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re:publica: Netzfestival zwischen Fakten und Fake, Haltung und Hass

Der Zeitplan für die Internetkonferenz re:publica steht und verspricht ein dichtes Programm rund um Techniktrends, Netzpolitik und Aufreger aus der Online- und Medienkultur. Die Revolution wird erneut vertagt, darf aber ihre Kinder dissen.

re:publica: Netzfestival zwischen Fakten und Fake, Haltung und Hass

(Bild: fertig design, #rp18 key visual, Creative Commons CC BY-SA 2.0)

Auch in diesem Jahr wollen die re:publica und die parallele Media Convention Berlin (MCB) wieder den großen Bogen spannen von aktuellen medienpolitischen Debatten etwa zur Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks über Technologien wie Blockchain oder Künstliche Intelligenz (KI) bis hin zu netzpolitischen Dauerbrennern wie Datenschutz, Informationsfreiheit oder Netzneutralität. Dies geht aus der jetzt fertigen Programmübersicht und dem Zeitplan für die beiden Internet- und Medienkonferenzen hervor, die zwischen dem 2. und 4. Mai über 400 Vorträge, Paneldiskussionen und Aktionstreffen auflisten.

Das Programmteam hat nach eigenen Angaben aus über 1050 Einreichungen für Beiträge ein inhaltlich reiches Angebot erstellt, das Netzkulturen beleuchten, gesellschaftliche Veränderungen hinterfragen und die Teilnehmer dazu inspirieren soll, "Wissen und Eindrücke miteinander zu teilen". Organisationen wie der Bundeswehr wollen die Macher dieses Jahr keine Bühne überlassen, weil sich das wohl mit dem Mainstream-Motto "Pop" gerieben hätte. Dafür darf dieses Jahr wieder Internet-Erklärbär Sascha Lobo am Abend des Eröffnungstags nicht fehlen und diesmal darüber aufklären, "wie das Internet uns lehrte zu kämpfen. Und wofür".

Die Macher*innen der re:publica (v.l.n.r.): Andreas Gebhard und Markus Beckedahl (hintere Reihe), Johnny Haeusler, Tanja Haeusler, , Anja Zimmer und Helge Jürgens (vordere Reihe)

(Bild: re:publica)

Als Stargast ist schon mittags die Whistleblowerin Chelsea Manning angekündigt, die am virtuellen Kaminfeuer aus ihren vielen Nähkästchen plaudern soll. Die eigentliche Eröffnungsrede hat die US-Medienwissenschaftlerin Danah Boyd übernommen; sie spricht über "algorithmische Voreingenommenheit" und "kontradiktorisches maschinelles Lernen". Parallel wird in einem Panel erörtert, ob "die Revolution ihre Kinder disst" und ob die Achtundsechziger, Medienrevolte, Populismus und das (rechte) Netz zusammengehören könnten. Später stehen TV-Moderatorin Dunja Hayali und Co. auf einem Podium "zwischen Fakten, Fake, Haltung und Hate", nachdem das Publikum wissenschaftliche Einblicke in "die große Gereiztheit der vernetzten Welt" erhalten hat.

ZDF-Intendant Thomas Bellut stellt sich der Frage, wie Journalismus in der digitalen Zukunft aussehen sollte und ob der von ihm geführte Sender überhaupt noch gebraucht wird. ProSiebenSat.1-Vorstand Conrad Albert und rbb-Chefin Patricia Schlesinger diskutieren die Herausforderungen für lineare Rundfunkveranstalter durch Streamingdienste von Facebook, Google oder Netflix. Ob derlei Plattformen schärfer reguliert werden müssen, um die Medienvielfalt und die digitale Öffentlichkeit zu erhalten, will Heike Raab aus der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz verraten.

Der fernseherfahrene Wissenschaftler Ranga Yogeshwar erkundet die Verbindungen zwischen Mensch und Maschine und wer dabei wen programmiert. Debattiert werden soll etwa auch die Zukunft der Arbeit, der Bedarf einer Frauenquote im Silicon Valley oder das Ende des Privatautos durch die Digitalisierung. Als Vertreterin der Bundesregierung ist Justizministerin Katarina Barley (SPD) am Start, die mit Vertretern von CDU, FDP und dem Chaos Computer Club über "digitale Freiheitsrechte in der neuen Legislatur" streiten wird.

Dunklere Kapitel der Technik wie Systeme biometrischer Kontrolle, der Einzug der Spyware-Industrie ins traute Heim oder inhärenter Rassismus im Transhumanismus sollen ebenfalls erhellt werden. Heise-Justiziar Jörg Heidrich wird vier Monate Netzwerkdurchsetzungsgesetz als möglichen "Anschlag auf die Meinungsfreiheit" Revue passieren lassen, Newsticker-Autor Torsten Kleinz "von Adblockern, Milliardenbetrug und der drohenden Ad-pokalypse" berichten. Am 5. Mai, einem Samstag, soll die drei bunten Tage erstmals ein öffentliches Netz- und Volksfest umsonst und draußen abrunden. (Stefan Krempl) / (jk)

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