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#wikifueralle: Ruf nach mehr Sichtbarkeit für Nicht-Männer in der Wikipedia

Damit Nicht-Männer auf der Wikipedia nicht mehr nur mitgemeint sind, haben Autor*innen einen Aufruf gestartet. Auslöser war einmal mehr eine Lösch-Diskussion.

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(Bild: dpa, Jens Büttner)

Mit einer Online-Petition will eine Gruppe von Autor*inen mehr Sichtbarkeit für nicht-männliche Personen auf der Online-Enzyklopädie Wikipedia erreichen. Hintergrund für die Aktion unter dem Motto #wikifueralle ist eine ausgiebige Diskussion darüber, ob es auf Wikipedia eine Liste nur für deutschsprachige Science-Fiction-Autorinnen geben soll. Die hat die Aufrufe zur Löschung zwar inzwischen bestanden, aber die Initiatorin Theresa Hannig hat die Debatte nun zum Anlass genommen, den Aufruf an Wikipedia-Autor*innen, Wikimedia Deutschland "und alle, denen die Wikipedia am Herzen liegt" zu initiieren.

Hannig hatte die Liste Mitte März angelegt, unter anderem weil Autorinnen in der allgemeinen Liste für Autoren nicht leicht zu finden und "vollkommen unterrepräsentiert" seien. Trotzdem wurde rasch eine Löschung des Artikels beantragt, weil er "redundant" und "dubios" sei. Auch wenn die Löschung abgewehrt wurde, war das Geschehen für Hannig "nur ein Beispiel dafür, wie wenig Bedeutung Frauen in der Wikipedia beigemessen wird". Immer wieder würde Frauen mit Hinweis auf angeblich fehlende Relevanz ein Artikel verweigert, sogar einer späteren Nobelpreisträgerin.

Hannig und ihre Mitstreiter*innen wollen dagegen nun ankämpfen und stellen weitergehende Forderungen an die Wikipedia-Gemeinschaft, um Frauen und nicht-männliche Personen in der Enzyklopädie sichtbarer zu machen. So fordern sie eine Abschaffung der Pflicht zum generischen Maskulinum, denn auch wenn Nicht-Männer mitgemeint sein sollen, könne es zu falschen Annahmen führen: Wer liest, "Im alten Griechenland durften alle Bürger wählen", erfahre dadurch beispielsweise noch nicht, dass Frauen von der politischen Beteiligung ausgeschlossen waren, erklären sie.

Außerdem fordern sie mehr Sichtbarkeit für Frauen und nicht-binäre Menschen, indem Listen nach Geschlecht suchbar, auffindbar und sortierbar gemacht werden. Die internen Entscheidungsprozesse sollten demokratisiert werden und Lösch-Diskussionen besser geprüft werden. Einige dieser nicht unbedingt Forderungen könnten intern bei der Online-Enzyklopädie erfüllt werden, schreiben die Verfasser*innen.

Über die Petition könnten aber auch bloße Nutzer*innen von Wikipedia deutlich machen, wie wichtig es ihnen sei, "dass die Wikipedia nicht nur die Meinung einer kleinen Gruppe widerspiegelt, sondern die Realität möglichst so beschreibt, wie sie ist: männlich, weiblich und divers." (mho)