re:publica: Zurück zum Blog

Der Blogger Sascha Lobo hat ein Projekt vorgestellt: eine Sammlung von Skripten, die ein Wordpress-Blog zu einem Spiegel aller Aktivitäten eines Nutzers in sozialen Netzwerken machen. Er kritisierte das Verständnis von Netzpolitk bei Internet-Aktivisten.

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Auf der Berliner Konferenz re:publica hat der Blogger Sascha Lobo sein neues Projekt vorgestellt: Reclaim your digital life. Mit einer Sammlung von Skripten wird ein Wordpress-Blog damit zu einem Spiegel aller Aktivitäten eines Nutzers in sozialen Netzwerken.

"Ich glaube, den Nachfolger von Facebook hatten wir schon, bevor wir Facebook hatten", sagte Lobo in Anspielung auf Weblogs. Er hatte vorher die "Netzgemeinde" kritisiert, dass sie in den vergangenen Monaten zu wenig Aktivität gezeigt und sich lieber in Selbstbeschäftigung und lustigen Facebook-Videos verloren hätte. Mit dem neuen Projekt, für dessen technische Umsetzung Blogger Felix Schwenzel sorgt, werden die Aktivitäten eines Nutzers in Plattformen wie Twitter, Facebook oder Google+ auf dem eigenen Blog gespiegelt. "Selbst wenn Twitter tot umfällt, sind meine Tweets noch da", sagte Lobo. So erhalte der Internetnutzer wieder ein Stück Kontrolle im Netz zurück.

Das Projekt beschränkt sich jedoch nicht darauf, die eigenen Aktivitäten festzuhalten – auch die Aktivitäten aus dem digitalen Freundeskreis können erfasst und gefiltert dargestellt werden. Dazu mussten die Entwickler auf Tricks zurückgreifen – denn immer mehr soziale Netzwerke etablieren sich als "walled garden" und schalten frei verfügbare RSS-Feeds ab. Reclaim.fm integriert deshalb mehrere Skripte, die diese fehlenden RSS-Feeds von Twitter und Co über API-Schnittstellen generieren – was die Handhabung noch etwas kompliziert macht: So müssen die Nutzer Apps anmelden und Schlüssel generieren. Ziel des Reclaim-Projektes ist es, in Zukunft ein Plugin zu schaffen, das es auch dem Durchschnitts-Blogger ermöglicht, ein solches System zu nutzen.

Obwohl Netzpolitik gerne als Gesellschaftspolitik charakterisiert werde, sei ihre Bedeutung in Wirklichkeit sehr gering, sagte Lobo. "Ich glaube, es ist eins der schlimmsten Orchideenfächer, das es gibt." Doch gerade anstehende Richtungsentscheidungen auf EU-Ebene machten es nötiger als zuvor, sich durchzusetzen. Dafür sei die Netzgemeinde, die Lobo als "Hobbylobby" charakterisierte, derzeit schlecht gerüstet. Statt sich selbst als Verfechter der reinen Wahrheit zu sehen, sollten Netzpolitiker Politik machen und sich jeweils temporäre Verbündete suchen. So seien die beispielsweise Medienhäuser, die vehement für ein Leistungsschutzrecht gewesen seien, in Sachen Netzneutralität ganz auf der Seite der Blogger.

Dazu gab Lobo die Parole aus: "Was würde Merkel überzeugen?" Um dies zu erreichen, sei es nötig seine Wut über die Richtung der Politik mit Pathos zu verbinden – so könne man Mehrheiten schaffen und auch politische Gegner für einen Kurswechsel gewinnen. Die Augmented Reality – die sich zum Beispiel in den Google-Projekten Glass und Ingress zeigt – provoziere neue Ängste vor unsichtbaren Mächten, die in das Leben der Menschen eingreifen. Diesen Ängsten müsse man begegnen – ohne jedoch die Fahnen für Google zu schwenken. (anw)