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re:publica: Buchautoren ohne Verlage?

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Brauchen Buchautoren noch einen Verlag? Spätestens seit dem Millionen-Erfolg von Fantasy-Autorin Amanda Hocking ist "Self Publishing" in aller Munde. Doch obwohl es technisch so einfach ist wie noch nie, Bücher zu veröffentlichen, zogen Autoren auf der Konferenz re:publica in Berlin eine sehr gemischte Bilanz.

Das Buch ist zwar noch nicht tot, aber der finanzielle Anreiz für Buchautoren ist eher gering. "Die Bäume wachsen nicht in den Himmel", schildert Verlagsberater Leander Wattig die Situation in der Branche. Selbst bekannte Autoren könnten oft nur 20.000 bis 25.000 Euro verdienen. Die Verteilung sei zudem sehr ungleich: "Die zehn Topverdiener in Deutschland bekommen 41 Prozent der Gesamteinnahmen", sagt Wattig.

Wer nicht auf Top-Einnahmen spekuliere, könne sich mit einer relativ überschaubaren Nische seinen Lebensunterhalt verdienen: "Man kann über die Runden kommen, wenn man tausend echte Fans hat", erklärt Wattig. Dass es in dieser Situation naheliegt, Mittelsmänner auszuschließen und Bücher auf Plattformen wie Amazons Kindle Store selbst zu vermarkten, liegt nahe.

Doch der Weg dahin ist nicht einfach, wie Wolfgang Tischer, Gründer der Autorenplattform literaturcafe.de erklärte: "Wenn man plötzlich seine eigenen Bücher verkauft, fangen die Fragen an, die man mit seinem Steuerberater besprechen sollte." Zudem müssen die Selbstverleger viele Regularien einhalten. Due Buchpreisbindung hindert sie zum Beispiel daran, einen Titel auf verschiedenen Plattformen auch zu unterschiedlichen Preisen anzubieten.

Bei Amazon bleiben dem Autor 70 Prozent des Verkaufspreises. Dafür übernimmt die Plattform viele sonst von klassischen Verlagen erledigte Aufgaben nicht. So müssen die Autoren ihr Werk selbst mit einer Amazon-Software erstellen und selbst für ein Lektorat sorgen. Doch dieser Weg ist nicht für jeden geeignet: "Viele gehen da auch ziemlich naiv heran", betonte Tischler.

Verleger Sebastian Posth dämpfte die Erwartungen an den E-Book-Markt: "Ein Autor, der 2500 Exemplare über Apple und Amazon verkauft, würde sehr viel mehr Exemplare absetzen, wenn er auch gedruckte Bücher vertreibt." Da diese im Handel meist mehr als 10 Euro kosteten, sei der Verdienst trotz geringer Provisionen von 10 bis 15 Prozent immer noch vergleichsweise hoch. Selbst Autoren, die im Selbstverlag große Erfolge erzielt hätten, würden sich anschließend an klasssiche Verlage wenden, um ihren Erfolg auszubauen.

"Verlage zahlen Vorschüsse, sie kümmern sich über Lizenzen, Übersetzungen und das Marketing", betonte Posth. Doch auch mit Verlagen im Rücken können die Autoren sich nicht nur auf das Schreiben beschränken. Gerade von noch nicht erfolgreichen Autoren erwarten Verlage,starken Einsatz zur Vermarktung des Buches – sei es über Lesungen, Messeauftritte oder die Pflege der eigenen Homepage.

Was das Leben für Neuautoren ohne Verlag aussieht, demonstrierte Nicole Sowade – sie trat auf der Bühne im Kostüm der Hauptfigur ihres Erstlingsromans "Miss Januar" auf – samt Schärpe und Krone. Hatten zunächst die klassischen Verlage ihr Werk abgelehnt, stieß sie auch bei der Vermarktung ihres Buchs auf ähnliche Ablehnung. "Die klassischen PR-Prozesse klappen bei E-Books noch nicht", sagte Sowade. So lehnten Literaturmagazine Besprechungen des Romans ab, der nicht auf Papier erschienen ist.

Eine andere Erfahrung hat Johnny Haeusler gemacht, der die re:publica mit ins Leben gerufen hat und im vergangenen Jahr ein Buch mit Geschichten aus seinem Blog Spreeblick veröffentlicht hatte. Der medienerfahrene Unternehmer, Autor und Musiker konnte sich nicht über mangelndes Interesse beklagen – viele Medien berichteten über sein erstes Experiment im Selbstverlag. "Aber die Inhalte des Buchs kamen in keinem Interview zur Sprache", sagte Haeusler. Trotz der insgesamt guten Erfahrungen will er sein nächstes Buch nun in einem klassischen verlag veröffentlichen. (vbr)