Menü

re:publica: Geld verdienen mit Blogs bleibt hartes Geschäft

Einzelne "Alpha-Blogger" vermarkten ihre Online-Journale zwar hierzulande inzwischen recht erfolgreich in Eigenregie. Doch für den Großteil der Schreiber bleiben nur Hungereinnahmen über Google Ads oder Produkttests. Dies zeigte sich auf der Medienkonferenz re:publica am heutigen Donnerstag in Berlin, wo sich insgesamt Ernüchterung nach der Euphorie im vergangenen Jahr breit macht. Die im Motto der Tagung beschworene "kritische Masse" hat sich zumindest in der Kategorie der echten Blogverdiener hierzulande bislang noch nicht herauskristallisiert.

Ausnahmen bestätigen die Regel: "Ich verdiene rund 3500 Euro im Monat", legte Viel- und Erfolgsblogger Robert Basic frank und frei die erzielten Einnahmen mit seinem Journal Basic Thinking offen, mit dem er die "deutschen Blogcharts" seit langem anführt. Anfangs habe er trotz vergleichsweise hoher Besucherzahlen mit Googles Adsense "nur rund 200 US-Dollar" monatlich gemacht. Doch dann habe er seine Werbeflächen eigenhändig zu vermarkten begonnen. "Kunden wie Microsoft haben sich von selbst gemeldet", freute sich Basic. "Die haben anscheinend zu viel Geld." Obwohl sein Fall ein Selbstläufer war, empfahl er Bloggerkollegen "unabhängig vom Traffic-Niveau", am besten zum Telefonhörer zu greifen und seines eigenen Werbeglückes Schmied zu werden. Es sei zwecklos zu warten, bis jemand auf einen zukomme und von sich aus Anzeigen schalten wolle.

Wem Verkaufsgespräche nicht liegen, kann auf "Weblog-Werbefinanzierungsnetzwerke" wie Trigami zurückgreifen. Kern der Schweizer Plattform ist es, für Firmenkunden Feedback und Tests von Produkten mithilfe interessierter Blogger durchzuführen. Die erhalten dann etwa ein Paar neue Socken, über die sie sich auslassen können. Je nach Reichweite der Blogs, in denen die Erfahrungen mit den Waren dann auftauchen, werden bis zu 150 Euro gutgeschrieben.

Natürlich fließe das Geld auch bei einer negativen Bewertung, versicherte Trigami-Geschäftsführer Remo Uherek: "Die Kunden zahlen per Vorauskasse", die Summen würden an alle teilnehmenden Blogger verteilt. Zugleich müssten die Begutachter offen legen, dass sie sich an einer kommerziellen Aktion beteiligen. "Wir akquirieren Mikro-Reichweiten", umschrieb Uherek das Prinzip, vor allem kleinere Blogs an den "bezahlten Reviews" zu beteiligen. "Wir sehen uns eher als 'Long Tail'-Vermarkter", der eine Vielzahl von Autoren zu einer kritischen Masse zusammenführt."

Ebenfalls als Vermarktungsnetzwerk trat im vergangenen Jahr die Unternehmung adical an. Werber Sascha Lobo ließ auch nach den gemischten Erfahrungen der ersten zwölf Monate keinen Zweifel an der Notwendigkeit des Zusammenschlusses von derzeit rund 30 Weblogs. Adical sei von den Machern des Spreeblick-Journals gegründet worden, "weil es eine solche Firma geben muss". Es brauche einen gebündelten Ansprechpartner für klassische Media-Agenturen, um Werbegelder für qualitativ hochwertige Blogs zu akquirieren.

Nach anfänglichen Erfolgsbezeugungen war es aber rasch wieder still geworden um adical, was in der giftigen Blogger-Gerüchteküche hierzulande rasch Spekulationen über mangelnde Werbebuchungen und einen Flop des Vorhabens auslöste. Lobo legte auf der Konferenz nun konkrete Zahlen auf den Tisch: "2007 haben wir eine Viertel Million Euro Umsatz gemacht. Wir haben eine ganze Menge Geld an die Blogger ausgezahlt." Der als Währung im Werbemarkt gehandelte Tausenderkontaktpreis habe im mittleren zweistelligen Bereich gelegen. Angeschlossene Plattformen hätten so für 1000 vermittelte Anzeigenbetrachtungen "zwischen 10 und 99 Euro" bekommen.

Lobo räumte aber ein, dass noch "viel Feinjustierung" nötig sei. "Wir können noch nicht genaue Antworten geben, wen wir mit den Anzeigen erreichen", schilderte er ein Manko. Dies sei aber wichtig, da Werbekunden verstärkt etwa gezielt 35-Jährige ansprechen wollten, "die gern Sauerkraut essen". Persönlich habe er "viel Herzblut" in die Sache gesteckt, könne aber in der Regel nicht mehr als einen Tag in der Woche für adical verwenden. Schließlich habe er selbst bislang aus dem Projekt nicht viel mehr als die Reisekosten für die Vorstellung der Funktionsweise bei "20 bis 30 Agenturen" rausbekommen.

Blogger Don Dahlmann stärkte Lobo den Rücken und freute sich, zumindest im vergangenen Jahr insgesamt 400 Euro mit adical verdient zu haben. Direkte Einnahmen erziele er über sein privates Online-Journal aber insgesamt nach wie vor "relativ wenige", viel mehr durch darüber laufende Anfragen für Veröffentlichungen in den traditionellen Medien oder Blogs für die Online-Auftritte von Zeitungen. Es sei "extrem schwierig", mit dem Bloggen sein Auskommen zu bestreiten. Er suche etwa seit längerem einen Vermarkter für ein zielgruppenspezifisches und mono-thematisches Online-Journal, habe aber bislang keinen gefunden.

Zur re:publica 2008 siehe auch:

(Stefan Krempl) / (Stefan Krempl) / (pmz)

Anzeige
Zur Startseite
Anzeige