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dmmv startet Tochterverband für die "New New Economy"

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Die Gründer gründen wieder, und zwar einen Verband namens "New Business Network Germany", der ein Zeichen gegen die Dotcom-Depression setzen soll.

Mathias Entenmann will vom Ende der New Economy nichts wissen: "Die Gründerwelle darf nicht abebben", wiederholt der Erfinder des Handy-Zahlungssystems Paybox immer wieder. Die vom Markt ausgehende Ernüchterung sei "auf keine Weise gerechtfertigt", da wir uns mitten in einer technologischen Revolution befänden und "vollkommen neue Märkte enstehen". Heute sei es daher an der Zeit, die neuen Yahoos und eBays zu gründen.

Um die schönen Worte nicht vom kalten Börsenwind verwehen zu lassen, engagiert sich der Frankfurter Unternehmer im New Business Network Germany (nbng), das der Deutsche Multimedia Verband (dmmv) am heutigen Donnerstag zusammen mit einer ganzen Schar prominenter Startup-Gründer auf der CeBIT ins Leben rief. Noch ein Dotcom-Verband, dürften sich Insider fragen, denen diverse andere Netzwerke rund um die New Economy wie First Tuesday, Silicon City oder das European Net Economy Forum (E-nef) noch in bester Erinnerung sind. Doch nbng ist nicht irgendein Startup-Verband: die dmmv-Tochter positioniert sich als "Meta Startup Netzwerk für die New Economy 2.0".

Ausgerüstet mit zwei ehrenamtlichen Sprechern – Unterstützung erhält Entenmann von Anna Otto, der Geschäftsführerin der Münchner a-anocom AG – will der nbng einen Forderungskatalog an die Bundesregierung erstellen. Kämpfen wollen die momentan 20 im Schoße des dmmv-Ablegers versammelten Startups inhaltlich für flexible Arbeitsregelungen, faire Besteuerungsregelungen und die E-Commerce-Gesetzgebung innerhalb der EU, stellt Peter Würtenberger klar. Der Geschäftsführer von Yahoo Deutschland, der bereits seit längerem Ansprechpartner für Gründer beim dmmv ist, sieht den Vorteil des neuen Verbunds vor allem in der Kopplung des beim Mutterverband während der vergangenen fünf Jahre angesammelten Know-hows mit der Quirligkeit der Startup-Szene.

100 Teilnehmer will Würtenberger bis zum Ende des Jahres akquirieren, und den nbbg damit zum Sprachrohr der "neuen" New Economy machen. Schnäppchenpreise sollen den Beitritt versüßen: So zahlen Startups, die weniger als eine Million Mark Jahresumsatz machen, einen Jahresbeitrag von 350 Euro, im Gründungsjahr des Vereins und 2002 sogar nur die Hälfte. Deutlich teurer ist das Networking beim Silicon City Club, der im Jahr rund 1000 Mark verlangt. Spitzenreiter beim Preis ist E-Nef, wo 4000 Mark Mitgliedsbeitrag fällig werden. Dafür gibt es alle zwei Wochen Workshops im kleinen Kreis und politisches Lobbying mit einem festangestellten Sprecher.

Startups haben nun die Qual der Wahl. "E-Nef ist einfach viel schneller als der dmmv", meint Martin Sinner, Geschäftsführer der Preisvergleichs-Site idealo.com. Trotzdem ist der Mitgründer des in Berlin beheimateten Forums auch einer der Pioniere beim nbng, weil er beim über 1250 Mitglieder zählenden dmmv einfach "mehr Ressourcen" im Hintergrund und andere Auftrittsmöglichkeiten vermutet. Dass sich die Verbände gegenseitig die Mitglieder abjagen, glaubt er nicht. Außerdem müsse sich der nbng erst noch unter Beweis stellen.

Der will vor allem ein Signal setzen gegen die Startup-Müdigkeit. "Wir dürfen nicht sofort in die Dotcom-Depression übergehen", sagt Ekkehard Franzke, einer der Gründer der Beratungsfirma bainlab. Wichtig für Gründer sei es jetzt, Partnerschaften mit der Old Economy zu schließen und effizientes Marketing zu betreiben, das die unreflektierten Millionenbudgets der vergangenen Jahre zu den Akten lege. Worin das Neue der "New Economy 2.0" nun eigentlich liegen soll, konnten die versammelten Startup-Gründer – von Alexander Artopé (datango) über Claudia Blümhuber (GlobalStartup) bis zu Jörg Rheinboldt (eBay.de) – allerdings nicht verdeutlichen. Über Standardsprüche wie "Die New Economy bietet nun unzählige Potenziale" kam zumindest auf dem CeBIT-Launch keiner der Anwesenden hinaus. (Stefan Krempl)/ (wst)