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iPod spielt Videos ab

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"One more thing" hatte Steve Jobs fünf Wochen nach der Präsentation des iPod nano für den heutigen Abend angekündigt und die Branche rechnete mit dem "iPod Video" -- und lag nur knapp daneben. Die fünfte iPod-Generation, die Apple neben neuen iMac-G5-Modellen fürs multimediale Wohnzimmer vorstellte, spielt zwar Videos, begnügt sich statt des erhofften großen 16:9-TFTs -- wie es die PlayStation Portable aufweist -- mit einem etwas breiteren 2,5-Zoll-Display und einer Auflösung von immerhin 320 × 240 Bildpunkten. Die unterstützten Videoformate sind erwartungsgemäß MPEG-4 und H.264. Für die 60-GByte-Version gibt Apple eine Speicherkapazität von rund 150 Stunden Video an, bei einer Videobitrate von 750 kBit/s zuzüglich 128 kBit/s für die Tonspur.

Steve Jobs prophezeite anlässlich seiner Rede im California Theatre in San Jose, dass sich die Leute den neuen iPod nicht nur zum Musikhören kaufen werden. "Er wird sehr schnell zum beliebtesten tragbaren Video-Player der Geschichte werden", kommentierte der Apple-Chef die Videofunktionen des iPod -- wenige Wochen, nachdem er einen iPod Video ausschloss.

Die neuen "großen" iPods kommen mit Kapazitäten von 30 GByte (für 319 Euro) oder 60 GByte (für 429 Euro) und sind dabei bis zu 30 Prozent flacher als die Vorgänger -- aller Wahrscheinlichkeit nach dank schmächtiger Platten, bei denen Perpendicular Recording die Speicherdichte in die Höhe treibt. Die Batterielaufzeit für den kleineren großen iPod soll bis zu 14 Stunden betragen, die des großen Bruders gar bis zu 20 Stunden.

Ebenso wie den iPod nano wird es die beiden Neuen in den Farben Schwarz und Weiß geben. Mindestvoraussetzung für die Nutzung des neuen iPods ist ein Computer mit mindestens Mac OS X 10.3.9 oder Windows 2000/XP und ein USB-2.0-Anschluss.

Damit man auch etwas von den Videofunktionen der neuen iPods hat, veröffentlichte Apple nur kurz nach iTunes 5 die sechste Inkarnation seiner kombinierten Jukebox- und Shop-Software iTunes für Mac OS X und Windows. Über den iTunes Music Store (iTMS) verkauft Apple nun auch einzeln Musikvideos und mehr. iTunes 6 steht ab sofort zum Download bereit. iTunes 6 bringt QuickTime 7.0.3 mit, das es alternativ auch einzeln gibt.

Die den neuen Macs beiliegende Fernbedienung "Apple Remote" lässt sich auch im Zusammenspiel mit dem iPod nutzen (bzw. für Nur-iPod-Besitzer zum Preis von 29 Euro im Apple Store erwerben), um einen im ebenfalls neuen Universal Dock (für 39 Euro) platzierten Player per Infrarot zu steuern.

Nach Informationen des Wall Street Journal verhandelte Apple schon seit Monaten mit den Major Labels über den Verkauf von Musikvideos. Als kostenpflichtige Dreingabe zu Songs bekam man Videos im iTMS schon längere Zeit. Nun lassen sich über den iTunes Music Store laut Apple über 2000 Musikvideos für je 2,49 Euro erwerben. Hinzu kommen sechs klassische Kurzfilme: Boundin', For the Birds, Geri's Game, Luxo Jr., Red's Dream und Tin Toy aus Jobs' Animationsstudios Pixar für ebenfalls 2,49 Euro pro Filmchen sowie Folgen von US-Erfolgsserien wie Lost und Desperate Housewives, die hierzulande von ProSieben ausgestrahlt werden. Zudem bietet Apple Folgen der Serie Night Stalker, That's So Raven und The Suite Life of Zack & Cody an.

Die einzelnen, mit Apples FairPlay geschützten Folgen sollen bereits einen Tag nach der Ausstrahlung im iTMS für je 1,99 US-Dollar erhältlich und auf beliebig vielen iPods und bis zu fünf Computern abspielbar sein. Das Brennen der Videos soll FairPlay verhindern. Da die Serien momentan nur im US-Shop auftauchen, ist davon auszugehen, dass sie nur innerhalb der Vereinigten Staaten angeboten werden.

Rein funktional hat sich bei der neuen iTunes-Version wenig getan. So gibt es erweiterte Geschenk-Optionen und die Beta-Version eines Musikempfehlungssystems, bei dem iTMS-Kunden ihre eigene Meinung zu Songs und Alben kundtun können. (vza)