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eScience: Bekenntnis zu Open-Source-Software

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Das Bundesforschungsministerium (BMBF) will in den kommenden fünf Jahren 100 Millionen Euro für die Förderung von Projekten im Rahmen der eScience-Initiative bereitstellen. Für das jetzt gestartete erste Verbundprojekt -- das Vertically Integrated Optical Testbed for Large Applications (VIOLA) im Deutschen Forschungsnetz -- sind bereits 10 Millionen Euro bewilligt worden. Das erklärte der Leiter der Unterabteilung Information und Kommunikation im BMBF, Wolf-Dieter Lukas, heute anlässlich des Festakts zum 20-jährigen Bestehen des DFN-Vereins.

eScience ("enhanced science") ist ein Programm zur Weiterentwicklung der Infrastruktur des Deutschen Forschungsnetzes sowie von Middleware für das Grid-Computing, der kooperativen Nutzung von Computer-Ressourcen wie Prozessorleistung, Speicherkapazität, Daten und Programmen über verteilte Systeme in Wide Area Networks. Die Grid-Middleware soll es erlauben, einen Rechenauftrag ans Grid zu übergeben, der dann irgendwo im Netz bearbeitet wird, wobei Resource Broker, Replica Manager und ähnliche Komponenten ermitteln, auf welchen Knoten im Grid der Job jeweils am besten ausgeführt werden kann. Die Middleware stellt dabei quasi das Betriebssystem eines virtualisierten Großrechners dar.

Das Fundament vieler Grid-Projekte und der Middleware bilden die Globus-Toolkits der Globus-Alliance, einer Forschungseinrichtung, mit der auch große Firmen wie IBM kooperieren. Die Globus Alliance vertreibt die Toolkits unter der Globus Toolkit Public License (GTPL), die eine nahezu unbeschränkte Nutzung einschließlich des Rechts zur Weiterverbreitung und zum Ändern der Software erlaubt. "Bei der Fortführung der Software-Entwicklung basiert alles darauf, dass die Tools für jeden zugänglich sind", bekannte sich Reinhard Maschuw vom Grid Computing Centre Karlsruhe (GridKA) zum Prinzip der Open-Source-Software. "Auf diesem Zugang müssen wir als Wissenschaftler bestehen".

Die Befürchtung, dass das Interesse des BMBF an schneller wirtschaftlicher Wertschöpfung auf die Entwicklung proprietärer Software in den eScience-Projekten hinauslaufe, wies Lukas auf Befragen zurück. Die Entscheidung über die Art der Verwertung sei Sache der beteiligten Wissenschaftler und ihrer Partner aus der Wirtschaft, erklärte er; "es wird keine Vorgaben von unserer Seite geben". (Richard Sietmann) / (jk)