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eBay lässt Weiterverkauf von Bahn-Billigtickets zu

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Das Internet-Auktionshaus eBay will gegen den Weiterverkauf von Billig-Tickets der Deutschen Bahn nichts unternehmen. Damit widersprach der Konzern am Donnerstag in Berlin Angaben der Bahn, wonach der Handel mit den Fahrscheinen zum Einheitspreis von 49,90 Euro untersagt werden solle. Auf der Internet-Seite des Auktionshauses waren bereits mehrere hundert Tickets mit teilweise deutlich höheren Preisen im Angebot. In den Filialen des Discounters Lidl waren sie bereits fast überall ausverkauft.

eBay-Sprecherin Maike Fuest bestätigte, dass es in den vergangenen Tagen "intensive Gespräche" mit der Bahn gegeben habe. Der Weiterverkauf werde von der Bahn zwar in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen untersagt. Allerdings sei juristisch umstritten, ob diese Regelungen wirksam sind. Beim Verkauf der "Lidl-Tickets" würden diese nicht mit dem Namen des Erwerbers versehen. Deshalb könnten die Blanko-Tickets nach Einschätzung von eBay auch weiterverkauft werden.

Der Verkauf von Billig-Tickets der Deutschen Bahn hat am Donnerstag für einen wahren Ansturm auf die Filialen der Discounterkette Lidl gesorgt. Innerhalb von wenigen Stunden wurden nach Angaben eines Bahnsprechers mehr als eine Million Fahrscheine verkauft. Die bundesweit 2600 Lidl-Niederlassungen meldeten schon am Mittag fast überall "ausverkauft". Viele Kunden mussten trotz langer Wartezeit enttäuscht wieder abziehen. Die Bahn äußerte sich zufrieden mit der Aktion. Von Verbraucherschützern kam dagegen Kritik.

Die verkauften Hefte mit je zwei Tickets für insgesamt 49,90 Euro gelten bis zum 3. Oktober für eine beliebig lange Reise innerhalb von Deutschland. Mit dem Angebot wollte sich die Bahn vor allem gegen die Konkurrenz der Billigflieger zur Wehr setzen. Innerhalb von wenigen Stunden wurden nun so viele Karten verkauft wie sonst an mehreren Tagen: An einem normalen Tag sind rund 320.000 Reisende mit den Fernzügen der Bahn unterwegs.

Bahnsprecher Gunnar Meyer sagte der dpa, zunächst werde es keine weiteren Billig-Tickets beim Discounter geben. Die Bahn werde aber bereits im Juli "andere attraktive Sonderangebote" haben. "Wenn das Angebot größer ist als die Nachfrage, dann ist das ja keine schlechte Sache." Die Kunden, die jetzt leer ausgegangen seien, sollten "nicht aufgeben". Verbraucherschützer forderten den bundeseigenen Verkehrskonzern auf, auch am Schalter Billig-Fahrscheine anzubieten. "Die enorme Nachfrage zeigt, dass das normale Preissystem nicht in Ordnung ist", sagte der Bahn-Experte der Stiftung Warentest, Michael Koswig, der dpa. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen forderte ebenfalls, mehr solche Billig-Tickets anzubieten. "Die Bahn hat schon günstige Angebote, aber im Tarifdschungel finden sich viele nicht mehr zurecht", sagte Sprecher Christian Fronczak. (dpa) / (jk)