heise online aktiviert neues IVW-Messverfahren

Zusammen mit vielen anderen Online-Anbietern aus dem Medienbereich wird heise online in diesen Tagen sein Messverfahren für Zugriffszahlen umstellen.

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Von
  • Michael Wilde

heise online sowie die Zeitschriften des Verlages Heinz Heise melden Ihre Zugriffs- beziehungsweise Auflagenzahlen direkt an die IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V.). Dieser Verband, der nicht mit einem Werbevermarkter zu verwechseln ist, sorgt dafür, dass Auflagenzahlen von verschiedenen Verlagen direkt miteinander vergleichbar sind. Da diese (den "Einschaltquoten" beim Fernsehen vergleichbaren) Daten eine wichtige Planungsgrundlage für die Werbewirtschaft bilden, sind bei der IVW alle namhaften deutschen Verlage angeschlossen. Um die Auflagenzahlen mit dem Zusatz "IVW-geprüft" versehen zu dürfen, müssen sich die IVW-Mitglieder an die IVW-Richtlinien halten.

Beim bisher eingesetzten Verfahren wurden Online-Zugriffszahlen ausschließlich über Aufrufe einer winzigen Grafik ermittelt, die im HTML-Quellcode integriert sind. Ruft ein Surfer eine Seite von einer Website ab, liefern die Server auch die unsichtbare Grafik aus und verzeichnen den Abruf in den Log-Files. Der Website-Betreiber zählt mit Hilfe einer speziellen Software alle Aufrufe der Grafik und meldet das Ergebnis als Anzahl von so genannten Page Impressions (Seitenabrufen) und Visits (Besuche) an die IVW. Diese veröffentlicht die Online-Nutzungszahlen auch im Web.

Die IVW hat nun ihre Mitglieder dazu aufgefordert, bis Ende des Jahres auf ein neues Online-Messverfahren umzustellen. Die IVW-Pixel spielen immer noch eine Rolle, doch werden ihre Aufrufe jetzt auf gesonderten Computern (IVW-Box) erfasst. Diese sind bei großen Anbietern in unmittelbarer Nähe der Web-Server aufgestellt. Für kleinere Anbieter befinden sich diese Zählcomputer an zentralen Punkten des deutschen Internet. Nur Mitarbeiter der IVW haben Zugriff darauf. Neben den PageImpressions, die jeweils den Abruf einer kompletten Seite im Web beschreiben, sind für die Werbetreibenden die so genannten Visits von zentraler Bedeutung. Ein Visit soll einem zusammenhängenden Besuch eines Surfers auf der Website entsprechen - unabhängig davon, wie viele Seiten er abgerufen hat.

Für die Erfassung der Visits, die im übrigen genau so wenig auf die genaue Identität des Surfers schließen lassen wie die PageImpressions, verlangt die IVW von seinen Mitgliedern den Einsatz von Cookies. Unsere Server werden daher in Zukunft bei jedem Besuch (Visit) versuchen, eine kleine Datei, die eine Zufallszahl enthält, auf dem Computer des Surfers abzulegen. Solange die IVW-Box die Zufallszahl lesen kann, werden alle Seitenabrufe von einem bestimmten Browser zu einem Visit zusammengefasst. Das Cookie wird beim Schließen des Browsers automatisch gelöscht.

Das neue Verfahren war unter den IVW-Mitgliedern umstritten, was letztlich zu einer Verzögerung von einigen Monaten führte. heise online hat kaum Einfluss auf die technische Gestaltung des Messverfahrens, befürchtet allerdings, dass seine technisch versierten und kritischen User eher dazu neigen, Cookies abzulehnen, als User, denen die technischen Zusammenhänge nicht geläufig sind. Das Ablehnen der IVW-Cookies beeinträchtigt jetzt genauso die wirtschaftliche Basis eines werbefinanzierten Web-Angebots wie das Filtern von Werbe-Bannern auf dem Computer des Users.

Um Visits auch dann ermitteln zu können, wenn der User Cookies ablehnt, bevorzugt die IVW den Einsatz von JavaScript. heise online nutzt dagegen ausschließlich Daten, die der Browser standardmäßig an den Server liefert. (mw)