Menü

re:publica: Online-Kampagne fordert "Recht auf Remix"

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 12 Beiträge

Die Digitale Gesellschaft hat im Umfeld der re:publica in Berlin für einen "Neustart der Urheberrechtsdebatte" plädiert. Der Lobby-Verein fordert vor allem ein Recht auf Remix und hat eine Kampagnen-Webseite freigeschaltet. Neben Informationen über die gewünschten Reformen findet sich dort eine Online-Petition, der Unterzeichner einen Link "zu ihrem ganz persönlichen Lieblings-Remix" anfügen sollen. Mit der virtuellen Sammlung wollen die Kampagnenmacher einen Beweis dafür liefern, "wie lebendig und wertvoll Remixkultur bereits heute ist".

Im Internet seien "kreative Kopien" längst Teil des kommunikativen Alltags breiter Bevölkerungsschichten geworden, ist sich die Digitale Gesellschaft bereits sicher. Das aktuelle Urheberrecht spiegele diese Realität aber nicht wider, was die "Kunst- und Meinungsfreiheit" im Netz deutlich einschränke. Es sei daher nötig, Werke verändern und das Ergebnis öffentlich zugänglich machen zu dürfen. Dies beziehe sich beispielsweise darauf, ein eigenes Handy-Video mit einer Hintergrundmusik legal anreichern zu können.

Auch soll es erlaubt sein, einen Filmtrailer oder ähnliche geschützte Werke zu verändern und das neue Werk online zu präsentieren. Wenn es Remix zum Beispiel kommerziell verwertet werde, zum Beispiel wenn es als "Musik-Mashup" über eine Online-Plattform verkauft wird, solle "angemessene Vergütung" an die Schöpfer des ursprünglichen Werks gezahlt werden.

Der Kopf hinter der Kampagne, Leonhard Dobusch, kündigte für den Herbst auch die Eröffnung eines "digitalen Remix-Museums" an. Als Kuratoren konnten laut dem Juniorprofessor an der FU Berlin unter anderem Dirk von Gehlen, Autor des Buchs "Mashup – Lob der Kopie", und die Siegener Medienhistorikerin Susanne Regener gewonnen werden. Im Bundestag hatte sich zuvor die Fraktion der Grünen mittelfristig für ein "Recht auf Remix" und eine Reform der Nutzerrechte in der EU-Urheberrechtsrichtlinie ausgesprochen.

Der Blogger Sascha Lobo hat die bisherigen Bemühungen der Netzgemeinde, politisch aktiv zu werden, derweil auf der re:publica als "Hobby-Lobbyismus" abgetan. "Ich glaube, wir haben einfach verkannt, dass Netzpolitik zu aller-allererst Politik ist und nur ein ganz klein bisschen Netz", konstatierte der Autor. Die Community verweigere sich bislang der politischen Notwendigkeit, von Fall zu Fall unterschiedliche Allianzen schmieden und gemeinsam für Themen streiten zu müssen. Nur so seien die eigenen Positionen durchzubringen.

Als unzureichend bezeichnete es Lobo, über soziale Netzwerke nur die eigene digitale Wut auszutauschen. Vielmehr sei es nötig, mit Pathos Politik zu machen und dies mit entsprechenden Aktionen den Volksvertretern vor Augen zu stellen. Auch die Netzlobby müsse sich genau überlegen, was etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel konkret überzeugen könnte. Zum Auftakt der Konferenz hatte Co-Organisator Markus Beckedahl an die CDU-Politikerin appelliert, ein Internet zweiter Klasse zu verhindern und die Netzneutralität gesetzlich zu verankern. (anw)

Anzeige
Anzeige