.com-Domains: teuer, zu teuer, unnötig verteuert?

Der Streit um .org ist noch nicht ausgestanden, da formiert sich der nächste Protest gegen geplante Preiserhöhungen für .com-Domains.

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(Bild: Tommy Lee Walker / Shutterstock.com)

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Die Preise für die Registrierung von Netzadressen in den .com-Domains könnten in den kommenden vier Jahren von aktuell 7,85 Dollar pro Jahr auf 10,26 Dollar pro Jahr und Adresse steigen. Das sieht ein neuer Vertrag zwischen der .com-Registry VeriSign und der privaten Netzverwaltung Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) vor.

Fast eine Milliarde mehr pro Jahr kann die Preiserhöhung in die Kassen VeriSigns spülen, die als Registry für den Betrieb der Registrierungsdatenbank für .com-Domains zuständig sind. Der ICANN versüßt man dies mit einem extra Obulus von 20 Millionen US-Dollar, die die Netzverwaltung für die DNS-Sicherheit ausgeben soll. Derzeit gibt es laut VeriSign rund 144,1 Millionen registrierte .com-Domains.

Gegen diese "Preisspirale" machen gerade eine Reihe von Registraren und Domain-Dienstleistern mobil. Sie warnen auch vor einer durch den Vertrag eröffneten Chance zur vertikalen Integration von Registry- und Registrargeschäft für VeriSign.

Noch zwei Tage ist die interessierte Öffentlichkeit aufgefordert, Stellungnahmen zu dem neuen Vertrag zwischen der VeriSign und der ICANN abzugeben. Der Vertrag vollzieht nach, was das US-Handelsministerium dem Registry-Riesen zugestanden hat: 7 Prozent darf der Registry-Riese die Preise für .com-Domains in den letzten vier Jahren eines jeden Sechs-Jahres-Zeitraums erhöhen.

Darüber hinausgehende Erhöhungen, die sich ICANN mit Blick auf mögliche Notfälle vorbehält, müsste das US-Ministerium genehmigen. Die Aufsicht über den Registry-Riesen ist eines der letzten Überbleibsel der US-Aufsicht übers DNS, die durch die endgültige Privatisierung der IANA 2016 beendet wurde.

Der US-Registrar Namecheap rührte kurz vor Ablauf der Konsultationsfrist bei der ICANN nochmals massiv die Trommel gegen das Ende der Preisdeckelung bei .com-Domains. Der Dumme bei dem Deal sei am Ende der einzelne Nutzer, warnt man bei Namecheap, denn die Registrare würden die höheren Registry-Gebühren auf die Preise für Domains draufschlagen.

Angesichts gesunkener Gestehungspreise müsste VeriSign die Preise vielmehr senken, fordern viele Gegner in Mails an die ICANN und verweisen auf riesige Gewinne für VeriSign im Domain-Geschäft.

Auch eine andere Lockerung der Auflagen für VeriSign ist NameCheap ein Dorn im Auge. VeriSign soll es nämlich künftig auch wieder erlaubt sein, neben seiner Registry-Tätigkeit auch als Registrar – also als Endverkäufer von Netz-Adressen innerhalb von Top-Level-Domains – tätig zu sein. Zwar gelte diese Möglichkeit zur vertikalen Integration nicht für .com, sondern nur für andere Domains, doch diese Beschränkung könne VeriSign leicht mittels eines Reseller umgehen, schreibt Richard Kirkendall, CEO von NameCheap. Diese Änderungen würden das Internet in den kommenden Jahren nachhaltig verändern.

Wie schon beim Streit um den Verkauf von .org gibt es allerdings auch hier Stimmen, die die Kritiker alarmistisch finden. Die Preiserhöhungen schlagen laut dieser Fraktion für diejenigen zu Buche, die viele Domains halten – also vor allem für die sogenannten Domainer, die unzählige Domains als Investment registrieren, entweder um sie weiterzuverkaufen oder über Werbung damit Geld zu verdienen. Für den einzelnen Nutzer sind die Beträge überschaubar.

Werner Staub vom Schweizer Registrar Axone, Vorstandsmitglied des Council of Registrars, sagte, die erzwungene vollständige Trennung von Registry- und Registrar-Tätigkeit, mit der die ICANN für Wettbewerb sorgen sollte, "war am Anfang eine gute Idee. Heutzutage richtet sie aber mehr Schaden an, als sie nützt". Wenn die beiden immer vollständig getrennt sein müssen, sei es nicht möglich, verschiedene notwendige Dienste für die Gemeinschaft zu erbringen, vor allem in Sachen Sicherheit, meint Staub. (jk)