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iPhone 6s geknackt: Handy-Daten stützen Anklage in Freiburger Mordprozess

Der Angeklagte im Freiburger Mordprozess hatte ein Handy mit verschlüsseltem Inhalt. Die Polizei hat Hacker zu Hilfe genommen. Und kommt so an minuten- und ortsgenaue Daten, die das Handy automatisch speichert. Und die vor Gericht als Beweise dienen.

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iPhone 6s geknackt: Handy-Daten stützen Anklage in Freiburger Mordprozess

(Bild: DariuszSankowski)

Im Prozess um den Sexualmord an einer Studentin in Freiburg sehen die Ermittler den Tatvorwurf gegen den Flüchtling Hussein K. nach Auswertung von dessen Handy-Daten als erhärtet an. Die auf dem Mobiltelefon gespeicherten Standort- und Bewegungsdaten belegten, dass Hussein K. in der Tatnacht am Tatort war, sagte ein Experte der Kriminalpolizei am Montag vor dem Landgericht Freiburg, wie die Badische Zeitung protokolliert hat. Er habe sich dort rund eine Stunde und 45 Minuten aufgehalten und damit länger als bislang vermutet. Erst am frühen Morgen habe er sich entfernt.

Hussein K. werden Mord und besonders schwere Vergewaltigung vorgeworfen. Er hat zugegeben, im Oktober 2016 nachts in Freiburg die 19-Jährige vergewaltigt und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt zu haben. Die Frau ertrank im Wasser des Flusses Dreisam. Ein Urteil soll es frühestens Mitte März geben.

Verschlüsselte Daten geknackt

In dem Fall habe die Polizei erstmals in Baden-Württemberg Spezialisten der Abteilung Cyber-Crime in eine Sonderkommission geholt, sagte der Beamte. Der Grund sei die Vielzahl digitaler Spuren gewesen. Hussein K. habe ein iPhone 6s bei sich getragen. Dieses speichere automatisch Daten, unter anderem zu Standorten und Bewegungen. Auch Höhenprofile ließen sich so erstellen. Die Polizei sei jedoch technisch nicht in der Lage, diese Daten zu entschlüsseln. Sie habe daher Spezialisten einer privaten IT-Sicherheitsfirma beauftragt. So seien die Beamten an die Daten gekommen - unklar blieb dabei, welche iOS-Version auf dem iPhone lief und wie die Daten entschlüsselt wurden.

Diese belegten, dass Hussein K. zur Tatzeit am Tatort war. Er habe sich rund 30 Minuten vor dem Angriff auf die Studentin dort aufgehalten und rund eine Stunde und 15 Minuten danach. Den Ort verlassen habe er in dieser Zeit nicht. Die Analyse der Höhenangaben zeige, dass er sich vor der Attacke mit großer Wahrscheinlichkeit am Uferweg aufhielt und dort möglicherweise auf ein Opfer gewartet habe. Danach sei er die ganze Zeit im tiefer gelegenen Fluss gewesen. Die Frau war den Ermittlungen zufolge vom Uferweg eine Böschung hinunter in den Fluss gezogen und dort vergewaltigt worden. Dort starb sie. An der Böschung waren Spuren von Hussein K. gefunden worden. Diese Daten widersprechen der Aussage des Angeklagten, sagte der Beamte.

Hussein K. selbst hatte bei seinem Geständnis zum Prozessauftakt Anfang September vergangenen Jahres angegeben, der jungen Frau zufällig begegnet zu sein und diese aus einem Affekt heraus angegriffen zu haben. Eine geplante Tat sei es nicht gewesen, auch habe er der Frau nicht aufgelauert. Die Studentin war nachts alleine mit dem Fahrrad auf dem Weg von einer Studenten-Party nach Hause, als sie Opfer des Verbrechens wurde. Hussein K. wurde rund sieben Wochen nach der Tat festgenommen.

Schon in Griechenland verurteilt

Der Prozess wird am 25. Januar fortgesetzt, sagte die Vorsitzende Richterin Kathrin Schenk. Dann sollen zwei Polizeibeamte aus Griechenland aussagen. Wegen einer schweren Gewalttat an einer jungen Frau im Jahr 2013 war Hussein K. in Griechenland zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, im Oktober 2015 aber vorzeitig gegen Auflagen entlassen worden. Nach seiner Freilassung tauchte er unter und kam im November 2015 ohne Papiere nach Deutschland.

Als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling lebte er in Freiburg bei einer Pflegefamilie. Von den Behörden überprüft wurden seine Altersaussagen den Angaben zufolge nicht. (mho)

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