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re:publica: Internet-Ziegel für Afrika

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Während in Deutschland über Netzneutralität diskutiert wird, stehen Aktivisten und Unternehmer in Entwicklungsländern vor dem Problem, überhaupt ins Internet zu kommen. Auf der Berliner Konferenz re:publica 13 stellte der Unternehmer Erik Hersman ein neues Projekt vor: BRCK soll Aktivisten und Unternehmern gerade in Afrika und Asien eine zuverlässige Internetanbindung garantieren – selbst wenn Strom- und Festnetz-Verbindung versagen.

"Afrika leidet nicht darunter, dass es dort zu wenig Landwirtschaft gibt", erklärte der in Kenia lebende Blogger in seiner Keynote "Im Gegenteil: Afrika ist arm, weil es dort zu wenig Industrie gibt". Deshalb kümmern sich Hersman und seine Mitstreiter darum, die Basis für eine neue Industrien zu schaffen. Dazu gehört zum Beispiel der Inkubator iHub, der jungen Unternehmern die Möglichkeit geben soll, ihre Ideen zu verwirklichen. Neben der Finanzierung der Projekte gehört dazu auch eine verlässliche Infrastruktur.

Doch die Entwicklungsarbeit an IT-Projekten steht still, wenn der Strom regelmäßig ausfällt oder die Provider keine verlässliche beziehungsweise einigermaßen schnelle Internetverbindung liefern können. An dieser Stelle soll ein neues Gerät unter dem Namen "BRCK" die Arbeit vereinfachen: Das ungefähr Ziegelstein-große Gerät dient einerseits als Router für Arbeitsgruppen von bis zu 20 Teilnehmern, gleichzeitig kann es auf mehrere Arten die Verbindung zum Internet herstellen – entweder per LAN-Anschluss, über WLAN oder eine Mobilverbindung. Fällt eine Verbindung aus, schaltet BRCK auf die andere. Um Stromausfälle zu überbrücken, wurde ein Akku integriert, der den Internet-Ziegel acht Stunden lang unabhängig vom Stromnetz online halten kann. Durch die einfache Mobilverbindung und flexiblen APIs soll das Gerät auch für Nutzer in entwickelten Ländern attraktiv sein, wenn sie mobil online gehen wollen.

Bisher liegt das Gerät als Prototyp vor. Mit einer Kickstarter-Kampagne versucht die Non-Profit-Plattform Ushahidi das Geld für eine erste Serienproduktion aufzutreiben. Die Macher hatten mit ihrer Crowdmap-Plattform Ushahidi in der Vergangenheit internationales Ansehen erworben. Das Gerät soll zunächst 200 Dollar kosten, Hersman hofft den Preis in den nächsten Generationen auf 100 Dollar drücken zu können.

"Neue Produkte herzustellen ist schwer – und es ist noch schwerer, wenn man in Afrika ist", sagte Hersman in Berlin. Neben den hohen Kosten für Rohstoffe fehlten viele Infrastrukturen, die in Europa und Amerika als selbstverständlich hingenommen würden. So gibt es in ganz Afrika nach Hersmans Zählung gerade einmal neun Fab Labs, in denen individuelle Komponenten hergestellt werden können. Doch selbst die am besten finanzierten Makerspaces könnten nicht die Standards bieten, die für eine hochqualitative Produktion notwendig sind. Aus diesem Grund arbeitet Hersmans Inkubator iHub an einem neuen Makerspace namens "Gearbox" in Nairobi, der es zumindest ermöglichen soll, Prototypen und erste Kleinserien herstellen zu können. Die Serienproduktion wird das Projekt jedoch nicht in Afrika selbst organisieren können, erklärte Hersman gegenüber heise online. (anw)