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Über Obamas Amtseinführung spannt sich ein verstärktes Mobilfunknetz

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Heute um 12 Uhr Ortszeit (18 Uhr MEZ) wird Barack Obama in der US-amerikanischen Hauptstadt Washington D.C. den Amtseid des US-Präsidenten ablegen. Der deutsche Nachrichtenkanal Phoenix steigt um 16 Uhr in die Live-Übertragung ein, ARD und ZDF folgen um 17 Uhr. Die drei Sender zeigen die Amtseinführung auch per Live-Streaming im Internet.

Wen die deutsche Synchronisierung stört oder wer sie nicht braucht, kann sich beispielsweise dem US-Fernsehsender CNN zuwenden. Registrierte Nutzer können sich nebenbei via Facebook mit CNN "vernetzen". Außerdem fordert der Sender die Zuschauer vor Ort auf, ihre mit Digitalkamera oder Handy geknipsten Fotos von dem Moment einzuschicken, in dem Obama die 36 Wörter des Amtseids spricht. Die Bilder sollen mit Hilfe der Microsoft-Technik Photosynth zusammengefügt werden und das "detaillierteste Abbild eines einzigen Augenblicks" überhaupt ergeben. Ein mit Hilfe der Leser zusammengestelltes Fotoalbum plant auch die New York Times.

Allerdings befürchten Mobilfunknetzbetreiber, die Menschenansammlung könne einen Zusammenbruch der Washingtoner Handy-Netze herbeiführen, zumal CNN und die New York Times nicht die einzigen sind, die um Fotos bitten. Die Menschen sollen sich deshalb beim Telefonieren und Verschicken von Fotos und Kurzmitteilungen zurückhalten, appellieren die Unternehmen. Wie die New York Times berichtete, seien die Anhänger des bekennenden Blackberry-Fans Obama mehrheitlich jung und schätzten die schnelle Kommunikation per Twitter, Blogs und anderen Kommunikationsformen. Deshalb seien bereits mehrere Millionen Dollar in die Stärkung der Handy-Netze in der US-Hauptstadt investiert worden; AT&T habe allein 4 Millionen Dollar für diesen Tag investiert und die Kapazität seines 3G-Netzes um 80 Prozent erhöht.

Obama übernimmt heute 77 Tage nach seiner Wahl das Amt von seinem Vorgänger George W. Bush. Zu der Vereidigung, die auf den Treppen des Capitols stattfinden soll, werden zwei Millionen Besucher erwartet. Allerdings mussten laut Medienberichten hunderte Obdachlose aus ihren Notunterkünften in der Stadt, in der heute Höchsttemperaturen von ca. 0° Celsius erwartet werden, weichen. Die Feierlichkeiten kosten schätzungsweise 75 Millionen US-Dollar, die Wirtschaftswoche schreibt von 130 Millionen Dollar. Vor vier Jahren, als Bush seine Wiederwahl feiern durfte, wurde er dafür gescholten, 40 Millionen US-Dollar ausgegeben zu haben.

Mit Obama tritt der erste Mensch das höchste politische Amt der USA an, der über einen Twitter-Account verfügt, heben US-amerikanische Medien hervor. Vermutlich wird Obama, der auch während seiner Präsidentschaft nicht auf sein BlackBerry-Gerät verzichten will, heute kaum Gelegenheit haben, kurze Mitteilungen zu "zwitschern". Schließlich wird unmittelbar nach der Vereidigungszeremonie in der ehrwürdigen Statuary Hall des Capitols eine Geflügelkombination aus Fasan und Ente an Sauerkirsch-Chutney und Süßkartoffeln gereicht. Um 14 Uhr beginnt die Parade vom Capitol zum Weißen Haus entlang der Pennsylvania Avenue. Im Anschluss daran finden zehn offizielle Bälle statt, die voraussichtlich Obama nicht auslassen wird.

Abseits von Twitter lädt das Presidential Inaugural Committee ein, sich über das Social Network Tumblr zu vernetzen. Dort werde ein offizielles Presidential Inauguration tumblelog mit "Gedanken, Fotos, Links, Zitaten und Videos" geführt. Das Liveblog soll auch ab 20 Uhr (Ortszeit) weitergeführt werden auf dem ersten "Neighborhood Ball" im Convention Center in Washington. Die Veranstaltung, an der anders als sonst üblich "Normalbürger" teilnehmen, wird auch vom US-Fernsehsender ABC live übertragen.

Von der Euphorie rund um den ersten afroamerikanischen Präsidenten hoffen auch die wirtschaftlich angeschlagenen US-Zeitungen zu profitieren. Die New York Times, die Washington Post und viele andere Zeitungen kommen heute mit einer millionenfach erhöhten Auflage, Sonderausgaben und Beilagen auf den Markt. Die New York Times will ihre Auflage an dem denkwürdigen Tag um rund 75 Prozent auf 2,2 Millionen erhöhen. Die Washington Post druckt eine Sonderauflage von 1,7 Millionen – und will auch den Preis anheben: Statt normalerweise 75 Cent (57 Euro-Cent) kostet die Zeitung am 20. und 21. Januar 2 Dollar (1,50 Euro). Die Ereignisse nach dem Wahlsieg Obamas am 4. November stimmen die Herausgeber hoffnungsvoll: Damals hatten Bieter bei Versteigerungen im Internet-Auktionshaus E-Bay bis zu 100 Dollar (75 Euro) für Zeitungen vom 5. November bezahlt.

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(anw)