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.net-Registry: And the winner is ... VeriSign! [Update]

Eine große Überraschung war es eigentlich nicht mehr: VeriSign hat das Rennen um den weiteren Betrieb der Registry für die Top Level Domain (TLD) .net gemacht. Sabine Dolderer, Chefin der .de-Registry DeNIC, bestätigte gegenüber heise online die Entscheidung der ICANN. Die Internet Corporation for Assigned Names and Number hatte es dagegen erst einmal nicht so eilig mit einer Mitteilung über den Beschluss.

Von den anderen vier Bewerbern für die .net-Registry hatte nach dem ersten Prüfbericht von Telcordia Technologies über die .net-Bewerbungen kaum noch jemand gehofft, den erstplatzierten Ex-Monopolisten für .com- und .net-Domains schlagen zu können. Allenfalls Neulevel, das gemeinsam mit der japanischen Länderdomain-Registry als Sentan angetreten war, witterte als haarscharf hinter VeriSign platzierter Zweiter seine Chance. Bis zuletzt hatte Sentan daher auch darauf bestanden, dass ICANN auch übergreifendere Wettbewerbsfragen hätte berücksichtigen müssen, als dies im Telcordia-Bericht über die .net-Bewerber geschehen sei. Damit, so wohl die Hoffnung, hätte der knappe Vorsprung von VeriSign aufgewogen werden können.

In dem nach den Klagen der Bewerber von Telcordia korrigierten Bericht wurde Sentan etwas schlechter bewertet. Groß war der Abstand aber nach wie vor nicht. Auch unter den Direktoren war die Meinung über die Auswahl so umstritten, dass in einer ersten Abstimmung vor einer Woche nur fünf Direktoren für VeriSign stimmten, vier Direktoren enthielten sich zwei stimmten mit einem klaren Nein. Da in dieser Sitzung allerdings vier Direktoren fehlten, wurde die Entscheidung nochmals vertagt. Über die neuen Abstimmungsverhältnisse ist noch nichts bekannt.

DeNIC-Chefin Sabine Dolderer, die durch Hinweise auf klare Fehlbeurteilungen im Telcordia-Bericht ihre Bewerbung noch auf Platz drei bringen konnte, hatte bereits vor der heutigen Entscheidung den pragmatischen Schlussstrich unter die eigene Bewerbung gezogen. Sie mahnt allerdings: "Die Marktmacht von VeriSign sollte vielleicht doch bedenklich stimmen, vor allem angesichts der Tatsache, dass VeriSign inzwischen auch noch Registry für weltweit verwendete EPC-Produktcodes bei RFID-Tags ist."

Genau vor solchen Überlegungen haben sich ICANNs Direktoren aber offensichtlich gedrückt. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Waren es etwa Bedenken von Seiten ICANNs, dass man eine Übergabe in so kurzer Zeit gar nicht mehr hätte bewältigen können? Sofort nach dem Telcordia-Bericht hatte man mit VeriSign verhandelt. Die Frist für einen neuen Vertrag läuft immerhin in gut drei Wochen ab. Oder waren es Bedenken, dass VeriSign ICANN erneut mit einer Klage überziehen würde?

Die Benennung von Telcordia scheint zumindest denjenigen Kritikern recht zu geben, die eine gewisse US-Lastigkeit der ICANN-Entscheidungen bemängeln. So könnte die Entscheidung für VeriSign international gesehen ICANN durchaus schaden, immerhin steht die Organisation wegen ihrer Nähe zur US-Regierung schwer in der Kritik beim Weltgipfel der Informationsgesellschaft. Immerhin eines hat man sich allerding vom Leib gehalten: komplizierte Übergabemodalitäten.

[Update]:
Mittlerweile hat auch die ICANN eine Mitteilung über die erneute Vergabe der .net-Registry an VeriSign herausgegeben. Das ICANN-Board habe bei dieser Entscheidung sowohl den Bewerbungsprozess als auch den Prüfbericht von Telcorida sowie Kommentare aus der Internet-Community und die Bedingungen des neuen Vertrags in Betracht gezogen, hieß es bei der Internet-Verwaltung recht lapidar. Der neue Vertrag übergibt die .net-Registry für weitere sechs Jahre an VeriSign. (Monika Ermert) / (Monika Ermert) / (jk)

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