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.eu: Weitere Klagen gegen schwarze (Registrar-)Schafe

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Seit dem ersten Januar können auch rumänische und bulgarische Nutzer .eu-Adressen bei dem Registrierungsdatenbankbetreiber (Registry) für die Domain .eu (Eurid) bekommen. Die ersten Registrierungen für die frisch gebackenen EU-Bürger kamen vom rumänischen Registrar EuroDomenii für "lex-expert.eu" und vom US-Registrar GoDaddy, der premium-bg.eu für einen bulgarischen Kunden eintragen ließ. Groß ist die Nachfrage nach den .eu-Domains aus den beiden neuen EU-Mitgliedsstaaten allerdings noch nicht. Aktuell entfallen laut Eurid Statistik 575 der 2,4 Millionen registrieren .eu-Adressen auf rumänische und gerade mal 18 auf bulgarische Nutzer.

Für das Jahr 2007 hat Eurid eine europaweite Marketingkampagne angekündigt, mit der man der jungen Europa-Domain noch mehr Aufmerksamkeit – und vor allem noch höhere Registrierzahlen – bescheren will. Die regionale Präsenz soll durch die bevorstehende Eröffnung der Büros in Prag und Pisa (nach Brüssel und Stockholm) verstärkt werden. Im ersten Jahr hat sich .eu hinter .info, .org, .uk, .net, .de und .com immerhin als siebtgrößte Registry etabliert. Für das kommende Jahr sind daher auch weitere technische Verbesserungen und der Ausbau des Nameserver-Netzes angekündigt. Zuletzt hatte es immer wieder Klagen über kurzzeitige Ausfälle der Registrierserver gegeben. Unter anderem sollen demnächst mehr Funktionen des EPP-Registryprotokolls verfügbar werden und bald auch der "fast-Real time"-Registrierbetrieb möglich sein. Zum 1. Januar hat Eurid angesichts der Nachfrage den Registrypreis für die .eu-Domains erstmals gesenkt.

An der juristischen Front versucht man, das Wohlverhalten der Registrare, also der Dienstleister für Domainregistrierungen durch Endkunden, durch einen "Code of Conduct" abzusichern. Nach wie vor bleibt es ein Problem für Eurid, schwarze Schafe unter den Registraren und Domaininhabern zu überprüfen. Anspruch auf eine .eu-Domain haben laut der dem Registrybetrieb zugrunde liegenden EU Verordnungen nur EU-Bürger und in der EU ansässige Firmen. US-Registrare wie etwa GoDaddy können zwar Domains registrieren, aber nur für EU-Kunden.

Im vergangenen Jahr hatte Eurid über 75.000 Adressen einer zypriotischen Unternehmensgruppe gesperrt. Der Vorwurf lautete, nur als Strohmann für 400 US-Registrare tätig zu sein. Wegen Formfehlern musste Eurid allerdings diese Domains später wieder freigeben. Eurid-Jurist Herman Sobrie sagte gegenüber heise online, Ziel der Sperrung sei es vor allem gewesen, dass die Verbindung von Ovidio Ltd. (und deren Partnerfirmen Fausto Ltd. und Gabino Ltd.) und den 400 US-Registraren offenbar werde. Zwar habe Ovidio per einstweiliger Verfügung die Entsperrung der Domains erwirkt. Die Verbindung der beiden Firmengruppen sei aber nun klar. Eurid strebe eine Zusammenfassung beider Prozesse an. Eurid hat laut Sobrie sowohl im Fall der einstweiligen Verfügung Berufung eingelegt, als auch Klagen gegen Ovidio und die Registrargruppe wegen Verstoßes gegen das vertraglich festgelegte Verbot des "Warehousing" durch Registrarunternehmen erhoben. Einen Domaininhaber ist "Warehousing" – also die massenhafte Registrierung von Domains zum Weiterverkauf – nicht verboten, betonte Sobrie, einem Registrar aber schon.

Sobrie erklärte außerdem, man bereite weitere Klagen vor, unter anderem auch gegen zwei deutsche Unternehmen. In einem Fall gehe es um gefälschte Marken, im anderen ebenfalls um Warehousing. Der geplante Code of Conduct ziele mehr auf die Qualität, nicht auf die ohnehin geschuldete Vertragstreue, sagte Patrik Linden, Chef des Stockholmer Büros und Eurid-Kommunikationschef. Registrare, die den Code unterzeichnen, dürfen sich mit einem entsprechenden Eurid-Label schmücken. Ein Aufsichtsgremium, für das sich Registrare aktuell bewerben können, soll die Einhaltung der Qualitätsanforderungen überwachen.

Zur .eu-Domain siehe auch:

(Monika Ermert) / (jk)