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Ärzte-Homepages verschrecken Patienten

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Nach den Vorgaben der Berufsordnung dürfen Ärzte nicht für ihre Dienste werben, gegen eine werbefreie Präsentation ihrer Praxis im Internet ist hingegen nichts einzuwenden. Die meisten Ärzte-Homepages schrecken jedoch die Patienten eher ab, als dass sie neue Kunden anlocken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Instituts für betriebswirtschaftliche Analysen, Beratung und Strategie-Entwicklung, IFABS in Düsseldorf, über die das Ärzte-Magazin "Medical Tribune" jetzt berichtet.

Das Institut hat 1300 Internetnutzer mit Interesse an Gesundheitsthemen befragt, welche Ansprüche sie an eine Ärzte-Homepage stellen. Entscheidendes Umfrageergebnis: Die meisten Befragten schließen von der Professionalität der Homepage auf die Qualität der Arztpraxis. Erwartet werden neben hoher Qualität der visuellen Elemente und einfacher Navigation auch, dass "die wesentlichen Inhalte ohne Scrollen erfassbar sind und umfangreiche Informationen per Download angeboten werden", erklärt der Autor der Studie, Klaus-Dieter Thill. Außerdem interessiert es den Surfer, wenn Praxis, Arzt und Angestellte durch Porträts in bildlicher wie textlicher Form vorgestellt werden. Auch eine Kontaktmöglichkeit per E-Mail wünschen sich viele der Befragten.

Rund 1000 zufällig ausgewählte Homepages von Ärzten untersuchte das Institut daraufhin nach den Kriterien der Patienten. Das ernüchternde Ergebnis: Neun von zehn Homepages erfüllen nicht die Erwartungen der Patienten an eine Arzt-Homepage, sondern "orientieren sich an dem eigenen ästhetischen Empfinden, der Aufmachung anderer Seiten oder vorgefertigten Vorschlägen von Softwareanbietern und Providern", erläutert Thill das Ergebnis. Besonders die Startseite sei auch bei einer Arztseite von entscheidender Bedeutung dafür, ob der Patient sich in die Seite weiter einklickt oder nicht. Darin unterscheiden sich Arztpraxen nicht von anderen Websites im Internet.

Allerdings lässt eine optisch ansprechend gestaltete Eingangsseite keinen Schluss auf die Qualität des Inhalts der Site zu. Bei acht Prozent der untersuchten Homepages handle es sich um "Mogelpackungen", so Thill, da auf der Frontpage mehr versprochen wird, als später gehalten wird. Bei weiteren acht Prozent sei es genau umgekehrt: Einer weniger ansprechende Einführungsseite folgen inhaltlich wertvolle Informationen zu Krankheiten, Impfungen, Behandlungsmethoden und so weiter. Der Großteil von 71 Prozent aber biete weder optische Reize noch Inhalt. "Bei Arzt-Homepages steht der informative Aspekt im Vordergrund; jegliche Effekthascherei wertet dieses Anliegen ab" meint Thill und empfiehlt, "die spezifische Kompetenz der Praxis herauszustellen".

Eine schlampig konstruierte Homepage ist nach Thills Ansicht daher kontraproduktiv, denn in Zeiten, wo immer mehr Leistungen aus der privaten Tasche des Patienten bezahlt werden müssen, hat der Arzt die Möglichkeit, sich über seine Homepage zu empfehlen und neue Kunden zu erreichen. (Andreas Grote) / (ad)