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#dominoforever: HCL stellt Domino und Sametime V11 sowie Connections 6.5 vor

Neue Versionen der Applikationsplattform Domino, des Enterprise Chat Sametime und das Enterprise Social Network Connections

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(Bild: HCL)

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Vor dreizehn Monaten stellten IBM und HCL in Frankfurt noch gemeinsam Domino V10 vor, nun gehört das ganze Portfolio der IBM Collaboration Services dem indischen Hersteller. Jährlich soll es nun neue Versionen geben und HCL löst dieses Versprechen ein. Mit einem globalen Launch-Event am heutigen Mittwoch in Tokio hat das Unternehmen neue Versionen der Applikationsplattform Domino, des Enterprise Chat Sametime und das Enterprise Social Network Connections vorgestellt.

Durch die Ankündigungen ziehen sich mehrere gemeinsame Themen. IBM verschwindet aus dem Design und wird durch HCL ersetzt, die Software hat weniger Abhängigkeiten von anderen IBM-Produkten und öffnet sich für neue Partnerschaften. Statt auf die IBM Smart Cloud setzt HCL nun wieder auf Installationen im Rechenzentrum des Kunden. Vor allem aber will HCL durch seine neuen Business Partner alte Kunden zurückgewinnen.

Domino-Anwendungen in HCL Nomad

(Bild: HCL)

In Lotus Notes 4.5 wurde aus dem Domino Task der Name für den Server. Heute kann man die Marke Notes als verbrannt ansehen und HCL spricht nur noch von Domino. IBM hatte jahrelange hilflos zugeschaut, wie immer mehr Kunden für Mail auf Exchange wechselten und dann vom ganzen Microsoft-365-Portfolio verschluckt wurden. HCL stellt sich dieser Herausforderung und betrachtet Microsoft nicht mehr als einen Konkurrenten, den es zu bekämpfen gilt, sondern als einen Mitbewerber, mit dem man zusammenarbeiten muss. Der relevante Markt hier sind die Domino-Applikationen, die bei vielen Kunden nicht migriert wurden, sondern ein Schattendasein auf kleiner Sparflamme führen. Dort gibt es viel zu tun, weil diese Server teilweise auf uraltem Stand sind, die mit aktuellen Windows-Betriebssystemen nicht mehr einsetzbar sind.

HCL will diese Kunden mit neuen Angeboten ködern, die Server-Plattform auf V11 heben, die bestehenden Anwendungen mit minimalem Aufwand modernisieren und mit Mobilgeräten nutzbar machen. HCL Nomad heißt dieser Bereich mobiler Anwendungen, die zunächst auf dem iPad entstand und dort gewöhnliche Notes-Anwendungen ausführt, ohne einen Notes-Client wohlgemerkt. Nomad wird um iPhone, Android Tablets und Chrome OS erweitert. Auf dieser Basis baut HCL eine WebAssembly, die Notes-Anwendungen einfach im Browser ausführt, ohne ein Plug-In oder eine lokale Notes-Installation zu erfordern.

Notes-Anwendung als WebAssembly im Browser

(Bild: HCL)

Mit dieser Technik können Kunden neue Client-Betriebssysteme ausrollen, ohne dort einen Notes-Client zu installieren, und sie verlieren dabei nicht den Zugang zu den bestehenden Notes-Anwendungen. In Domino V11 bietet HCL dazu eine Active-Directory-Synchronisation an, sodass Benutzer und Gruppen nur im AD angelegt werden müssen, um dann im Domino Directory zu erscheinen. Das AD wird damit zum "single source of truth", aber es handelt sich weiterhin um eine Kopie, bei der Passwörter noch nicht synchronisiert werden.

Incident Tracking mit Domino Volt und Sharepoint

(Bild: HCL)

HCL wünscht sich, dass Kunden die so wiederbelebte Domino-Plattform auch für neue Anwendungen nutzen. Hier kehrt das Unternehmen zurück an die Wurzeln von Notes und will mit einer Low-Code-Umgebung namens Domino Volt auch Business User in die Lage versetzen, eigene Anwendungen zu entwickeln. Volt wurde von HCL unter dem Projektnamen LEAP entwickelt. Während Domino V11 fertig ist, beginnt bei Domino Volt erst ein geschlossener Betatest. Volt soll im ersten Halbjahr 2020 erscheinen und mit Domino V10 und V11 laufen. In Domino V11 bietet HCL nun einen Event Publisher an, mit dem sich Änderungen in Domino Datenbanken in Cloud-Anwendungen etwa auf Azure propagieren lassen.

Neue Mailexperience in Notes V11

(Bild: HCL)

Für Notes-Anwender mit dem fetten Client gibt es nicht viel neues. HCL überarbeitet zumindest die wichtigste Anwendungsvorlage Mail & Kalender und bietet nun durch Partnerschaften eine Integration in die Terminkoordination mit OnTime und Approved Contact. Wie viel Geld HCL jedoch in eine Weiterentwicklung von Notes steckt, ist sehr ungewiss. Als Sackgasse könnten sich die von IBM propagierten Xpages-Anwendungen und die Integration von Eclipse-Komponenten herausstellen.

Auf der Serverseite setzt HCL zunehmend auf Container und geht eine Partnerschaft mit Panopta ein, um die Performance der Server zu überwachen. Um Last vom Storage zu nehmen, können Unternehmen in V11 Anhänge alter Mails aus dem Domino Attachment and Object Store (DAOS) in den AWS "Glacial Storage" archivieren.

Mit Sametime V11 entfernt HCL Abhängigkeiten von Websphere und DB2. Auf diese Plattformen zu setzen, war eine glatte Fehlentscheidung von IBM, die viele Kunden nicht mitgemacht haben. V11 setzt für persistente Chats nun auf MongoDB und konzentriert sich auf Secure Messaging. Sametime setzt bei Konferenzen zukünftig auf etablierte Systeme von GotoMeeting, Webex und andere, statt mit diesen zu konkurrieren. Frühestens in V12 ist HCL mit einer eigenen Lösung am Start. Der Sametime Client wird ebenfalls radikal vereinfacht und ist nun eine React-Anwendung.

Während HCL schon länger eine Partnerschaft mit IBM bei Domino hatte, ist das Connections Team erst seit Mitte des Jahres an Bord und hat sich zunächst einmal mit Design Thinking Workshops mit den Kunden synchronisiert. Entsprechend mager fallen die Neuerungen in Connections 6.5 aus. Neben einem neuen HCL Design gib es vier Änderungen: Einladungen und Passwort Resets externer Gäste sind einfacher, über eine Social Sidebar lassen sich Connections Communities in anderen Webseiten einbetten, ein neuer Onboarding Wizard hilft dabei, neue Mitarbeiter zu vernetzen, und schließlich wurde die Activities-Kompenente vom Business Partner ISW komplett neu entwickelt und firmiert nun als Activities+. ISW ist Connections-Anwendern vor allem über die beliebten Kudos Boards bekannt.

HCL gibt das komplizierte IBM-Lizenzmodell mit Server-Kapazitäten auf und baut stattdessen auf ein Concurrent-User-Modell mit FlexNet von Flexera. Das erklärte Ziel ist dabei, ohne jeden Anstieg von Lizenzierungskosten die Vertragsgestaltung mit den Kunden zu vereinfachen. Server Capacity Management funktioniert mit Container nicht und IBM-Kunden hatten in der Vergangenheit häufig Ärger mit License Audits. FlexNet lässt sich in Domino V11 erstmals nutzen. In Connections kommt es nicht vor der Version 7. Für Domino Utility Server, also Server ohne bekannte Nutzer, gelten weiterhin die gleichen Konditionen. HCL wird erst 2020 ein neues Kapazitätsmodell vorstellen.

HCL will hier einen sanften Umstieg und honoriert alle bestehenden Kontrakte. Der Kunde wird dazu angehalten, FlexNet in V11 einzuschalten, um HCL erst einmal Daten zum Finetuning zu liefern. Die Kunden sollen aufhören PVU (Processor Value Units) zu zählen und stattdessen auf Benutzer-Lizenzen zu setzen.

Connections 6.5 ist seit dem heutigen Mittwoch erhältlich, Domino und Sametime V11 folgen am 20. Dezember auf FlexNet. (vowe)