Menü
Technology Review

e-Science-Plattform für wissenschaftliches Arbeiten im Netz

vorlesen Drucken Kommentare lesen 8 Beiträge

In Berlin stellten die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und das Fachinformationszentrum FIZ Karlsruhe jetzt die ersten Ergebnisse des gemeinsamen Projektes eSciDoc vor. In dem Verbundvorhaben geht es um die Entwicklung einer serviceorientierten Infrastruktur als Plattform und von spezialisierten Anwendungen zum Informationsmanagement der Arbeitsprozesse in der Forschung. Forschungseinrichtungen können die eSciDoc-Middleware als integrierte Informations-, Kommunikations- und Publikationsplattform einsetzen, um Wissenschaftlern das netzbasierte Arbeiten zu erleichtern.

Ein Schwerpunkt in eSciDoc ist das Publication Management. In ihm entstand mit PubMan ein Satz von Werkzeugen, welche die strukturierte Erfassung, Versionsverwaltung, Verbreitung und Archivierung sowie das Retrieval von Veröffentlichungen unterstützen. PubMan wird bereits von vier Max-Planck-Instituten eingesetzt und von acht weiteren erprobt.

Ein zweiter Schwerpunkt steht unter dem Obertitel "Akademische Werkbank" und konzentriert sich auf übertragbare Lösungen für die Wieder- und Weiterverwendung von Forschungsdaten. So ging beispielsweise im April 2008 der World Atlas for Language Structures (WALS) online, der Anthropologen und Sprachwissenschaftlern den interaktiven Zugang zu einer Datenbank mit Laut-, Wort- und Satzformen von 2650 Sprachen eröffnet. Ein anderes Beispiel ist FACES, eine Fotosammlung des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung mit mehr als 2000 Bildern zum Studium der Gesichtsmimik. Die FACES-Software dient zur Verwaltung der Fotos mit ausführlichen Beschreibungen in Metadaten und zur selektiven Steuerung von Zugriffsrechten, sodass ausgewählte Nutzer mit bestimmten Teilmengen der Sammlung arbeiten können.

"Wir sind eine verteilte Organisation", erklärte MPG-Vizepräsident Kurt Mehlhorn auf den eSciDoc-Days. "Für uns ist es außerordentlich wichtig, dass unsere Forschungsinfrastruktur unseren Forschungsaufgaben entspricht." Und FIZ-Geschäftsführererin Sabine Brünger-Weilandt unterstrich, dass die gesamte eSciDoc-Software unter der "Common Development and Distribution License" (CDDL) frei verfügbar ist und die Weiterentwicklung durch Communities ermögliche; parallel zu Open-Source-Projekten werde das FIZ Karlsruhe Forschungseinrichtungen auch professionelle Dienstleistungen anbieten, um der Plattform die notwendige Stabilität zu geben.

Die MPG und FIZ Karlsruhe hatten die Arbeiten zu eSciDoc vor vier Jahren gestartet. Das Verbundvorhaben ist vom Bundesforschungsministerium (BMBF) mit insgesamt 6,1 Millionen Euro gefördert worden. Das letzte Jahr bis zum Auslaufen der BMBF-Förderung im Juli 2009 soll unter anderem auch dazu genutzt werden, die Community von Anwendern und Entwicklern zu vergrößern. Kooperationen gibt es bereits mit dem National Institute for Materials Science (NIMS) in Japan und den Data Archiving and Network Services (DANS) in den Niederlanden. Für die MPG wie auch das FIZ Karlsruhe sei eSciDoc von strategischer Bedeutung, betonten Mehlhorn und Brünger-Weilandt. In einem Memorandum hätten beide Einrichtungen deshalb die Weiterentwicklung der Plattform über 2009 hinaus vereinbart. (Richard Sietmann) / (jk)