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eStroller: Bosch elektrifiziert und vernetzt den Kinderwagen

Bosch will helfen, dass Kinderwagen nicht ungewollt davonrollen und leichter zu schieben sind. Das System eStroller soll erstmals Anfang 2020 kaufbar sein.

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Nein, fernsteuern lässt sich der eStroller-Kinderwagen nicht, geschoben werden muss er schon noch.

(Bild: Bosch)

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Unter "Mikromobilität" fasst Bosch das Schieben von Kinderwagen. Hier hat der Autozulieferer offenbar Bedarf entdeckt, um seine Technik für Elektrifizierung und Vernetzung in die potenzielle Käuferschaft zu bringen und das System "eStroller" entwickelt. Das Unternehmen meint, sich damit einen neuen Markt zu erschließen.

Erstmals eingesetzt werden soll eStroller Anfang 2020 vom schwedischen Kinderwagenhersteller Emmaljunga. Bereits gekaufte, nicht-elektrifizierte Kinderwagen des Emmaljunga-Modells NXT90 sollen nachgerüstet werden können. Der für nächstes Jahr angekündigte NXT90e ist für ein bis zwei Kinder mit einem Gewicht bis zu 22 kg + 22 kg + Beladung gedacht. Der Preis steht noch nicht endgültig fest, soll aber im Laufe des Jahres bekannt gegeben werden. Weitere Hersteller sollen an der Technik interessiert sein.

eStroller soll Mami und Papi bergauf mit einem Elektromotor schieben helfen und ihnen auch das Bergabgehen mit dem Kinderwagen erleichtern, indem das System automatisch abbremst. Zudem enthält eStroller eine automatische Motor- und Feststellbremse, damit das Baby nicht ungewollt davon rollt.

Kinderwagen mit E-Motor, Bluetooth und Motorbremse. (Quelle: Emmaljunga)

Den Strom liefert ein 18-Volt-Lithium-Ionen-Akku, der in einem abschließbaren Fach steckt. Er braucht zweieinhalb Stunden, um voll beladen zu sein, und reicht bis zu 15 Kilometer. Über eine USB-Schnittstelle lässt sich außerdem ein Smartphone laden, wie Bosch erläutert.

Nur jene, die ihr Smartphone über Bluetooth PIN-geschützt mit dem System verbinden, können alle Funktionen des eStrollers nutzen, beispielsweise die Bergaufunterstützung einschalten. Die App zeigt Information über den Batteriestatus und die verbleibende Reichweite. Ohne App steht am eStroller nur die Bremsunterstützung bergab und die automatische Motor- und Feststellbremse bereit.

eStroller: Kinderwagen mit Elektromotor (11 Bilder)

"Es herrscht Windstärke sieben. Mit 60 km/h zerrt die Luft im Windkanal am Kinderwagen. Das Verdeck flattert heftig. Doch der Wagen rührt sich nicht von der Stelle…" Dieses Szenario entwirft Bosch für eStroller… (Bild: Bosch)

Ebenfalls über die App lässt sich die Alarmfunktion aktivieren, wenn zum Beispiel Eltern den Kinderwagen draußen stehenlassen. Versucht ein Unbefugter ihn wegzuschieben, erscheint am Smartphone eine Warnmeldung. Zudem ertönt am Wagen über einen Lautsprecher ein Alarmton und die Feststellbremse rastet automatisch wieder ein. Sollte der Akku unterwegs schlappmachen, kann der Wagen wie ein normaler Kinderwagen weiter genutzt werden.

"Im eStroller-System steckt Know-how aus der ganzen Breite des Unternehmens. Dabei gelten für uns bei Technik und Qualität dieselben Maßstäbe wie in der Autoindustrie – inklusive Tests im Windkanal", erläutert Bosch-Geschäftsführer Stefan Hartung. eStroller eignet sich gleichermaßen für Einzel-, Geschwister- und Zwillingskinderwagen.

"Komfort und Sicherheit sind für neun von zehn Eltern die wichtigsten Kriterien beim Kauf eines Kinderwagens", hat Bosch in einer Umfrage herausgefunden. "Bosch setzt mit seinen Mobilitätslösungen bereits vor dem Laufen an und bringt intelligente Mobilität in alle Bereiche des Lebens", sagt Hartung.

Die Antriebseinheit des Systems besteht aus zwei Elektromotoren an der Hinterachse, dazu kommen Bluetooth-Modul und ein Sensorsystem. Die Sensoren messen unter anderem Geschwindigkeit sowie Beschleunigung des Kinderwagens und registrieren den Untergrund. Algorithmen sorgen dafür, dass die Elektromotoren automatisch schieben helfen, wenn es bergauf geht, bergab bremsen sie automatisch mit. Wird der Kinderwagen losgelassen, verhindert die Motorbremse, dass er ungebremst davonrollt, und die elektromechanische Arretierung (EMA) schließt die Feststellbremse.

Die Kinderwagenlenker müssen laut Bosch bergauf, in unwegsamem Gelände oder bei Gegenwind weniger Kraft aufwenden, bergab entlaste der selbstbremsende E-Antrieb den Rücken. Beim Schieben mit einer Hand kommt Lenkunterstützung hinzu, so ließen sich Kurven leichter bewältigen. "Schließlich bewegen Eltern Kinderwagen recht oft mit einer Hand, etwa wenn das ältere Geschwisterkind parallel an der Hand gehalten wird", weiß Bosch.

Mit einem automatischen Bremssystem für Kinderwagen hatten vor sechseinhalb Jahren Studierende der Technischen Universität Darmstadt den ersten Platz beim bundesweiten Wettbewerb COSIMA (Competition of Students in Microsystems Applications) belegt. Sie konzipierten das System ebenfalls als auch nachrüstbares Set.

(anw)