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heise online verlangt Sperrung einer 0190-Nummer

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In den vergangenen Tagen schwappte wieder einmal eine Spam-Welle in deutsche Mailboxen, in der unter falschem Absender und mit irreführendem Betreff für einen angeblich geknackten Hardcore-Porno-Dialer geworben wurde. heise online nimmt diesen Fall zum Anlass, um die am 27. August in Kraft getretene Änderung der Telekommunikations-Kundenschutzverordnung auf ihre Wirkung hin zu testen.

Unterzeichnet ist die unverlangte Werbung mit "Porno Hacker Crew"; diese Bezeichnung war schon in zahlreichen Spam-Aktionen aufgetaucht. Dieses Mal haben die Spammer einen besonders fantasievollen Absender und Betreff gewählt: Die "Rechtsabteilung" schickt eine "Fristlose Kündigung", was zumindest bei Empfängern in Firmen für Aufmerksamkeit sorgen dürfte.

Über den Link in der Mail gelangt man auf eine Seite bei dem kostenlosen Hoster Netmails.com in Kanada. Die deutschsprachige Seite bewirbt den Gratis-Sex-Crack, der zum Download angeboten wird. Tatsächlich wählt sich der Dialer namens "Gratis-Sex-Crack.exe" aber über die Nummer 01 90/83 92 21 ein, was 1,86 Euro/Minute kostet. Im Unterschied zu früheren Spam-Aktionen der Porno Hacker Crew stammt der Dialer diesmal nicht von der Mainpean GmbH, sondern von der Schweizer IBS Clearing AG. Er ruft eine Seite unter der Domain schnell-sex.de auf, die auf Michael Mettke in Cottbus registriert ist.

Die 0190-Nummer wird laut Verzeichnis der RegTP von dtms Deutsche Telefon- und Marketing Services AG in Mainz betrieben. Die Firma Telequest, die über die Nummer Dienste abrechnet, habe aber Anfang September den Provider gewechselt und die Nummer dabei zu MCN-Tele.com mitgenommen, sagte ein dtms-Sprecher. Die Spam-Aktion habe erst nach der Portierung der Nummer begonnen. Der Justiziar des Heise-Verlags hat MCN-Tele.com über die "massive unverlangte Bewerbung" informiert und den Dienstleister gemäß Paragraf 13a Satz 2 der Telekommunikations-Kundenschutzverordnung aufgefordert, die Nummer zu sperren. Eine Antwort von MCN-Tele.com steht bislang aus.

An den Spam-Versender dürfte schwer heranzukommen sein: Die Prüfung einer der Mails ergab, dass sie über das Netz von iPlan LCC in Buenos Aires, Argentinien, abgesetzt wurde. Hinter dem Absender "Rechtsabteilung" verbirgt sich die E-Mail-Adresse eines Autohauses. Dieses hat die eigene Website vorläufig durch den Hinweis ersetzt, dass es mit der Spam-Aktion nichts zu tun und bereits Anzeige gegen Unbekannt erstattet habe. Vom BSI habe man die Information erhalten, dass identische Mails auch mit anderen gefälschten Absendern verschickt wurden.

Der Fall zeigt, dass die von der RegTP veröffentlichte Liste von 0190-Betreibern nicht aktuell ist. Wechseln deren Kunden zu einem anderen Betreiber, dann können sie ihre Nummern mitnehmen. Die RegTP besitzt eine aktuelle Portierungsdatenbank, die aber nur die Telekom und andere Rechnungssteller einsehen können. Das ist Verbraucherschutz, wie er den 0190-Abzockern gefällt: eine weitere Möglichkeit, sich vor geprellten Verbrauchern zu schützen. (ad)

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