Menü

Zwischenbilanz: Kaufprämie für Elektro-Autos schlägt nicht durch

Drei Monate nach dem Start der staatlichen Finanzförderung für E-Fahrzeuge ist die Resonanz nach wie vor sehr verhalten, obwohl die Pkw-Neuzulassungen insgesamt deutlich zunehmen. In der EU greifen 1,2 Prozent der Käufer zu einem "Stromer".

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 623 Beiträge
VW

(Bild: Kristina Beer)

Die neue Kaufprämie für Elektro-Autos hat auch nach drei Monaten die Erwartungen der Politik und der Branche nicht erfüllt. Insgesamt sind beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) seit Einführung der Finanzspritze 4451 Förderanträge eingegangen, teilte die Behörde in einer Zwischenbilanz mit. Bei 2650 Anträgen geht es um reine Elektrofahrzeuge, bei 1801 um sogenannte Plug-In-Hybride mit verschiedenen Antriebsarten.

Die meisten Freunde unter den E-Mobilfahrern hat der Renault Zoe in unterschiedlichen Modellen mit 876 Anträgen. Auf Platz zwei folgt der BMW i3, für den 766 Interessierte einen Umweltbonus angemeldet haben. Der Münchner Autobauer ist zudem mit 440 Anträgen für den BMW 225xe gut dabei, davor liegt noch der Audi A3 mit 462 Käufern mit Förderwunsch. Mitsubishi-Hybride und der VW Golf GTE sind ebenfalls noch halbwegs gut im Rennen. Die meisten Antragsteller kommen aus Bayern und Baden-Württemberg. 2428 Anfragen gehen auf das Konto von Privatpersonen, 1964 auf das von Firmen.

Anfang August hatte das Bafa von 1791 Anträgen nach einem Monat berichtet, die Nachfrage blieb also insgesamt im ersten Förderquartal auf niedrigem Niveau. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) rechnete mit einer "langsam ansteigenden Hochlaufkurve", die aber noch nicht wirklich abheben will. Der Fördertopf ist insgesamt mit 1,2 Milliarden Euro gefüllt. Für reine Elektrofahrzeuge gibt es 4000, für "Mischlinge" 3000 Euro. Der Bund hofft, dass dank dem Instrument rund 300.000 E-Autos einen Käufer finden.

Unterdessen boomt der Pkw-Markt. Allein für September meldete das Kraftfahrt-Bundesamt am Mittwoch 298.002 Neuzulassungen und damit ein Plus von 9,4 Prozent gegenüber August. Nach Abschluss des dritten Quartals 2016 erreichten die Pkw-Neuzulassungen hierzulande mit über 2,5 Millionen Einheiten einen Zuwachs von 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Insgesamt wurden in den ersten drei Quartalen auch 7678 Elektro-Autos erstmals angemeldet. Im September erreichten E-Fahrzeuge mit 1641 Neuzulassungen sogar ein Plus von 76,6 Prozent und einen Anteil von 0,6 Prozent am einschlägigen Geschehen.

Elektroautos in Deutschland (55 Bilder)

BMW produziert den i3 seit September 2013, in Deutschland wurde er ab November 2013 ausgeliefert. Grundpreis: 35.000 Euro. BMW gibt die Reichweite mit bis zu 200 km im Alltagsbetrieb an.

In der EU insgesamt steigen die Verkäufe von E-Fahrzeugen ebenfalls langsam an, kommen im Pkw-Bereich aber dabei nur auf einen Anteil von 1,2 Prozent. Dies geht aus einem aktuellen Ratgeber der Europäischen Umweltagentur hervor. Der Anteil der batteriegetriebenen Autos liege bei 0,15 Prozent der gesamten Pkw-Flotte auf dem alten Kontinent.

Trotzdem setzt die Kopenhagener Behörde auf einen mittelfristigen Boom beim Elektroantrieb. In einer neuen Studie zu Auswirkungen auf den Ausstoß von Treibhausgasen beschreibt sie ein Modell, wonach 2050 der Anteil der E-Autos bei 80 Prozent liegen könnte. Damit käme die EU sehr weit voran, um ihre Klimaziele zu erreichen. Diese sehen vor, die Emissionen von Kohlendioxid und anderen umweltschädlichen Stoffen bis 2050 um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren. Voraussetzung sei, dass der Strom für die Fahrzeuge aus erneuerbaren Energien komme.

In dem 80-Prozent-Szenario würde der Elektrizitätsverbrauch durch die E-Fahrzeuge aber auch von etwa 0,003 Prozent des Gesamtverbrauchs in der EU 2014 auf 9,5 Prozent 2050 steigen. Der zusätzliche Strombedarf einer Vielzahl von E-Autos müsse mit zusätzlicher Energiegewinnung bedient werden. Dies könne das europäische Stromnetz vor "Herausforderungen" stellen, heißt es in dem Bericht. Nötig sei daher eine engere Kooperation zwischen dem Energie- sowie dem Transport- und Verkehrssektor sowie der Aufbau einer leistungsstarken Infrastruktur mit öffentlichen Ladepunkten. (Stefan Krempl) / (mho)

Anzeige
Anzeige