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p≡p-Entwickler: Die Krypto-Community braucht den Mail-Client Thunderbird

"Thunderbird braucht neue Flügel": Die Mozilla Foundation und die p≡p Foundation haben bereits eine Finanzierung für die Fortführung von Thunderbird ausgetüftelt, doch der Thunderbird Council hat sich aus den Verhandlungen zurückgezogen.

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Seitdem Mozilla-Chefin Mitchell Baker sich dafür ausgesprochen hat, den Mail-Client Thunderbird auszugliedern, wird über die Zukunft von Thunderbird gerätselt. Zuvor schon wurde zwischen dem Thunderbird Council, der Mozilla Foundation und der p≡p Foundation (die eine für alle Nutzer einfach zu bewältigende Mail-Verschlüsselung etablieren will) über die Fortführung des Mail-Clients verhandelt. Die beiden Stiftungen erarbeiteten einen Modus, wie die Kosten für die Thunderbird-Entwicklung zunächst geteilt werden können, bis sie komplett von der p≡p Foundation übernommen werden.

Das Thunderbird Council unter Leitung von Kent James befürchtet aber offenbar die Dominanz der Krypto-Community und hat sich aus den Vertragsverhandlungen zurückgezogen. Angesichts Thunderbirds Bedeutung für die p≡p-Entwicklung ist es in dieser Situation denkbar, dass ein Fork entsteht.

Der von der p≡p Foundation angebotenen finanziellen Hilfe bei der Fortführung von Thunderbird wird offenbar misstraut. Volker Birk, Chefentwickler des von der Foundation getragenen p≡p-Projektes, erklärte, Thunderbird sei in Gefahr zu verbluten und müsse gerettet werden. Als Mail-Client sei Thunderbird für die Krypto-Community einfach unverzichtbar. "Unser gemeinsames Ziel ist es, die Thunderbird-Entwicklung zu konsolidieren und sicherzustellen, dass Thunderbird nachhaltig finanziell abgesichert wird und gleichzeitig so autonom wie möglich langfristig weiter entwickelt werden kann." Auch digitalcourage, der deutsche Verein für digitale Bürgerrechte, unterstützt das p≡p-Projekt bei dem Vorhaben: "Thunderbird braucht neue Flügel", meinen die Bürgerrechtler.

Nach Birks Darstellung hat die dem Kryptoprojekt übergeordnete p≡p Foundation in langwierigen Verhandlungen mit Investoren die finanziellen Mittel aufgebracht, um die Zukunft des Mail-User-Agents zu sichern. Programmiertechnisch müsse sich Thunderbird aus der Verzahnung mit dem Mozilla-Projekt mit der gebotenen finanziellen Unterstützung lösen können.

Vor dem Hintergrund, dass Mozilla derzeit ständig Marktanteile verliert, weil der Browser-Markt immer mehr von Smartphone-Apps dominiert wird, muss sich Mozilla um den mobilen Markt kümmern. Die Ausgliederung von Thunderbird ist deshalb ein logischer Schritt. Gleichzeitig ist Thunderbird mitsamt Enigmail und p≡p ein Hebel, Endkunden eine einfach zu bedienende Mail-Verschlüsselung auf vielen Betriebssystemen anzubieten. (anw)