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init – der Wochenausblick: Von Martin Luther King bis zur SPD

Eine ereignisreiche Woche liegt vor uns. Die Bundesliga ist aus der Winterpause zurück und auch die IT-Welt beginnt zu rotieren. Digitalisierung noch und nöcher. Für CDU/CSU und SPD wird sich entscheiden, ob aus der Sondierung auch eine Verhandlung wird.

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init – der Wochenausblick

(Bild: DSM, btconf, IBM, dld, Bearbeitung & Komposition heise online)

Am Montag müssen nun auch in Hessen die Schüler (und die Lehrer) wieder in die Schule. In USA ist dagegen ein Feiertag, an dem die öffentlichen Bediensteten zu Hause bleiben dürfen. Martin Luther King Jr. Day gedenkt dem bedeutenden amerikanischen Bürgerrechtler, der am 15. Januar 1929 als Michael King Jr. in Atlanta geboren wurde. Vielen Menschen ist er vor allem durch seine mitreißende Rede "I Have a Dream" am 28. August 1963 vor dem Lincoln Memorial in Washington D.C. in Erinnerung. Der Feiertag fällt auf den dritten Montag im Januar und damit nur zufällig auf Kings Geburtstag. Es gibt nur drei Personen, denen ein eigener Feiertag in USA gewidmet ist: Christopher Columbus, George Washington und eben Martin Luther King Jr. Einen wesentlichen Beitrag zur Einrichtung des Feiertags hatte übrigens Stevie Wonder, der mit seinem Stück "Happy Birthday" für die Kampagne warb. Es lohnt sich, den Text zu verstehen:

You know it doesn't make much sense
There ought to be a law against
Anyone who takes offense
At a day in your celebration

Da geht es nicht um Geburtstagskinder, sondern um Dr. King, der 1968 wie auch Robert F. Kennedy einem Attentat zum Opfer fiel. 1963 wurde John F. Kennedy erschossen, 1965 Malcolm X. Das Land behandelt seine wichtigen Politiker schlecht.

Seit gestern brummt im New Yorker Jacob K. Javits Convention Center bereits die NRF Big Show, die Konferenz der National Retail Federation. Der Veranstalter misst die Teilnehmer in Kilo: 35K Attendees, 18K Retailers, 3.5K Companies, 600+ Exhibitors, 95 Countries. Die NFR Big Show läuft noch bis Dienstag und dreht sich besonders um die Digitalisierung des Handels.

Auch in Deutschland kann man am Montag in die Vergangenheit blicken. Am 15. Januar 1990 stürmten DDR-Bürgerinnen und -Bürger die Stasi-Zentrale in Berlin. Die Mitarbeiter der Auslandsspionage-Abteilung der Stasi hängten ein weißes Laken mit der Aufschrift "Aufklärung" an ihr Gebäude, um sich von der Überwachung zu distanzieren. Nach 1990 wurde offenbar, dass die Agenten der HV A nicht nur im Ausland spioniert, sondern auch eng mit den Inlands-Abteilungen der Stasi zusammengearbeitet hatten. Am Montagabend gibt es im Deutschen Spionagemuseum eine Podiumsdiskussion zu dem Thema, an der Wolfgang Welsch (Giftopfer der Stasi), Dr. Susanne Muhle (Stiftung Berliner Mauer), Joachim Lampe (Bundesanwalt a. D.) und Prof. Dr. Daniela Münkel (BStU - Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen) teilnehmen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

In München schaut ab Montag die Entwicklerkonferenz beyond tellerrand über den selbigen. Das dreitägige Programm verspricht viele spannende Vorträge, die aus dem Unsere-Software-ist-super-Rahmen herausfallen.

Bei IBM geht es diese Woche erneut um die Zukunft der Platfform, die einst als Lotus Notes startete. Am Dienstag organisiert das Unternehmen einen #domino2025 Jam in Ehningen, am Donnerstag einen zweiten Düsseldorf. Diese Veranstaltungen gibt es weltweit und sie sind mit 20 bis 30 Kunden sehr klein angelegt. Zeitgleich läuft von Dienstag bis Donnerstag eine Online-Veranstaltung mit weltweiter Reichweite, das sogenannte #domino2025 Online Forum. IBM hatte die Entwicklung und den technischen Support an das indische Unternehmen HCL abgegeben und versucht nun gemeinsam mit den Kunden an der Roadmap für Domino 10 zu feilen, die im März auf der IBM Think in Las Vegas vorgestellt werden soll. Da Domino 10 noch in diesem Jahr erscheinen soll, wird die Roadmap wohl viel weiter tragen müssen. Der Name 2025 legt dies bereits nahe. IBM meidet peinlich den Namen des Desktop Client "Notes" zu nennen und spricht lediglich vom Domino-Server.

init - der Wochenausblick

Seit mehr als 25 Jahren schreibt Volker Weber (vowe) für c't, iX und heise online. Jeden Montag initialisiert er die vor uns liegende IT-Woche mit einem ganz persönlichen Überblick über die wichtigsten Termine, liefert Einschätzungen und auch so manche spitze Randbemerkung.

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Der Start des besonderen elektronischen Anwaltspostfach (beA) zum 1. Januar des Jahres musste abgesagt werden, nachdem vor Weihnachten Mitglieder des Chaos Darmstadt Sicherheitsprobleme in der Plattform gefunden hatten. Am Dienstag informiert der CCC an der TU Darmstadt zum beA, am Donnerstag soll die Hauptversammlung der BRAK (Bundesrechtsanwaltkammer) entscheiden, welche unabhängigen Experten die Sicherheit des beA überprüfen, bevor es wieder ans Netz geht.

In Nürnberg beginnt am Dienstag die dreitägige Internationale Fachmesse für Perimeter-Schutz, Zauntechnik und Gebäudesicherheit. Zäune und Mauern haben gerade gute Konjunktur. Das könnte man der Software-Qualität auch wünschen. In Wien beschäftigen sich die Software Quality Days 2018, nach eigener Werbung Europas führende Qualitäts-Konferenz von Dienstag bis Freitag mit diesem Thema. Die Keynotes haben schon einmal interessante Titel, etwa "Snow white and the 777.777.777 dwarfs" oder "Denkfallen in Projekten - Wie uns das Gehirn in die Irre führt". Matthias Horx plädiert für einen digitalen Humanismus.

Am Mittwoch und Donnerstag gastiert Scott Guthrie, Executive Vice President der Microsoft Cloud & Enterprise Group, in Berlin und München. Guthrie tritt stets mit rotem Polohemd auf die Bühne und folgerichtig heißt die Veranstaltung Azure Red Shirt Dev Tour. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht ein fünfstündiges Live-Coding das alle aktuellen Microsoft-Entwicklerthemen von Azure bis Machine Learning streift.

Am Mittwochnachmittag gibt es in Köln einen Experten-Roundtable der Rheinischen Fachhochschule und der deutschen ict- + medienakademie zum Thema " Hoch-Automatisierung, Voll-Automatisierung, Robotics?" Die Automatisierung ist in der Fertigung bereits weit fortgeschritten. Nun erfasst sie auch Dienstleistungsbereiche wie die Logistik oder den Bürobereich.

Mit einer Developer UnConference wendet sich die IBM am Donnerstag in Zürich sowohl an Entwickler als auch an IT-Architekten, System-Analysten, und Manager. Die Themen sind breit aufgestellt und enthalten so ziemlich alle aktuellen Buzzwords: Hacking, Cloud Computing, Data Science, Analytics, Big Data Analytics, Artificial Intelligence, Machine Learning, Blockchain, Research, DevOps, Robotics, Quantum Computing, Open Source und zur Sicherheit auch "other emerging technologies". Die Veranstaltung ist kostenlos.

Am Freitag gibt es bei Heise Online wieder das beliebte #TGIQF (Thank God It's Quizz Friday). Letzte Woche was es ein bisschen schwierig. Wer noch nicht hat, kann ja mal versuchen, ob er Zitate richtig zuordnen kann: "Gates, Jobs & Co. Wer hat's gesagt?" Wie immer gibt es am Freitag neue Mukke, dieses mal zu viel, um alles richtig zu würdigen. Zwei Alben wollen wir herauspicken: "I Like Fun", das zwanzigste Studioalbum von They Might Be Giants, das man bereits vollständig vorhören kann. Joe Perry, Lead Guitarist bei Aerosmith, bringt sein zweites Solo-Album an den Start. "Sweetzerland Manifesto". Produziert hat es Johnny Depp und weil Perry besser Gitarre spielen als singen kann, sind eine Reihe anderer Musiker mit am Start, etwa Robin Zander (Cheap Trick), David Johansen (New York Dolls) und Terry Reid. Perrys Söhne Tony and Roman spielen Synthesizer und Drums.

Der Samstag markiert ein Jahr Trump, nach Einschätzung der Amerikaner der schlechteste Präsident aller Zeiten oder zumindest, seit die Zustimmungswerte erfasst werden. Ein Urteil, das außerhalb der Vereinigten Staaten mehrheitsfähig ist. Der 19. Januar ist gesetzt. Auch Roosevelt (1945), Kennedy (1961) und Obama (2009) wurden an diesem Tag ins Amt eingeführt. Zu Clintons Inauguration 1993 traten nach elf Jahren zum ersten Mal wieder Fleetwood Mac auf und spielten ihren Klassiker "Don't Stop", ein Event auf der Skala Beatles- oder ABBA-Revival.

Am Samstag veranstaltet das Burda Bootcamp seine zweite Startup Day’n’Nite. Nachdem die Startup-Konferenz im September 2017 erfolgreich ins Leben gerufen wurde, geht sie nun in die zweite Runde. Die dreitägige Innovationskonferenz DLD (Digital, Life, Design) hat Hubert Burda strategisch genau vor das Weltwirtschaftsforum in Davos gelegt. Zum 14. Mal treffen sich 150 internationale Sprecher und 1000 Teilnehmer ab Samstag in der Alten Bayerischen Staatsbank (früher HVB-Forum) in München. "Reconquer" heißt das Thema dieses Jahr und soll ein optimistisches Licht auf den digitalen Wandel scheinen.

Microsoft stellt den Spaß dagegen. "Make the world a better place - but not this time!" heißt das Motto eines kreativen Hackathon am Samstag. Man sei gelangweilt vom Mainstream, der die nächste Geschäftsidee hervorbringen soll. Statt die Welt mit Big Data, Machine Learning oder IoT retten zu wollen, sollen junge Entwickler einen Tag lang Spaß haben und kreativ sein. Das sind ja mal ganz neue Töne von Microsoft, die sonst eher davon sprechen, wie produktiv die eigene Software so macht. Sehr viel dröger geht es da in Wien auf dem SQLSaturday zu, einem kostenlosen Training für Microsofts Datenplattform. Kurioserweise findet der Event bereits am Freitag statt. Nein, kein Witz über Geschwindigkeit.

Nach der Sondierung ist vor den Koalitionsverhandlungen, zumindest wenn der "Außerordentliche SPD-Bundesparteitag zur Beratung der Aufnahme von weiteren Verhandlungen zur Regierungsbildung" am Sonntag in Bonn selbiges beschließt. Anträge sind bis Donnerstag einzureichen. Aber bis dahin kann noch viel passieren. In Deutschland ist die Bereitschaft, nicht zu regieren, gerade sehr ausgeprägt. (vowe)