Über Google, Küchenchefs, CNET und Sprechverbote

Laut Cnet-Autor Elinor Mills hätten Repräsentanten von Google beschlossen, bis Juli 2006 nicht mehr mit Reportern des Nachrichtendienstes zu sprechen.

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Von
  • Bernd Butscheit

Eigentlich schrieb Elinor Mills nur darüber, dass der Suchdienst Google auf der Suche nach neuen Küchenchefs ist, die die knurrenden Mägen der Angestellten kulinarisch beglücken sollen. Dabei äußerte sich Mills wohlwollend über die großzügigen Sozialleistungen des Internetunternehmens. Soweit, so langweilig. Der letzte Absatz seines Artikels taugt dann aber doch für einen kleinen Adrenalinschub: Google stünde nicht für einen Kommentar zur Verfügung, da man im Unternehmen beschlossen hätte, bis Juli 2006 nicht mehr mit Reportern von Cnet zu sprechen. Grund für diesen selbst auferlegten Maulkorb bei Google sei ein vorangegangener Cnet-Artikel, der ebenfalls aus Mills Feder stammt.

Mills beginnt diesen Artikel mit persönlichen Details aus dem Leben des Google-CEO Eric Schmidt. So erfährt man Details zu dessen Aktiengeschäften, einem Tanz seiner Frau mit Präsidentschaftskandidat Al Gore oder dass Schmidt begeisterter Amateur-Pilot ist. Der eigentliche Punkt seiner Auflistung ist aber, dass Mills diese Fakten alle über die Internetsuchmaschine Google recherchiert hat. Seine Google-Ergebnisse über Schmidt sind schließlich auch nicht mehr als eine anschauliche Einleitung zu seinem Artikel, der die technische und datenschutzrechtliche Problematik diskutiert, inwieweit große Suchdienste wie Google in der Lage sind, persönliche Daten systematisch zu sammeln.

Dass Google so empfindlich auf diesen Artikel reagiert haben soll, überrascht in zweierlei Hinsicht, wie Andrew Orlowski im Nachrichtendienst The Register richtig bemerkt: Schmidt selbst spreche von einem Google, "that knows more about you". Wenn nun ein Reporter diese Aussage bestätigt, sollte das bei Google eigentlich niemanden ärgern. Zum Zweiten will Mills mit seinem Artikel kein Google-spezifisches Problem erörtern; seine kritischen Ausführungen gelten genauso für die Suchmaschinen von Amazon, Microsoft oder Yahoo. Google erhält in diesem Artikel aus einem Grund die größte Beachtung, die dem Unternehmen durchaus schmeicheln sollte: Es ist der erfolgreichste Datensammler. (bbu)