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eco-Kongress: Registrare hoffen auf Mehrwert neuer Top Level Domains

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Die Branche der Registrare hegt große Hoffnungen auf den Handel mit den neuen Top Level Domains (TLD). Doch die neuen Möglichkeiten werden auch voraussichtlich zu einer Marktbereinigung führen, lautete eine Bilanz des Kongresses des Verbands der deutschen Internetwirtschaft eco am Mittwoch in Köln. Die Chancen von "Big Data" sahen die Teilnehmer deutlich kritischer, als es um die Erfassung ihrer Fahrzeugdaten ging.

Nach jahrelangem Ringen hat die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) mittlerweile mit dem Prozedere der Verteilung der ersten neuen TLDs begonnen. Deutsche Kandidaten wie .ruhr und .koeln können sich voraussichtlich im Sommer Hoffnung auf die Zulassung machen und noch in diesem Jahr erste Domains freischalten. Doch unter der Vielzahl der Anträge haben nur wenige eine Chance auf einen eigenständigen Betrieb, wie Sebastian Ritze von united-domains erklärte. So hat der Registrar von den 1400 neu beantragten TLD 130 herausgesucht, für die das Unternehmen unverbindliche Vorregistrierungen anbietet. Hier zeigen sich schon deutliche Favoriten. Für die Endung .shop gab es 106.000 Vorbestellungen, gefolgt von 43.000 für .berlin und 35.000 für .bayern.

Neben der Einfachheit vieler neuer Domainnamen hoffen die Registrare darauf, dass die neuen TLDs den Kunden weitere Vorteile bringen. Hoffnungen setzt die Branche auf Google. "Google hat bisher gesagt: Die Domainendung fließt nicht in Platzierung ein", sagte Ritze. Diese Aussage habe der Konzern jedoch wenig später eingeschränkt: TLD mit geringer Qualität könnten abgewertet werden. Dies deuten die Domainverkäufer derart um, dass im Gegenzug TLD mit hoher Qualität auch höher eingestuft werden könnten. Die Registry-Anbieter müssten deshalb darauf achten, dass die Inhalte unter den neuen TLDs qualitativen Ansprüchen genügten und zum Beispiel sicherstellten, dass sich nur seriöse Banken eine Domain mit der Endung .bank zulegen könnten, sagte Ritze. Dass sich Google selbst um 101 TLDs beworben habe, nährt auch die Vermutung, dass die neuen TLDs einen Suchmaschinenbonus bekommen könnten.

Elmar Knipp, Vorsitzender des Aufsichtsrats der DeNIC, sieht unterschiedliche Entwicklungen voraus. Es könne zwar ein lebhaftes Geschäft mit den neuen Domains geben, da diese den alten überlegen seien, weil sie nach ICANN-Vorgaben beispielsweise den Sicherheitsstandard DNSSec integrieren müssen und durchweg auch nicht-lateinische Zeichen verarbeiten können. Doch nur die wenigsten Registries könnten auf Dauer wirtschaftlich eigenständig betrieben werden. Knipp rechnet mit einem "White-Label-Modell", bei dem wenige große Anbieter den technischen Betrieb der TLDs übernehmen, während Kleinanbieter die Domains vermarkten – ähnlich Mobilfunktarifen, die von Handelsketten unter eigenem Markennahmen angeboten werden. Die Bedeutung des Zwischenhandels werde jedoch abnehmen: "Domains werden kein eigenständiges Produkt mehr sein", sagte Knipp. Stattdessen müssten sich die Anbieter darauf konzentrieren, Pakete zu verkaufen, die beispielsweise zusammen mit der Domain SSL-Zertifikate oder Software enthalten.

Andere setzen jedoch darauf, dass der Domainhandel nach dem alten Muster weitergeht. So warb Dirk Krischenowski von dotBerlin dafür, so viele Domains zu kaufen, wie man nur könne. "Wenn Sie shopping.koeln nicht registrieren, dann wird es irgendjemand anderes tun", sagte Krischenowski, der neben .berlin auch weitere TLDs betreiben will. Domains könnten sogar als Wertanlage genutzt werden. Zusätzliche Angebote, die die Domain aufwerten könnten, sieht er jedoch vorerst nicht vor, er will sich auf die Anforderungen konzentrieren, die die ICANN stellt. Bei der Zulassung von Domainregistrierungen will er sich an der Praxis der DeNIC orientieren. Ob er Nicht-Berlinern zum Beispiel die Registrierung von Domains unter der TLD .berlin verweigern werde, konnte er nicht beantworten.

War "Big Data" auf dem Kongress zuvor noch als Chance für Mittelständler angepriesen worden, zeigten sich die Teilnehmer misstrauischer, als Stefan Bergler von Telefónica Deutschland die Pläne vorstellte, Blackboxen in Autos zu installieren, um durch die anfallenden Bewegungsprofile Scoring-Werte für Autoversicherungen zu ermitteln. Für die Autofahrer selbst sollen alle Daten per Webinterface oder Smartphone-App abrufbar sein, die Versicherung selbst könne aber lediglich einen Scoring-Wert erhalten.

"Es ist kein Geheimnis, dass Telcos in einer schwierigen Situation sind", sagte Bergler. Die wegfallenden Umsätze im Messaging-Bereich wollten sie durch Mehrwertdienste wie Flottenmanagement oder eben die Ermittlung von Scoring-Werten ausgleichen. Nachdem ähnliche Modelle bereits in Großbritannien, Italien und Spanien existierten, rechnet Telefónica damit, in den kommenden zwei Jahren mehrere deutsche Versicherer für das Produkt gewinnen zu können. Wie der Preis berechnet werde, sei allerdings den Versicherungsunternehmen überlassen. In Köln überwogen allerdings die kritischen Reaktionen: Dass der Versicherer nicht die Einschätzung des Autofahrers über das eigene Fahrverhalten teilt, war eine Sorge. Dass das System bei sicherem Betrieb tatsächlich Kosten sparen könnte, wurde von anderen bezweifelt.

Auf der Konferenz wollte der eco auch den jungen Unternehmen eine Plattform bieten. So verlieh eco-Gründer Harald Summa den Start-up Awards an den Münchener SEO-Anbieter OnPage, der sich zuvor bei einem Elevator Pitch unter acht Kandidaten durchgesetzt hatte. In der kommenden Woche will Summa in Berlin dem Wirtschaftsministerium Vorschläge unterbreiten, wie die Ansiedlung und Finanzierung von Startups in Deutschland verbessert werden kann. (anw)