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iTunes Music Store: Fein, aber klein

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"Ein unbekannter Fehler ist aufgetreten" -- auch Apple-Kunden sind vor derartigen Fehlermeldungen nicht gefeit, wenn sie in dem frisch eröffneten deutschen iTunes Music Store (iTMS) nach ihrer Lieblingsmusik suchen. Zeitweise geriet schon der Download der 20 Megabyte großen iTunes Software zur Geduldsprobe. "Der Ansturm ist enorm, wir bemühen uns, eventuell auftretende Probleme so schnell wie möglich zu beheben", so Apples Pressesprecher Georg Albrecht gegenüber heise online. Neben überlasteten Servern scheint es auch Probleme mit dem Contentmanagement zu geben: So führten zum Beispiel zwei der zwölf Album-Links von Kylie Minogue ins Daten-Nirwana. Mit dem Album "Light Years" war die Pop-Diva gleich dreifach vertreten, mit "Kylie Minogue" doppelt.

Der von Steve Jobs genannte Angebotsumfang von "700.000+" Songs dürfe eher Wunsch als Realität sein oder sich auf den US-Shop beziehen. In Deutschland jedenfalls sind die virtuellen Regale des IMTS offenbar weniger prall gefüllt. Bei Stichproben zeigte sich, dass beispielweise das Angebot an Alben viel dünner ist als in den USA (Trefferverhältnis USA:Deutschland in Klammern): Elton John (35:0), Michael Jackson (17:6), Aimee Mann (6:0), Johnny Cash (42:20), Anthony Braxton (2:0), Diana Krall (8:4).

Das regionale Angebot ist zu mager, um die fehlenden US-Produkte zu ersetzen: Selbst zum auf der Startseite des deutschen iTMS beworbenen Top-Act Rosenstolz fehlt das aktuelle Album "Herz", und Herbert Grönemeyer stellt statt kompletter Discografie nur eine Handvoll exklusiver Tracks online. Von den deutschen Top 10 der Alben-Charts fanden wir nur vier Titel -- bei den Single Charts lediglich einen Treffer: "Lebt denn dr alte Holzmichel noch...?".

Apple-Sprecher Albrecht blieb dessen ungeachtet bei der Angabe seines Firmenchefs: "700.000+ sind online". Den Hinweis auf die aufgedeckten Lücken beantwortete die deutsche Pressestelle mit einem deutlichen "kein Kommentar". Für den iTMS in Großbritannien gehen Analysten von Jupiter Research von einem Gesamtangebot von maximal 400.000 Titeln aus -- auch dort denkt man, dass Jobs mit "700.000+" den Mund zu voll genommen hat.

Die angeblich "Dutzende Independent Labels" machen sich gleichfalls rar: "Die europäischen iTunes-Stores sind ohne Inhalte hiesiger Indies an den Start gegangen", so Stephan Benn, Justiziar des deutschen Verbandes unabhängiger Tonträgerunternehmen, Musikverlage und Musikproduzenten (VUT) gegenüber heise online. Selbst die Independents, die bereits mit iTunes USA einen Vertrag haben, hätten diesen nicht auf Europa ausgedehnt, so Benn weiter, "die Gespräche scheiterten an der mangelnden Verhandlungsbereitschaft Apples." Gegenüber heise online zeigte sich Apple auch in diesem Punkt wenig auskunftsfreudig -- kein Kommentar. (sha)