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re:publica 15: 3D-Drucker für Krisengebiete

Kernaufgabe der Krisenhilfe ist: Die richtigen Hilfsgüter müssen an den richtigen Ort. Die Hilfsorganisation Field Ready wirbt dafür, sie direkt vor Ort auszudrucken und sucht die Unterstützung der Maker-Community.

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re:publica 15: 3D-Drucker für Krisengebiete

Andrew Lamb berichtet von den ersten Versuchen mit 3D-Druckern in Krisengebieten.

(Bild: heise online / Torsten Kleinz)

Manchmal haben Kleinteile erstaunliche Wirkung. Kurz nach der Geburt sind zum Beispiel Nabelklemmen wichtig, um zu verhindern, dass Neugeborene durch die Nabelschnur mit Krankheitserregern infiziert wird. Doch gerade in Krisenregionen fehlen die Kunststoffteile häufig, so dass sich Hebammen mit Schnürsenkeln oder gar Haarklammern behelfen – vermeidbare Infektionen sind die Folge. Die Hilfsorganisation hat einen eigenwilligen Weg gewählt, um solchen Mangel zu beheben: Sie flog einen 3D-Drucker nach Haiti ein, um die Kleinteile direkt vor Ort herzustellen. Auf der re:publica in Berlin stellte Andrew Lamb die ersten Erfahrungen von Field Ready vor.

Der Einsatz der jungen Hilfsorganisation in Haiti ist ein erstes Experiment. Field Ready will das Potenzial der Maker-Bewegung für Kriseneinsätze nutzen. Ein Vorbild sind die Crisis Mapper von OpenStreetmap, die zum Beispiel nach dem Erdbeben in Nepal gemeinsam aufgrund von aktuellen Satellitenaufnahmen Zerstörungen dokumentieren und vor allem die Verkehrswege kartografieren, die für den Transport von Hilfsgütern zur Verfügung stehen.

Der Transport von Hilfsgütern scheitert oft nicht nur an Verkehrswegen, sondern auch an organisatorischen Schwierigkeiten. So blieben bestimmte Güter an Flugplätzen und in Zolllagern liegen, erläuterte Lamb in Berlin. Die Nabelklemmen gelangten zum Beispiel nur an die Krankenhäuser in Haiti, wenn sie ein Mitglied einer Hilfsorganisation sie im im persönlichen Gepäck mitbringe. Zudem soll die Technik den Nachschub verbilligen: 50 bis 80 Prozent des Einkommens von Hilfsorganisationen werde für die Logistik ausgegeben. Und oft wüssten nicht einmal die Helfer vor Ort, welche Hilfsgüter nützlich sein könnten.

Doch die schöne neue Welt, bei der man wie im Raumschiff Enterprise alle Hilfsgüter mit einem Replikator bereitstellen kann, ist noch weit entfernt. So hatten die Experten Probleme, ein Bauteil zu reproduzieren, das zur Vermischung von Sauerstoff dienen sollte – auch nach mehreren Versuchen blieb der 3D-gedruckte Kunststoff undicht. Zudem gibt es Probleme, 3D-Drucker in klimatisch ungünstigen Gegenden oder bei unzuverlässiger Stromversorgung zu betreiben.

Ein wichtiger Teil des Konzepts von Field Ready ist das Betreibermodell: Die Einheimischen selbst sollen die eingeflogenen Makerspaces nutzen. Doch noch macht die Ausbildung der Einheimischen Probleme. So sei es besonders schwer, notwendige Qualitätskontrollen zu vermitteln, erklärte Lamb.

Ein weiterer Mangel ist der an 3D-Modellen, die im Kriseneinsatz nützlich sein könnten. So habe Field Ready auf Thingiverse zwar das Modell einer rudimentären künstlichen Hand gefunden, die Patienten in Krankenhäusern ermöglicht habe, zumindest ein Glas oder eine Essensschale zu halten ohne auf Hilfe angewiesen zu sein. Noch sind solche Beispiele aber selten. Über eine LinkedIn-Gruppe sucht die Organisation nun den Austausch mit weiteren "humanitarian makers". (anw)

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