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.de-Registry DeNIC will Mitglieder auf Stillschweigen verpflichten

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Einen "Code of Ethics" will sich die Registrierstelle für .de-Domains DeNIC eG geben. Die Genossenschaftsmitglieder sollen sich mit der Unterzeichnung zur Sachlichkeit bei DeNIC-internen Auseinandersetzungen, zur Offenlegung möglicher Interessenskonflikte, vor allem aber zum Stillschweigen über genossenschaftsinterne Informationen verpflichten.

In dem Dokument, das laut DeNIC-Sprecher Klaus Herzig von einer aus DeNIC-Mitgliedern bestehenden Arbeitsgruppe entworfen und bei der Generalversammlung im Mai vorgestellt worden war, heißt es: "Jedes Mitglied verpflichtet sich, nicht für Dritte bestimmte Angelegenheiten der Genossenschaft, insbesondere Angebotsunterlagen, Preise und Konditionen, Rundbriefe, Bekanntmachungen und sonstige Informationen der Genossenschaft, gegenüber Außenstehenden vertraulich zu behandeln und nicht weiterzugeben." Die Mitglieder sollten bei Äußerungen gegenüber der Öffentlichkeit immer auch die Interessen der Genossenschaft berücksichtigen: "Gibt es Anlass zu Kritik, so wird diese ausschließlich intern geäußert, um den Beteiligten Gelegenheit zu geben, darauf zu reagieren bzw. die Missstände abzustellen. Diskussionen werden innerhalb der Genossenschaft geführt, nicht über die Medien." Von einem Maulkorb könne keine Rede sein, kommentierte Herzig das heise online vorliegende Dokument. Vielmehr fasse der Code letztlich nur noch einmal zusammen, was im Genossenschaftsstatut an verschiedenen Stellen bereits geregelt sei. Es gehe um das Verhältnis der Mitglieder untereinander, denn durch die Weitergabe DeNIC-interner Information sei nicht nur das betreffende Mitglied berührt, sondern alle Genossenschaftsmitglieder seien betroffen.

Dass DeNIC-Mitglieder von Zeit zu Zeit Kritik nach außen getragen habe, etwa über die Veränderung der vertraglichen Verhältnisse zwischen Endkunden, DeNIC-Registraren und dem Registry-Betreiber DeNIC, oder über die Mitspracherechte der DeNIC-Mitglieder, hat immer wieder für Diskussionen gesorgt. Zu gerne würde man solche Themen hinter verschlossenen Türen abhandeln – bei rund 240 Mitgliedern ein schwieriges Unterfangen. Auch mit der freiwilligen Unterzeichnung des Codes dürfte es schwierig bleiben, zumal die Sanktionen für das betroffene Mitglied überschaubar sind. Handelt ein Mitglied dem Code zuwider, "hat der Aufsichtsrat der DeNIC das Recht, die Verpflichtung zurückzuziehen, eine Rüge gegen das betroffene Mitglied auszusprechen und eine Löschung der Eintragung zu veranlassen." Im Klartext: Das Mitglied, das gegen den Code verstoßen hat, wird aus der nur intern verbreiteten Liste der Mitglieder gestrichen, die den nur intern zugänglichen Code unterzeichnet haben.

Als Zuckerl für die Mitglieder enthält der Code einen kurzen Absatz zur Transparenz bezüglich interner Entscheidungsprozesse und klare Regelungen zur Interessenskonflikten für Mitglieder wie Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder. Nicht, dass man hier bislang Probleme sehe, meinte Herzig. Bei der Generalversammlung hätten die Mitglieder wohlwollend auf den neuen Code reagiert, meinte der DeNIC-Sprecher. Wie viele Mitglieder unterzeichnen werden, bleibt abzuwarten – und auch, ob die Zahl der Unterzeichner intern bleibt. (Monika Ermert) / (Monika Ermert) / (jk)

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