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.de-Registry Denic mit eigenen Kunden und neuen Servern

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Bis September diesen Jahres sollen die Mitglieder des Denic, der Registry für die .de-Domains, die im Mai von der Gesellschafterversammlung beschlossenen neuen Verträge bei der Domainregistrierung einführen. Mit der Veränderung will das Denic klarstellen, dass ein direktes Vertragsverhältnis zwischen dem Domaininhaber und der Denic eG zu Stande kommt, heißt es in einer Pressemitteilung von dieser Woche. Außerdem können künftig nicht in Deutschland wohnhafte Kunden selbst Inhaber von .de-Domains werden, sie müssen allerdings nach wie vor durch einen deutschen Domainverwalter (admin-c) vertreten sein.

Gleichzeitig startete die Denic ihren eigenen Secondary Name Server im europäischen Ausland – nicht nur eine Sicherheitsmaßnahme, sondern auch eine Reaktion auf den zunehmenden Traffic in der .de-Zone. "Bei 2,8 Millionen Domains können wir nicht dauerhaft auf den Goodwill von Partnern wie RIPE setzen", meinte Klaus Herzig vom Denic. Jetzt hat das Denic dafür eine Million Mark im aktuellen Haushalt vorgesehen. Geplant sind neben dem jetzt in Betrieb genommenen Server in Wien ein Zweiter in Amsterdam noch im August und weitere in Europa und den USA. Geteilt werden die Betriebskosten mit anderen europäischen Länderregistries.

Weniger positiv als der wachsende Domainmarkt stimmen manchen Internet-Provider (ISP) die neuen Denic-Vertragsbestimmungen. Um die Verschiebung der Gewichte im Dreiecksverhältnisses zwischen Denic, Provider und Kunden gab es bereits direkt nach der Entscheidung durch die Gesellschafter im Mai heftige Diskussionen. "Der Text der Registrierungsbestimmungen (..) gibt nun die Aufgabenstellung zwischen Internet Provider (Bereitstellung von Internet-Dienstleistungen) und Denic eG (Registrierung des Domainnamens) präziser wider", meint das Denic. Eine Reihe von Providern warfen der Genossenschaft dagegen vor, sich in Richtung "Heavy Registry" zu bewegen und die Provider-Kunden auf Kosten der ISP an das Denic zu binden. Die Provider würden zu bloßen Handelsvertretern herabgestuft.

Tatsächlich ist es für den Kunden künftig leichter, den Provider zu wechseln. "Durch die Klarstellung", heißt es der Erklärung des Denic, "wird deutlich, dass die Rechte an dem Domainnamen beim Inhaber verbleiben, auch wenn er seinen Provider wechselt oder der Provider den Geschäftsbetrieb aufgibt." Registrierte Domains können von den Providern nicht einfach gelöscht werden. Schließt der Nutzer keinen Vertrag mit einem neuen Provider ab, werden dabei allerdings die Denic-Preise fällig: 226 Mark für das erste, 113 für jedes weitere Jahr. Mancher ISP befürchtet angesichts der "Klarstellung" für sich allerdings Schwierigkeiten, wenn er Geld beim "Denic-Kunden" eintreiben muss – bisher war das "Abklemmen" der Domain ein denkbares (Droh-) Mittel in solchen Auseinandersetzungen.

Für das Denic bleiben die Verträge eine Verbesserung, außerdem habe man datenschutzrechtlichen Bedenken Rechnung getragen. Dies ist auch das Hauptargument beim vom Denic übernommenen Whois-Service. Für die Verwaltung seiner Daten, schrieb Denic-Geschäftsführerin Sabine Dolderer an einen Kritiker, könne ein Kunde auch jederzeit direkt zum Denic kommen. Er gebe dann den Provider als Vermittler auf. Allerdings stelle diese Variante für das Denic nach wie vor eher den letzten Ausweg dar. Grundsätzlich sollen die ISP die Denic-Kunden weiterhin betreuen und auch mit anderen Internet-Dienstleistungen versorgen. (Monika Ermert) (jk)