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re:publica: Digital für mehr Gesundheit

Gesundheit im digitalen Wandel: 3-D-Prothesen, Games für die Demenzforschung und Achtsamkeits-Apps. Die Digitalisierung bringt neue Chancen für den Gesundheitsbereich, aber auch Stress, vor dem es sich zu schützen gilt.

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(Bild: dpa, Maurizio Gambarini (Archivbild)

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Bedroht das Netz unsere geistige Gesundheit? Wie können wir uns von dem Stress, den die digitale Welt mit sich bringt, befreien? Und welche neuen Chancen und Möglichkeiten bietet die Technik im Gesundheitsbereich? Diese und weitere Fragen wurden am Mittwoch auf der Internetkonferenz re:publica diskutiert, wo unter dem Titel re:health mehr als 50 Stunden Programm zum Thema Gesundheit geboten wurden.

Auf der Konferenz wurde betont, dass das Netz gesundheitsgefährdend sein kann. Eine Veranstaltung gab es zum Thema Internet und Depression. In einer anderen Session ging es um den Umgang mit digitalem Stress. "Die Intervalle, in denen wir Nachrichten und Likes checken, werden immer kürzer", sagte Autor Jan Lenarz. "Wir sind süchtig nach Benachrichtigungen und haben verlernt, auf unsere Emotionen zu hören." Schließlich würden Glückshormone freigesetzt, wenn neue Nachrichten auf dem Smartphone aufleuchteten. "Wir müssen lernen, unseren Social-Media-Konsum wieder zu genießen", ergänzte die junge Unternehmerin Milena Glimbovski. Bewusste Online-Zeiten seien ein erster Schritt. "Meine Lieblings-App ist die Facebook Nanny, die mich erinnert, wenn ich zu lange auf Facebook unterwegs bin."

Dass technische Innovationen wie 3D-Druck neue Möglichkeiten im Gesundheits-Bereich bringen, zeigte derweil Paralympics-Radsportlerin Denise Schindler. Die 30-Jährige, deren Unterschenkel amputiert werden musste, entwickelt gemeinsam mit ihrem Sponsor eine 3D-Prothese.

Neue Erkenntnisse für die Alzheimer-Forschung erhoffen sich Wissenschaftler von dem mobilen Game Sea Hero Quest. Das auf iOS- und Android-Geräten kostenlose Spiel soll der Wissenschaft wichtige anonymisierte Daten liefern. "Dieses Projekt bietet erstmals die Chance, zu untersuchen, wie sich Tausende von Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen räumlich orientieren. Es hilft, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie wir unser Gehirn beim Navigieren nutzen", erklärte Hugo Spiers vom University College in London. Die Daten lieferten Erkenntnisse für die Diagnostik und die Arzneimitteltherapie. Demnach liegen den Wissenschaftlern zwar Daten von Erkrankten, aber kaum Vergleichswerte von gesunden Menschen vor. Durch Sea Hero Quest könnten 100.000 Spieler in zwei Minuten Daten generieren, die sonst viele Jahre klinischer Forschung beansprucht hätten.

Eine der erfolgreichsten Gesundheits-Apps in den USA kommt von einem Berliner Start-up: Clue ist eine in elf Sprachen verfügbare App, mit deren Hilfe Frauen ihren Zyklus beobachten können. Mehr als vier Millionen Nutzerinnen haben die Anwendung heruntergeladen, über die sie anonym Angaben zu ihrer Menstruation, zu Schmerzen oder ihrer Stimmung machen können. Auch in Entwicklungsländern ermögliche die App Frauen, ihre Familienplanung besser zu steuern, erklärte Mitgründerin Ida Tin: "Schließlich haben mehr Frauen Zugang zu Smartphones als zu Beratungsstellen". Sie betonte aber auch, dass die App auf Unregelmäßigkeiten aufmerksam machen, aber keinen Arztbesuch ersetzen könne. (sea)