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re:publica: Beobachtungsplattform Algorithm Watch ist online

Algorithm Watch will "Prozesse algorithmischer Entscheidungsfindung" unter die Lupe nehmen. Die Plattform wurde nun auf der re:publica in Berlin vorgestellt.

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re:publica:

vlnr: Katharina Zweig, Matthias Spielkamp und Lorena Jaume-Palasi freuen sich über den Start der neuen Beobachtungsplattform

(Bild: heise online / Detlef Borchers)

Informatiker, Journalisten und Philosophen haben auf der re:publica die Beobachtungsplattform Algorithm Watch vorgestellt. Sie soll Algorithmen untersuchen, die beim algorithmic decision making (ADM) eingesetzt werden. Ähnlich wie Foodwatch will Algorithm Watch "Regulierungsstrategien" entwickeln und dafür sorgen, dass technische Prozesse nicht gegen Bürgerrechte verstoßen. Gesellschaftlich relevante Technik wie der Einsatz von Predictive Analytics bei der Polizei oder die automatisierte Vorprüfung von Visumanträgen sollen unter die Lupe genommen werden.

In einem Manifest zur Plattform heißt es: "Algorithmische Entscheidungsprozesse sind niemals neutral. Die Schöpfer von ADM-Prozessen sind verantwortlich für ihre Resultate. ADM-Prozesse werden nicht nur von ihren Entwicklern erschaffen. ADM-Prozesse müssen nachvollziehbar sein, damit sie demokratischer Kontrolle unterworfen werden können. Demokratische Gesellschaften haben die Pflicht, diese Nachvollziehbarkeit herzustellen."

Arte-Moderatorin Carolyn Höfchen zitierte Justizminister Heiko Maas, der Ende vorigen Jahres einen "Algorithmen-TÜV" gefordert hatte, der die Lauterkeit der Programmierung gewährleist und sicherstellt, "dass unsere Handlungs- und Entscheidungsfreiheit nicht manipuliert wird". Prompt protestierte die Informatikerin Juliane Jarke von der Universität Oldenburg, dass mit der "Lauterkeit der Programmierung" ihre Zunft unter einen schweren Vorverdacht gestellt werde, böswillig Algorithmen zu produzieren.

Dass ADM-Prozesse den Blick derjenigen entzogen seien, die von ihnen betroffen sind, sei kein Naturgesetz, meinen die Plattform-Gründer. Dabei sollen Algorithmen nicht verteufelt werden. So erzählte die "Algorithmikerin" Katharina Zweig von der TU Kaiserslautern, wie sie einen Algorithmus zur Bewertung von Spielfilmen entwickelt hat, der auch für die Krebsdiagnose erfolgreich eingesetzt sind.

Neben Katharina Zweig gehört die Rechtsphilosophin Lorena Jaume-Palasi, der Datenjournalist Lorenz Matzat und der Journalist Matthias Spielkamp von iRights.info zu den Gründern von Algorithm Watch. Auf der Plattform soll zunächst ein Blog starten, in dem Artikel zur Problematik von ADM veröffentlicht werden sollen, etwa zur Frage, ob Google im US-amerikanischen Wahlkampf die Demokraten oder Republikaner im Ranking bevorzugt. (Detlef Borchers) / (anw)

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