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Technology Review

Zweiter Anlauf für CO2-Endlager-Gesetz

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Das Umwelt- und das Wirtschaftsministerium haben sich nach Medienberichten auf ein Gesetz geeinigt, das den Bau und Betrieb von unterirdischen Kohlendioxid-Speichern regeln soll. Ein erster Anlauf für da so genannte CCS-Gesetz – das Kürzel steht für Carbon Capture and Storage – war 2009 von der großen Koalition zwar auf den Weg gebracht, aber nach Protesten aus den Bundesländern wieder zurückgezogen worden.

Der neue Entwurf, der dem Kabinett im September vorgelegt werden soll, erlaubt nun lediglich Erprobungsanlagen mit einem Speichervolumen von insgesamt bis zu 8 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Die Kommunen, in denen Versuchslager eingerichtet werden, sollen einen finanziellen Ausgleich erhalten. Zudem müssen die Stromkonzerne finanzielle Rücklagen gegen Risiken bilden. 2017 sollen dann die Ergebnisse aus der ersten Testphase ausgewertet werden. Stellt sich die Technologie als unbedenklich heraus, soll das Gesetz dauerhaft gelten.

CCS gilt den Befürwortern einer "Clean Coal"-Technologie als elegante Methode, um weiterhin billige, fossile Brennstoffe verwenden zu können. Das CO2, das bei der Verbrennung entsteht, wird abgetrennt und unterirdisch gelagert. Um das CO2 abzutrennen, werden derzeit vor allem drei Verfahren favorisiert: die Rauchgaswäsche (post combustion), bei der das CO2 im Abgas des Kraftwerks chemisch gebunden wird; integrierte Kohlevergasung, bei der Wasserdampf die Kohle vor dem Verbrennen in sogenanntes Synthesegas verwandelt; und das Oxyfuel-Verfahren, bei der die Kohle in einer Atmosphäre aus reinem Sauerstoff verbrannt wird.

Als Speicherstätten für CCS werden für Deutschland vor allem rund 1000 Meter tief liegende poröse Gesteinsschichten, sogenannte saline Aquifere, diskutiert. Als bevorzugter Speicherort gilt das Norddeutsche Becken. Über die Speicherkapazität der dort vorliegenden Gesteine gibt es jedoch bislang nur Schätzungen – einzelne Experten gehen von einem Fassungsvermögen von 10 Milliarden Tonnen aus. Umstritten ist jedoch nicht nur die Kapazität, sondern auch das Langzeitverhalten des Gases unter der Erde. Kritiker befürchten, dass das Gas wieder entweichen oder beispielsweise das Grundwasser schädigen könnte. In der kommenden Ausgabe 8/2010 bringt Technology Review ein ausführliches Streitgespräch, in dem Experten über das Für und Wider der CCS-Technologie diskutieren.

Seit September 2008 betreibt Vattenfall im Industriepark Schwarze Pumpe einen 30-Megawatt-(MW-)Kraftwerksblock mit Oxyfuel-Abscheidung. Das dort abgeschiedene CO2 soll, zu­sammen mit anderem Kohlendioxid, ab diesem Jahr im CO2-Forschungslager Ketzin in Brandenburg ver­presst werden. In Jänsch­walde will Vattenfall zudem ein 250-MW-Demonstrationskraftwerk errichten und pro Jahr etwa zwei Millionen Tonnen Kohlendioxid unterirdisch lagern. (wst)