges Praxisproblem ist, dass das load-Event erst ausgelöst wird, wenn alle Bilder und andere externe Inhalte aus dem Netz gesaugt sind; das von Mozilla erfundene und nun auch vom IE interpretierte DOMContentLoaded löst bereits aus, wenn das HTML geparst ist (Demo). Außerdem kennt IE9 nun die HTML5 Text Selection APIs, mit denen sich markierter Text einlesen lässt (Demo), und die ebenfalls in HTML5 definierte Methode getElementsByClassname(). Die DOM-Funktion createDocument() erzeugt neue XML-Dokumente. Eine kurze Liste der Neuheiten hat Microsoft hier veröffentlicht.

Zu Zeiten der größten Internet-Explorer-Dominanz war es nicht unüblich, der Website mit einem manipulierten Browser-String einen IE vorzutäuschen. Mit den IE9 geht es nun auch in die andere Richtung: Die nochmals erweiterten, mächtigen Entwicklerwerkzeuge ermöglichen dem Browser, sich mit einem beliebigen String auszuweisen.

Derzeit vollzieht sich die Entwicklung neuer Webstandards nach langer Stagnation in hohem Tempo, aber auch etwas chaotisch. Daher setzt Microsoft seine Arbeiten an einer Testsuite zu HTML5, CSS3, SVG 1.1 und DOM fort; mit den 88 neuen Tests steigt deren Gesamtzahl auf 192. Die Testsuite entsteht innerhalb des W3C. Auch bei dem inoffiziellen, aber häufig zitierten Acid3-Test macht der IE Fortschritte – inzwischen ist sein Score auf 68 von 100 gestiegen.

Der Wille, das zunehmend zur Last werdende Erbe des Internet Explorers abzustreifen, scheint bei Microsoft jedenfalls ungebrochen. In seinem Blogeintrag zur neuen Vorschauversion beantwortet Projektleiter Dean Hachamovitch die Frage eines GMail-Entwicklers, ob sich IE9 eher so wie die Open-Source-Engines Gecko und WebKit als wie seine Vorgänger verhalten wird: "Unsere Antwort ist ein nachdrückliches JA." (heb)

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