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eID-Akzeptanz bleibt hinter den Erwartungen zurück

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Seit der Einführung am 1. November sind bisher 1,1 Millionen elektronische Personalausweise beantragt worden. Das Interesse, ihn auch für Internet-Transaktionen einzusetzen, bleibt aber sowohl bei Anbietern wie auch bei den Anwendern weit hinter den Erwartungen zurück. Die zugehörige AusweisApp zur Nutzung der elektronischen Identifikation (eID) auf dem neuen Personalausweis (nPA) haben sich bisher nur 29.000 Bürger heruntergeladen. Doch immerhin fast jeder zweite lässt sich die eID-Funktion bei der Ausstellung auch aktivieren.

Diese Zahlen wurden jetzt auf der Omnicard, dem alljährlichen Branchenkongress der Chipkarten-Branche in Berlin genannt, auf dem sich die Fachwelt über die ersten Erfahrungen mit dem IT-Großprojekt austauschte. Probleme bei der Einführung hatte es ja etliche gegeben, von der vorhersehbaren Kritik an den unter dem Stand der Sicherheitstechnik bleibenden Kartenlesern, dem vermasselten Start mit dem Sicherheitsloch in der AusweisApp, den störungsanfälligen Terminals in Meldeämtern, Schwierigkeiten mit Sonderzeichen im Namen der Antragsteller, bis zu den fehlenden Anwendungen für diejenigen, die die eID-Funktion tatsächlich nutzen wollten.

"Manches hätte besser gehen können", gestand der für das Pass- und Ausweiswesen zuständige Referatsleiter im Bundesinnenministerium (BMI), Andreas Reisen, ein, "aber im Ergebnis können wir ganz zufrieden sein". Probleme hätte es vor allem mit den in den ersten beiden Wochen beantragten Ausweisen gegeben, von denen die letzten aber in den nächsten Tagen ausgeliefert würden. Inzwischen seien auch "weit mehr als zwei Drittel" der Änderungsterminals, mit denen PIN- oder Adressenänderungen bei bereits ausgefertigter Ausweise durchgeführt werden und deren Software gepatched werden musste, "in einem Status, dass sie einwandfrei funktionieren". Jedenfalls sei "die Grundversorgung in den 5300 Personalausweisbehörden gewährleistet".

Diensteanbieter, die eID-Applikationen im Netz bereitstellten, gebe es noch nicht viele, so der BMI-Vertreter. Auf der nPA-Portalseite des BMI führt eine 12-seitige Liste zwar 62 Anbieter auf, die von der Vergabestelle für Berechtigungszertifikate beim Bundesverwaltungsamt ein Zertifikat zur Nutzung der eID-Funktion erhalten haben, doch tatsächlich im Wirkbetrieb genutzt werde das Verfahren nur von 16 Firmen, wie der Geschäftsführer der Bundesdruckerei-Tocher D-Trust, Matthias Merx, berichtete; 14 Unternehmen seien mit dem eID-Verfahren im Referenzbetrieb, und weitere 17 befänden sich in Vertragsverhandlungen.

Die Kosten für ein Berechtigungszertifikat gab Merx mit 2000 bis 3000 Euro an, und den Aufwand, die ausweisgestützte Authentisierung der Kunden in die elektronischen Geschäftsprozesse zu integrieren, bezifferte er auf zwei bis drei Monate. Deshalb sei es ratsam, zur Einführung "ein kleines Projekt mit zwei, drei Mitarbeitern anzusetzen".

Weil das die Kräfte der meisten Klein- und Einzelunternehmer übersteigen dürfte, sucht das BMI nun in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum elektronischer Personalausweis des Fraunhofer-Instituts FOKUS nach Wegen, dieser Zielgruppe, die immerhin rund drei Millionen Unternehmen in der Bundesrepublik umfasst, den Einstieg zu erleichtern. "Wir werden mit großer Kraft daran arbeiten, die ins Boot zu holen", erklärte Reisen, denn andernfalls drohe das eID-Verfahren "eine Privilegierten-Technologie" zu werden. (anw)