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re:publica 2018: Keine Bühne für "vergiftende Ideologien", Bundeswehr bleibt draußen

Wer Menschenrechte in Frage stelle oder historische Fakten umdeute, werde bei der re:publica 2018 einen schweren Stand haben, kündigten die Veranstalter in Berlin an. Die Bundeswehr muss draußen bleiben.

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re:publica: Keine Bühne für "vergiftende Ideologien"

(Bild: Stefan Krempl/heise online)

Die re:publica will dieses Jahr in der Mitte der Gesellschaft ankommen, "mainstreamiger" und internationaler, aber auch politischer werden. Dies kündigten die Macher zum Auftakt der "größten Konferenz zu den Themen Internet und digitale Gesellschaft in Europa" am Mittwoch in Berlin an. "Wir werden nicht vergiftenden Ideologien eine Bühne bieten", stellte Johnny Haeusler vom Spreeblick-Verlag klar. Die rote Linie verlaufe da, wo "Menschenrechte in Frage gestellt oder historische Fakten umgedeutet" würden.

Das digitale Klassentreffen, das die Gründer der Blogs Netzpolitik.org und Spreeblick sowie der Online-Firma Newthinking Communications 2007 ins Leben gerufen hatten, soll laut Haeusler vor allem Diskursräume bieten, in denen auch Fehler, Schwächen und Rückfragen möglich sind. Online-Debatten seien oft von "Binarisierung" gekennzeichnet, also nur von "dafür" oder "dagegen". Zwischentöne seien da nicht mehr möglich. Haeusler betonte: "Das spaltet uns, das ist schädlich." Respekt und Menschlichkeit dürften nicht zur Debatte stehen.

"Die Bundeswehr wollte uns hacken", konstatierte der Mitveranstalter. Das Organisationsteam lasse aber nicht zu, "dass hier rekrutiert wird". Auch wenn sich die Streitkräfte nun auf der Straße vor dem Veranstaltungsgelände an der Station-Berlin präsentierten, dürfe diese Aktion nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie "nicht eingeladen" worden seien. Die Ansage, dass zum Bund auch grün gehöre, reiche nicht aus für eine Teilnahme: "Wir haben hier schon genug grün." Vor einigen Jahren durften Militärvertreter dagegen noch auf der parallelen Media Convention Berlin (MCB) auftreten, die dieses Jahr zum fünften Mal gemeinsam mit der re:publica durchgeführt wird.

Mit dem diesjährigen Motto "Pop" ("Power of People") soll das dreitägige Konferenzduo in den Mainstream der digitalen Popkultur eintauchen, um diesen nicht nur besser zu verstehen, sondern zugleich auch die Diversität und Fülle des Netzes populärer zu machen. Dazu gehört die kritische Auseinandersetzung mit Themen wie Populismus und "Fake News", die ein oder andere Filterblase soll dabei platzen. So sind in diesem Jahr zahlreiche "Greenscreens" verteilt über das weitläufige Gelände "als individuelle Projektionsflächen" für die Social-Media-Aktivitäten der Besucher angeboten werden. Mit den darüber produzierbaren "Fakes" wollen die Veranstalter auch "auf die gefährlichen Möglichkeiten hinweisen, die das Netz Populisten bietet".

Der offizielle Programmteil ist gut gefüllt mit über 300 Sitzungen, die mit 300 Sprechern wie US-Whistleblowerin Chelsea Manning über 20 Bühnen gehen sollen. Die Frauenquote bei den Referenten liegt bei 48 Prozent. Als Vertreterinnen der Bundesregierung sind Justizministerin Katarina Barley (SPD) und Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) dabei, Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) mischt in der Agenda nicht mit.

Eine inhaltlichen Schwerpunkt werde der Aspekt darstellen, "wie wir mit Künstlicher Intelligenz, mit Entscheidungssystemen umgehen", erklärte Markus Beckedahl von Netzpolitik.org. "Welche Daten gebe ich aus der Hand? Wer entscheidet eigentlich, was ich im Internet zu sehen bekomme?", lauteten einige der behandelten Fragen, ergänzte Anja Zimmer von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb). Angesprochen werden müssten dabei Themen wie Transparenz, Alternativen, Regulierung und die Verantwortung der Internetkonzerne.

Von einigen der Podien sind wieder Live-Streams angekündigt für alle, die es nicht in den ehemaligen Packbahnhof in Kreuzberg schaffen. Vor Ort erwarten die Veranstalter erneut rund 9000 Teilnehmer aus mehr als 70 Ländern. Am Samstag haben sie erstmals auch das ganz breite Publikum zum "Netzfest" im angrenzenden Park am Gleisdreieck geladen. Auf dem kostenfreien Festival soll die ganze Familien sich wortwörtlich "netzfest" machen können. Dabei vertreten sein wird unter anderem die Berliner Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk mit Schwerpunkten zum Melderegister und der neuen EU-Datenschutzverordnung. (Stefan Krempl) / (axk)

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