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Ärger um Jboss' Geschäftsmethoden [Update]

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Jboss, Vermarkter des gleichnamigen Open Source Application Servers, hat sich den Unmut der Open-Source-Gemeinde zugezogen. Sie meint, die Methoden der Firma, die mit professionellem Support rund um das Produkt in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich war, seien nicht mit dem Open-Source-Gedanken zu vereinbaren.

Konkret entzündete sich der Ärger hierzulande an einer Abmahnung, die Jboss dem Darmstädter J2EE-Beratungsunternehmen Brockhaus zugestellt hat. Darin heißt es, dass Brockhaus jeglichen Gebrauch der Marke "Jboss" künftig zu unterlassen habe, ansonsten drohten Strafen im sechsstelligen Euro-Bereich. Konkret: 25.000 Euro pro Fall, der Streitwert beträgt 300.000 Euro. Brockhaus war bis August Jboss-Partner und bietet zudem herstellerunabhängige Schulungen und Beratung.

Laut Matthias Bohnen, Geschäftsführer der Brockhaus-Gruppe, kündigte Jboss die Zusammenarbeit ohne Kommentar. Trotzdem bot Brockhaus zusätzlich zu anderen Dienstleistungen weiterhin Support für den Anwendungsserver und verwendete dessen Namen auf seiner Website. Am 26. September flatterte dann die Abmahnung ins Haus. Mittlerweile hat Brockhaus alle Schulungsangebote und Hinweise auf den Markennamen von seiner Website entfernt. Das Beratungshaus, das viel Geld in diesen Geschäftszweig investiert hatte, sollte zudem JBoss gegenüber seine Geschäftszahlen offenlegen.

Die Schwierigkeiten, die Jboss seinen Partnern und Konkurrenten in Training und Beratung machen kann, haben ihren Ursprung im europäischen Markenrecht. Marc Fleury, Mitbegründer und Jboss-Chef, hat sich nicht nur den Terminus "Jboss" auf seinen Namen registrieren lassen, sondern gleichzeitig alle Dienstleistungen, die damit zusammenhängen. Dazu gehören Training und Beratung aller Art. Faktisch kann also niemand Service für das Produkt mehr anbieten. Fleury kann jederzeit abmahnen, wenn ihm ein Konkurrent im Wege ist.

Derartige Methoden sind aus geschäftlicher Sicht nachvollziehbar, denn Jboss kann nicht das Produkt an sich verkaufen, sondern "nur" mit dem Support Geld verdienen. Dieser Trick, sich unliebsame Konkurrenz von Hals zu schaffen, ist unter Juristen bekannt und bei den eventuell Betroffenen gefürchtet. Das Ganze widerspricht massiv der Open-Source-Idee, nach der viele Programmierer ohne Salär ein Produkt entwerfen und ständig verbessern.

Hibernate, ein beliebtes objektrelationales Mapping-Tool, das ebenfalls von Jboss vermarktet wird, ist bisher nicht markenrechtlich geschützt und könnte der nächste Kandidat für die beschriebenen Praktiken sein. Erst kürzlich hatte sich Jboss bei den Open-Source-Entwicklern unbeliebt gemacht, weil die Firma fortan auch mit Microsoft kooperiert.

Mittlerweile läuft auf Theserverside.com eine Diskussion dazu und auf Blogspot.com gibt es das passende Weblog.

Update: Heute erreichte iX eine Stellungnahme von JBoss Europe. "Ein einzelner Anbieter in Deutschland" habe sich "auf eine Art und Weise verhalten, die einige unserer Rechte verletzte und unsere deutschen Partner untergraben hat." Darum habe man diesen bitten müssen, diese "Zuwiderhandlungen zu unterlassen". Dies sei ein geschäftsübliches Vorgehen. Zudem gebe es keinen Grund daran zu zweifeln, dass JBoss seinen Open-Source-Wurzeln treu bleibe. (jd)