eBay muss sein Image aufpolieren

Einst galt eBay als leuchtendes Beispiel für sagenhaften Erfolg im Web. Doch allmählich lässt die Leidenschaft von Händlern und Käufern nach, und die Beschwerden entnervter Nutzer häufen sich.

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  • Christoph Lignitz/dpa

Analysten der Citigroup ermittelten, dass allein im zweiten Quartal dieses Jahres auf der deutschen Homepage von eBay 15 Prozent weniger Angebote eingestellt wurden als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Der Marktplatz wird besonders für Hobbyverkäufer immer unattraktiver: Wer nur noch einen Euro für den ausgetragenen Wintermantel oder die alte Stereoanlage bekommt, spart sich die Mühe lieber. Schlecht laufen der Analyse zufolge vor allem Bücher und Musik.

Das Internet-Auktionshaus hat zudem ein Imageproblem: Nutzer beschweren sich über schlechten Kundenservice, die Preistreiberei anderer Mitglieder und Betrugsfälle, etwa weil Verkäufer ihre Warenbeschreibungen beschönigen oder den Artikel überhaupt nicht versenden. Erst im Juni hatte eBay bei zwei betrügerischen Verkäufern Dutzende von Negativ-Bewertungen gelöscht.

Hinzu kommt, dass sich mit den Gebührenerhöhungen vom Januar 2007 die Verdienstmöglichkeiten der Kleinhändler noch einmal vermindert haben. Die Privatverkäufer leiden ohnehin unter dem Druck der professionellen Händler, die ihre Waren zumeist nicht versteigern, sondern zu Festpreisen feilbieten. Mit ihrer Marktmacht haben diese sogenannten Powerseller in der Vergangenheit den Handel an sich gerissen und Otto Normalanbieter immer mehr vom virtuellen Marktplatz verdrängt.

eBay-Sprecherin Maike Fuest zufolge handelt es sich dagegen bei den jüngsten Maßnahmen um "Gebührenanpassungen", die für die "Gesundheit des Marktes" erforderlich gewesen seien. Eine Reihe von Abgaben sei angehoben, andere seien dagegen gesenkt worden – zuletzt etwa die Angebotsgebühr bei eBay Motors von zehn auf einen Euro.

Diese Anpassungen bleiben allerdings nicht ohne Folgen: Viele Verkaufsprofis dünnen ihr Angebot aus und versuchen nicht mehr, hoch spezialisierte Waren in großen Stückzahlen unter die Leute zu bringen. Nicht wenige ziehen sich gleich ganz von der Handelsplattform zurück und eröffnen ihre eigenen Internet-Shops oder wenden sich eBays Konkurrenten zu, die ihre Angebote oft kostengünstiger anbieten.

Doch mit den abwandernden Powersellern entgeht dem Konzern viel Geld. Inzwischen rufen eBay-Mitarbeiter bei den Profihändlern an und erkundigen sich, warum diese weniger Artikel ins Netz stellen. In Einzelfällen werden sogar Gutschriften angeboten. eBay selbst spricht ganz unaufgeregt von "regelmäßigen Sonderaktionen", die neben einmaligen finanziellen Vergünstigungen für Mitglieder etwa auch Seminarangebote beinhalten.

Nach wie vor ist der Konzern mit einem Umsatz von 1,77 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 377 Millionen Dollar im ersten Quartal 2007 alles andere als ein Armenhaus. Und mit 233 Millionen registrierten und 83 Millionen aktiven Nutzern weltweit, unter denen rund 95 Prozent aller Internetauktionen abgewickelt werden, führt kein Weg an dem Quasi-Monopolisten vorbei. Das sieht auch Unternehmenssprecherin Fuest nicht anders: "Mit mehr als 20 Millionen Menschen in Deutschland sind hierzulande über die Hälfte der Internetnutzer Mitglied bei eBay."

Auch bei den Zahlen für das zweite Quartal, die am 18. Juli veröffentlicht werden, sind keine Einbrüche zu erwarten: Das Unternehmen rechnet mit Erlösen von 1,75 bis 1,8 Milliarden Dollar und will unter Ausklammerung von Sonderfaktoren 31 bis 33 Cent pro Aktie verdienen. Die Anleger haben trotzdem das Vertrauen in die eBay-Aktie verloren. Seit dem Höchststand Ende 2004 fiel der Börsenkurs etwa um die Hälfte und steht zurzeit bei etwas über 33 Dollar.

Konzernchefin Meg Whitman will in die Offensive gehen: Es werde "mehr Änderungen innerhalb der kommenden zwölf Monate geben als in den vergangenen vier Jahren". Bisher erschöpft sich die Weiterentwicklung allerdings in einer Verbesserung des Bewertungssystems und der Ankündigung, die Startseite übersichtlicher zu machen. (Christoph Lignitz/dpa) (bo)