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dotBerlin will .berlin

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Eine Top Level Domain speziell für Berlin? Genau dieses Ziel hat sich die dotBerlin GmbH auf die Fahnen geschrieben. Sie will bei der nächsten Bewerbungsrunde um neue Top Level Domains der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) den ultimativen Raum für die Berliner Community schaffen. "Immerhin gibt es alleine 66.000 Domains, die Berlin irgendwo im Domainnamen haben", sagt Dirk Krischenowski von der dotBerlin GmBH am Rande des ICANN-Treffens. Wie genau die Regeln für die Registrierung aussehen, vor allem, wer registrieren kann, hänge auch davon ab, wie die nächste Ausschreibung der ICANN für TLDs aussehe, sagt Krischenowski.

Mit der Staatskanzlei in Berlin ist man bereits im Gespräch über die Idee, ebenso wie mit möglichen Partner aus dem Bereich Stadtmarketing. Grünes Licht von Seiten der Behörden, auch von Stadt und Land Berlin muss sich dotberlin auf jeden Fall besorgen. Das amtliche Einverständnis verlangen die Regeln von ICANNs Regierungsbeirat.

"Wir haben mit der Idee hier beim ICANN-Treffen Staub aufgewirbelt, obwohl wir das eigentlich gar nicht beabsichtigt hatten", erklärt Krischenowski. Aber es sei doch klar gewesen, dass irgendwann einmal eine Stadt bei ICANN anklopfe. Immerhin gehen gerade eine ganze Reihe anderer geographischer TLDs an den Start. Die .cat-Zone soll die virtuelle Heimat der Katalanen werden. Für Europäer gibt es ab dem kommenden Jahr .eu. Nur die neue .asia-Zone hat sich ein etwas größeres Stückchen Erde vorgenommen. Auf Aufforderung von ICANN hin klopfen die .asia-Bewerber gerade überall bei asiatischen Regierungen an. Erst wenn deren Einverständnis da ist, kann .asia auf einen Vertrag mit ICANN hoffen.

Noch mehr geographische Domains könnten von ICANN zu Anlass genommen werden, eigene Regeln für diesen speziellen Typ aufzustellen, meint Krischenowski. Bei dotBerlin stellt man sich angesichts der beiden vorangegangenen Bewerbungsrunden übrigens darauf ein, dass man einen langen Atem braucht. Man werde wohl in ähnlichem Umfang investieren wie Bewerber aus der jüngsten TLD-Vergaberunde; ein Vertreter der umstrittenen .xxx-Domain sprach beim ICANN-Treffen von 1,5 Millionen US-Dollar Startkapital.

Am Start in den kommenden Monaten stehen auch .travel für Reiseunternehmen und .jobs für Headhunter und Arbeitgeber -- die Domain-Registry bietet bereits Vorregistrierungen von Markennamen an. Beim ICANN-Treffen in Luxemburg hat auch das .mobi-Konsortium mit Nokia, Microsoft, der T-Mobile und weiteren Partnern seinen Vertrag mit der Internet-Verwaltung unterschrieben. Laut Rick Fant, Direktor Mobile Service bei MSN, will man bereits im ersten Halbjahr 2006 mit der Mobildomain starten. .mobi wird die erste Zone, für die es bestimmte Styleguides gibt, auf deren Einsatz das Konsortium auch achten will. "Wir gehen jetzt nicht hin und schicken Mobi-Cops los", versicherte Fant. Allerdings soll mit den Styleguides sichergestellt werden, dass die Mobildomains dann auch wirklich aufs Mobildevice passen.

Nutzer sollten die Styleguides als Hilfestellung verstehen, nicht als Beschränkung, erklärte Ritva Siren, die mobi bereits 2000 für Nokia bei ICANN beantragt hatte. An Weiterentwicklungen der Styleguides durch die Anwender, über deren mögliche Varianten die mobi-Betreiber noch nichts sagen konnten, sei man durchaus interessiert und werde sie gerne in die allgemeinen Styleguides einarbeiten, fügte Fant hinzu. Bei der Weiterentwicklung soll ein eigenes politische Gremium, die so genannte Mobile Advisory Group (MAG) als Diskussionsforum dienen. Von Mobi erwarten sich viele Experten etwas Neues. "Wir werden einen neuen Registrartyp sehen", sagte Ram Mohan, CTO von Afilias, das die zentrale Registry für .mobi betreiben wird. Vor allem die großen Mobilfunkbetreiber stünden dafür in den Startlöchern, wie auch schon Vodafones Bündelprodukt von Rufnummer und .de-Adresse belege. Neu ist auf jeden Fall auch das Auktionsmodell: Rund 3800 der besten Namen, so etwa travel.mobi, wird das mobi-konsortium versteigern.

Auf politisch wackeligstem Boden bewegt sich vermutlich die xxx-Domain. Der virtuelle Rotlichtbezirk sorgte im Regierungsbeirat der ICANN für einige Diskussionen. Unverständlich erschien den Regierungen, warum ICANN nach der Ablehnung in Runde eins .xxx nun doch noch zugelassen hat. Zudem fühlen die Regierungen ihre Meinung nicht ausreichend berücksichtigt. ICANNs CEO Paul Twomey wurde in seiner Reaktion geradezu pampig: Der Vorschlag habe immerhin über Wochen auf einem ICANN-Forum zur Debatte gestanden. "Wir haben 63 Stellungnahmen erhalten, keines davon war von einer Regierung." xxx versucht sich in der angeheizten Stimmung möglichst brav zu zeigen, durch einen harten Standpunkt gegen Kinderpornographie und 10 Dollar "Ablasszahlung" je Domain an Organisationen wie Inhope. Dafür sollen diese dann ein bisschen helfen, xxx sauber zu halten. (Monika Ermert) / (jk)

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